Kim Sanders - Pretty on edge

Kim Sanders- Pretty on edge

Polydor / Universal
VÖ: 02.06.2003

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Hart an der Grenze

Unsere Lieblingsstars und ihre frühen Jugendsünden. Die eine oder andere Schauspielgröße von heute möchte mit Sicherheit nicht auf ihre ersten "darstellerischen" Gehversuche in 70er-Jahre-Schmuddelfilmchen angesprochen werden. Ein Robbie Williams kann uns seinen nackten Arsch so oft unter die Nase halten wie er will, wir werden trotzdem nicht vergessen, daß er früher der Klassenclown bei Take That war. Und ähnlich auch Justin Timberlake. Der kann seine dunkle Vergangenheit als Starkstromlocke bei N*Sync nämlich ebenso wenig leugnen, wie die Tatsache, daß strenggenommen auch seine Gegenwart ziemlich dunkel ist.

Besser hat es da schon Kim Sanders. Der Verwalter ihrer Akte in der Credibility-Abteilung berichtet zwar mit Tränen in den Augen von Engagements als Culture Beat- und La Bouche-Sängerin, ein paar Gastvocals auf einer CD der großen Umzumz-Grufties Schiller und Kompositionen für die ganz Schlimmen von Bro'Sis bis DJ Bobo. Mitbekommen hat das aber keiner, und deshalb kann man ja wohl nun auch mal versuchen, sich als ernstzunehmende Sängerin zu etablieren. Ja. Aber mit einem Album wie "Pretty on edge"? Also wirklich.

Schon mit ihrer ersten Single wollte Kim Sanders alles besser machen. Ein mitreißendes Stück radiotaugliche Popmusik samt individuellem Touch sollte her. Herausgekommen ist dabei dann "Something about you". Ein denkbar lahmes Mainstream-Ding ohne Drive, ohne zwingendes Hitpotential, ohne Mut, ohne alles. So auch das restliche Dutzend auf "Pretty on edge". Vom schlaffen HipHop-Beat über die Leuchtstäbchen-Ballade bis zur Latin-Gitarre (die kriegt man heute gratis zum Studio dazu) sind sie alle dabei. Vorhersehbar wie die nächste Modern Talking-Reunion. Sie wissen schon: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und so. Kim Sanders würde wahrscheinlich nicht mal bei Rot über eine unbefahrene Straße gehen.

Dabei ist die Platte doch dann am besten, wenn Kim sich mal am Riemen reißt und über ihren Schatten springt. Das fuchsige "Tricky" macht seinem Namen mit ein paar schrägen Spielereien alle Ehre. "Reason" und "Release" finden zwar kein Ende, bilden aber trotzdem ein angenehm stimmiges Rausschmeißer-Duo. Mehr davon! Vielleicht ja nächstes Mal. Hier überwiegen jedenfalls noch die peinlichen Boshaftigkeiten Marke "You don't do shit for me". Sowas nennt man heute dann wohl Soul-Musik. Aber hierfür wurde Marvin Gaye bestimmt nicht erschossen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Tricky
  • Release

Tracklist

  1. Something about you
  2. Always here without you
  3. Out of line
  4. Satisfy you
  5. Tricky
  6. Running
  7. Sunburned
  8. Better than that
  9. You don't do shit for me
  10. I hate myself
  11. Still you
  12. Reason
  13. Release

Gesamtspielzeit: 57:07 min.