Clowns - Nature / Nurture

Clowns- Nature / Nurture

Fat Wreck / Edel
VÖ: 12.04.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Feines Näschen

Die Kostümierung mit der roten Nase ist eine für die Kunst dankbare Figur, denn ihre äußerlich anhaftende Fröhlichkeit eignet sich als Projektionsfläche, um tragische oder ernste Geschichten zu erzählen. Der Hardcore-Punk von Clowns aus Melbourne operiert mit Klarheit, mit ungeschminkten Standpunkten zum Leben und zur Gesellschaft. Zur letzten Platte "Lucid again" allerdings atmete er durch eine Lunge, die sich vermehrt tiefe Atemzüge und Ruhepausen gönnte. Angesichts des vierten Longplayers "Nature / Nurture" aber trifft die damalige Prognose des geschätzten Kollegen Smeets, für den Aussie-Fünfer seien "die Zeiten der kurzen Kracher zwischen Hardcore, Punk und Rock wohl vorbei", nicht unbedingt zu.

Das sleaze-rockende "Freezing in the sun" macht es sich zum feinen Gesang von Basserin Hanny zwar in der von Clowns unlängst erfolgreich beackerten Komfortzone zwischen The Bronx und atmosphärischen Frank-Carter-Stücken bequem, punktet aber mit Stimmung und durch seine feine Dramaturgie. Der quasi erste Teil des Titeltracks geizt indes nicht mit Power und Kratzbürstigkeit, und fegt den Schotter mit Nachdruck vom Asphalt. Schnell wird klar: Für ihr erstes Werk beim Kultlabel Fat Wreck haben sich Clowns das reife Songwriting des Vorgängers zwar bewahrt, vor allem aber Lautstärke und Wucht wieder fett auf ihre Fahne gepinselt.

Der Einstieg ins Album bereits entfacht einen wilden Pit, denn der Nicht-mal-Zweiminüter "Bland is the new black" rast mit toller Harmonie und faustschlag-getimten Shoutings in Hau-Ruck-Manier am Hörer vorbei, bevor der herrlich räudige Besen dann beinahe elegant zu "Soul for sale" überleitet. Einem ebenso wuchtigen Punk'n'Roll-Ohrwurm mit tiefgestimmten Gitarren, der zur Freude vieler FatWreck-Ohren beherzt in die melodiöse Neunziger-Hardcore-Kiste zwischen Good Riddance und Propagandhi greift. Nach der großartigen, schnellen und zugleich hoch infizierenden ersten Hälfte von "Nature / Nurture", die in der zunächst ruhig gepolten Auskopplung "I wanna feel again" einen weiteren Höhepunkte erfährt, müsste der Hörer eigentlich mal kräftig durchpusten. Eigentlich. Doch in Teil zwei dieses "Nature / Nurture" reagiert über weite Strecken die Aggression.

Nicht nur das schnaubende "1:19" kommt trotz Zuhilfenahme eines hektischen Synthie-Effekts kaum zum Atmen, auch im tosenden "Prick" schnauben sich Vokalist Stevie Williams und Konsorten zu erhobenem Mittelfinger dermaßen einen zurecht, dass alle noch Anwesenden sich um die letzten Sauerstoffmoleküle balgen müssen. Puh! "May I be exhumed" bringt dann das überaus exzellente Artwork der Platte zur quasi-musikalischen Übersetzung. Denn das kurze Kraut-und-Rüben-Intermezzo leitet zum leicht experimentellen Abschluss-Rocker "Nurture" über, der sich inklusive Sitar-Einlage mit seinem furios überschäumenden Finale letztlich selbst krönt. Selbstredend könnten Clowns auch mit roten Nasen auftreten – der Fünfer aus Down Under bliebe die mitunter spannendste jüngere Band im Hardcore-Business.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Bland is the new black
  • Soul for sale
  • Freezing in the sun
  • Nurture

Tracklist

  1. Bland is the new black
  2. Soul for sale
  3. Freezing in the sun
  4. Nature
  5. I wanna feel again
  6. I shaved my legs for you
  7. 1:19
  8. Prick
  9. Prey for us
  10. May I be exhumed
  11. Nurture

Gesamtspielzeit: 38:16 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gääääää
2019-05-21 15:50:02 Uhr
äääähn
Zwiebel Etto
2019-05-21 13:42:35 Uhr
muss fuzzymass da zustimmen.

Fand das Vorgängeralbum RICHTIG klasse!
kann, jetzt nach dem 3. Durchlauf wirklich keine highlights ausmachen... Das Album läuft so stromlinienförmig durch.
Nicht unbedingt schlecht, aber ohne den nötigen Schmiss, schade.
7/10
2019-05-07 23:37:08 Uhr
rulez!
fuzzmyass
2019-05-07 23:31:50 Uhr
Kommt leider nicht ganz an den tollen Vorgänger ran, aber wirklich recht gutes Album nichtsdestotrotz. 7/10
Charmin
2019-05-07 15:57:51 Uhr
Gut.
Hatte den Namen vorher nie gehört, aber das Album klingt recht frisch - besonders im Vergleich zu vielen inzwischen recht angestaubten alteingesessenen Punkbands.
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