Capital Bra - CB6

Capital Bra- CB6

Bra / Universal
VÖ: 12.04.2019

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Guccis Werk und Bratans Beitrag

Mit seinem sechsten Album "CB6" ist Capital Bra auf dem Gipfel angekommen. Er bricht Streaming-Rekorde, mittlerweile waren elf seiner Singles auf Platz 1 der Charts. Die meisten seiner Fans sind minderjährig, kommen aus Großstädten und sagen gerne "Digga". Glaubt Ihr nicht? Einfach mal mit offenen Ohren U-Bahn fahren. Irgendetwas hat er, dieser Typ mit russisch-ukrainischen Wurzeln, der seit vielen Jahren in Berlin lebt und Musik macht. Aber was? Ist es Talent? Es wäre vermessen, sich im Stile des Fensteropas über den merkwürdigen Geschmack der Jugend zu echauffieren. Früher war eben nicht alles besser. Gut produzierte Beats kann "Capi" auf jeden Fall vorweisen. Zwar bimmeln in jedem zweiten Track die Glocken, in Sachen Transparenz und Eingängigkeit können sich die Instrumentals aber durchaus hören lassen. Will man den Erfolg des Vladislav Balovatsky nachvollziehen, muss man tiefer eintauchen, lelele.

Die Glorifizierung des Konsumismus im HipHop hat sich derart verselbstständigt, dass die Grenzen zwischen Ernst und Ironie längst aufgelöst sind. Die Debatte um "Realness" ist ohnehin ebenso lächerlich wie unnötig. Entscheidend ist nicht, was die selbsternannte Rap-Polizei denkt, sondern was die Jugendlichen von der Musik halten. Dass Capital Bra so viele Menschen anspricht, liegt zum einen an der gekonnten Selbstinszenierung als Typ von der Straße, der den klassischen Weg vom Bordstein zur Skyline zurückgelegt hat. Zum anderen hat er erkannt, dass für den ganz großen Massenappeal Kompromisse gemacht werden müssen. Räudige, ekelhafte Kompromisse. Einen gewissen Ohrwurmcharakter kann man einzelnen Songs wie "Rolex" oder "Cabriolet" aber nicht absprechen. In der Summe liegt das Verderben. Bot Capitals vorletztes Album "Berlin lebt" noch solides Entertainment, ist "CB6" ein kalkuliertes Nullsummenspiel aus Gucci, Koks und Nutten, lelele.

"Ich weiß nicht, was ich machen soll / Deshalb mach ich meine Taschen voll", heißt es in "Wir ticken". Allumfassende Leere. Das Leben als Wüste. Doch die Sozialkritik ist nicht weit: "Wir tragen Gucci / Leute hungern in Nigeria". Wer das alles für bare Münze nimmt, hat den Schuss nicht gehört. "Bitches, die Para lieben", lieben es wahrscheinlich auch, "Bitches" genannt zu werden. Das gehört sich so, lelele. Unterstützend wirkt der desinteressierte Singsang, in welchem Capital Bra viele seiner Weisheiten vorträgt. Dazu gesellen sich – in meist zufälliger Reihenfolge – Vergleiche mit Fußballern, Verweise auf die eigene Vergangenheit und die Nennung bekannter Bekleidungs- und Automobilhersteller. Kennt man alles, muss so sein. Ist auch an sich überhaupt nicht schlimm, sondern einfach das, was dabei rauskommt, wenn die Möglichkeit unbegrenzten Konsums das gleiche wie Erfolg bedeutet. Dass das in erster Linie gequirlte Kacke ist und überhaupt nichts aussagt, ist nur eine Vermutung, lelele.

Capital Bra lebt den Traum und er liebt. Im Hit "Prinzessa" schmachtet er eine Dame an, um in der nächsten Zeile ihre Oberflächlichkeit hervorzuheben, das dazugehörige Video zeigt ihn in Begleitung mehrerer praktisch unbekleideter Frauenhintern. Romantik im Bratan-Stil. Auch "Für uns" ist ein Song über die Zweisamkeit, kommt dabei aber kaum über das Niveau einer Grußkarte hinaus. Das wird die Hörerinnen und Hörer aber kaum interessieren, denn das Gefühl, das vermittelt wird, zählt. Beinahe jeder Track wartet mit gesungenen Passagen, die sich melodisch an Vorbildern aus dem türkisch-arabischen Rap-Kosmos orientieren, auf. Besonders tiefgründige Punchlines wie "Der Türsteher kriegt 'n Uppercut / und braucht danach ein' Zahnersatz" bekommen die genreübliche Autotune-Behandlung zur Maximierung des emotionalen Impacts. Schon sehr schlimm, das alles. Deswegen aber ein Fass aufzumachen und vom Drama einer Kultur zu berichten, wäre zu kurz gegriffen. Zur Veranschaulichung hier ein Beitrag aus "Click click": "Handschellen klicken / Ich will euch alle ficken / Alle fick fick, lelele." (

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • -

Tracklist

  1. Benzema
  2. Rolex (feat. Summer Cem & KC Rebell)
  3. Bye bye (feat. Nimo)
  4. Cabriolet
  5. Click click (feat. Samra)
  6. Mexican Mafia
  7. Leg
  8. Steh auf
  9. Prinzessa
  10. Wir ticken (feat. Samra)
  11. Van der Vaart (feat. Nash)
  12. Schwarze Locken
  13. Capital Bra je m'appelle
  14. Kalt
  15. Schon ok
  16. Sollte so sein
  17. Blech
  18. Für uns

Gesamtspielzeit: 55:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ey,
2019-07-06 11:49:48 Uhr
Ist einsam sn der Spitze, ich halt's nur mit Wodka E und Tilidin aus
ONE NIGHT STAND
2019-05-29 15:59:53 Uhr
Hier ein besonders schönes Werk, damit die Größe dieses Interpreten einem jeden klar wird:

https://www.youtube.com/watch?v=P-_iVRTAFQ8
Nu!
2019-05-29 14:48:43 Uhr
Trolle definieren sich nicht aufgrund ihrer Nickfarbe. Man erkennt sie daran, dass sie nichts zum Thema zu sagen haben und mit ihren Postings versuchen, Beifall oder Ablehnung zu provozieren. Weitere Indizien: Verwendung von Caps Lock, Häufung sinnloser Zeichenwiederholungen und Deppenleerzeichen sowie insbesondere: Blödheit bis zum Abwinken. Könnte aber natürlich Zufall sein, dass das alles auf dich zutrifft ;)

Robert2

Postings: 346

Registriert seit 05.10.2017

2019-05-29 13:58:43 Uhr
...die TROLLE sind wieder da .......
Nu!
2019-05-29 13:57:21 Uhr
Fast richtig, Robert2, aber es war das All-Time-Ranking "Meiste #1-Hits der deutschen Charts-Geschichte", du luftgefüllter NullnummernCLOWN.
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