Little Steven And The Disciples Of Soul - Summer of sorcery

Little Steven And The Disciples Of Soul- Summer of sorcery

Universal
VÖ: 03.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

To teach & everyone

Als Steven Van Zandt 1984 Bruce Springsteens E Street Band verließ, war das finanziell gesehen sicherlich eine der schlechtesten Entscheidungen seiner Karriere. Denn er verpasste somit auch die ausgedehnte Stadiontour zum Hit-Album "Born in the USA" – und damit Einnahmen in für die Band bis dato unbekannten Höhen. Van Zandt aber ging, um andere musikalische Projekte zu forcieren. Er veröffentlichte in den Achtzigerjahren Alben mit politischem Kontext und gründete 1985 die "Artists united against Apartheid". Heutzutage engagiert sich Little Steven vornehmlich für LehrerInnen. Über das TeachRock-Program erhalten Lehrkräfte Material, um in den Lehrplänen ihrer Fächer – von Sozialwissenschaften über Sprachen bis hin zu Geografie – die Geschichte populärer Musik zu vermitteln. Alles kostenlos. Auch die an Auftritte von Little Steven & Co gekoppelten Workshops sowie der Eintritt zu jenen Konzerten.

Daher wundert der Songtitel "Education" in der Trackliste des neuen Werks "Summer of sorcery" wahrlich nicht. Allerdings sind in den psychedelischen Sitarklängen, den empathischen Bläsern und Zeilen wie "I want it, I need it, education" sexuelle Schwingungen nicht abzustreiten. Letzteres passt auch mehr ins Gesamtkonzept des 68-Jährigen. Denn zentrales Thema der Platte ist ein imaginärer Sommer, in dem alles möglich ist, Wochen, an die man sich auch Jahre später noch erinnert. "The only way to take you higher / Let the music get inside ya", singt Van Zandt im Opener, um mit Schellenkranz-Claps und dem wiederkehrenden Ausruf "Harmony, unity, communion" die Rudelfeier einzuläuten.

Man mag "Party mambo"als plakativen Anschluss werten, aber wer den als Miami Steve bekannten Frontmann einmal im Hard Rock Café vor seinen Konzerten mit Sandalen, Leinenhose, Kettchen und luftig sitzendem Hawaiihemd hat Musik auflegen sehen, weiß, dass der Mambo auch in den Reisekoffer passt und bei Bedarf zu Fritten serviert wird. Nachdem Little Steven für seinen Vorgänger "Soulfire" knapp 20 Jahre benötigt hatte, sind nun mal gerade zwei Jahre verstrichen für zwölf neue Songs. Zwei Jahre, in denen Van Zandt mit seiner formidablen Band, den Disciples Of Soul, eine äußerst spielfreudige Alternative für die derzeit ruhende E-Street-Kombo präsentierte – man höre dazu auch die zwischenzeitlich veröffentlichte "Soulfire"-Live-CD – und die seine Stimme gefordert und gefördert hat: durch die Bank kraftvoll, auch mal amourös verschlagen bei "Suddenly you".

"Summer of sorcery" überrascht in seiner musikalischen Ausrichtung nicht. Das verlangt ob der Vielfalt aber auch niemand. Denn hier kulminieren die bekannten Genre-Vorlieben des Bandana-Trägers mit den unbestreitbaren Qualitäten seiner Mitstreiter. Die Oberkategorie bleibt Rock'n'Soul. Stan Harrisons Flötensolo in "Vortex" zahlt auf die Soul-Rückblende ein, schließlich klingt schon das Intro des Tracks, als lotste Isaac Hayes "Shaft" in die Achtziger. Sowohl rhythmisch als auch durch die (Backing-)Vocals von Jessica Wagner, Sara Devine und Tania Jones untermalt der infektiöse (Motwon-)Soul der 60s-Girl-Groups "Summer of sorcery" fortlaufend, samt "Shalala"s in "A world of our own". Nummern wie "Love again", das atmosphärisch an "I don't want to go home" anknüpft, hätte Little Steven vor vielen Jahren Southside Johnny & The Asbury Jukes oder anderen dankbaren Abnehmern abgetreten. Nun hat er die Zeit und veröffentlicht die Songs selbst.

Little Steven And The Disciples Of Soul möchten hier explizit Gastgeber der guten Laune sein: ohne tiefgründige Texte, dafür mit aller gebotenen Seriosität und Klasse. Du nennst keine Nummer "Soul power twist", wenn Du das nicht in Energie umsetzen kannst. (Was sie können.) Und wenn Du nicht Selbstvertrauen und Spaß verspürst, packst Du in die Ladeluke des "Superfly terraplane" keine Pettycoats, Mariachi-Bläser und ein Rock'n'Roll-Riff. Wie auch schon bei der tollen Neuinterpretation von Etta James auf "Soulfire" versteht Little Steven zudem bei "I visit the blues" das Blues-Business nur zu gut. Ganz zu schweigen vom formidablen achtminütigen Titeltrack, der sich ein wenig so anfühlt, als schreibe Van Zandt Springsteens "Land of hope and dreams" auf seine Weise fort. Oder es ist doch ein bißchen Zauberei.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Love again
  • Superfly terraplane
  • I visit the blues
  • Summer of sorcery

Tracklist

  1. Communion
  2. Party mambo!
  3. Love again
  4. Vortex
  5. A world of our own
  6. Gravity
  7. Soul power twist
  8. Superfly terraplane
  9. Education
  10. Suddenly you
  11. I visit the blues
  12. Summer of sorcery

Gesamtspielzeit: 59:50 min.

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Armin

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2019-05-02 20:22:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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