Lucas Uecker - Unterm Teppich

Lucas Uecker- Unterm Teppich

Buback / Indigo
VÖ: 31.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Im Zweifel

Die Hamburger Liedermacherbande um Liedfett ist dem ein oder anderen Szenekenner längst ein Begriff. Nun hat Lucas Uecker, seines Zeichens geschätzter Gitarrist des Trios, einige Songs aufgenommen und veröffentlicht sie just auf dem Longplayer "Unterm Teppich". Von einem Solo-Werk kann zwar kaum die Rede sein, immerhin setzte Uecker auf eine ganze Armada an Instrumentationen für die Aufnahme-Sessions. So ist ein formidables Gesamtkunstwerk in vielen Genre-Gewändern entstanden. Der Songwriter bedient sich dabei nicht selten an Americana- und Punkphrasen und überzeugt ganz nebenbei mit einer sehr bescheiden eingesetzten, knarzigen Stimme. Auch als HipHopper hätte der Mann übrigens Potenzial.

Das Album beginnt mit "Der Grund" und ein paar sehr smart eingesetzten Breaks. Das kommt so unerwartet, dass man sofort Lust auf mehr bekommt. Weiter geht es mit "Seiltänzer", einer entrückten Selbstfindungsballade, welche von einem sehr gefühligen Fingerpicking getragen wird. "Rettungsboot" und "Fassade" lassen den Hörer virtuelle Strandspaziergänge unternehmen. "Am Arsch" setzt mit dem düsteren Text über ein verkorkstes Leben den ersten Höhepunkt. Der Song wird abermals mit filigranem Picking eingeleitet und spricht von so manchen Tiefs, welchen sich fast jeder während des Erwachsenwerdens stellen muss. "Zucker" wiederum konterkariert diese Stimmung mit einem zynischen Blick auf die alternativlose Vergnügungssucht des Menschen. Alle Stücke auf "Unterm Teppich" wirken sehr reif und sind geprägt von überdurchschnittlicher Versiertheit an den Instrumenten. Gleichzeitig wird das Hören des Albums aufgrund einer zielführenden Laut/Leise-Dynamik und Leichtigkeit des Vortrages aber nie langweilig.

Ansonsten erlaubt Uecker dem Hörer aber keinen uneingeschränkten Blick hinter die Fassade seiner Geschichten. Ein mehrmaliges An- und Zuhören ist verpflichtend. "Ich hab eine Scheißwut auf Dich und auf mich und auf alle andern sowieso", zetert Uecker auf dem Titeltrack "Unterm Teppich" und spricht einer ganzen Generation von Selbstzweiflern, Gutmenschen und besorgten Bürgern dabei wie aus der Seele. "Vor meinem Fenster" ist beschwingt und gut gelaunt und könnte eine dieser Nummern sein, bei welcher der Schweiß von der Decke tropft, während sie in einem übervollen Club live inszeniert wird. Der Closing-Track "Platte" indes wirkt wieder zurückgezogener und irgendwie final. Ein sanft gestrichener Besen gleitet über die Snare, ein Bottleneck streichelt die Stahlseiten der Westerngitarre. Das könnte groß werden. Sehr groß ...

(Oliver Di Iorio)

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Highlights

  • Am Arsch
  • Zucker
  • Platte

Tracklist

  1. Der Grund
  2. Seiltänzer
  3. Rettungsboot
  4. Fassade
  5. Am Arsch
  6. Unterm Teppich
  7. Vernünftig
  8. Zucker
  9. Vor meinem Fenster
  10. Platte

Gesamtspielzeit: 37:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Georg
2019-05-03 09:35:22 Uhr
...das bin ich...
Gewollt witzig
2019-05-02 21:01:47 Uhr
Spielt der nicht den Carsten Floeter in der Lindenstrasse?

Armin

Postings: 14764

Registriert seit 08.01.2012

2019-05-02 20:23:38 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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