Beyoncé - Homecoming: The live album

Beyoncé- Homecoming: The live album

Parkwood / Columbia / Sony
VÖ: 17.04.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Kraft der zwei Lungen

Dass es ein Mordsspektakel wird, wenn Beyoncé das Coachella-Festival als Headliner besucht, war von Anfang an klar. Aber was für eine gigantomanische Show das im April 2018 an zwei Wochenenden letztlich war, das hatte selbst noch kühnste Prognosen getoppt. Über 200 Tänzer in aufwändigen Choreografien, Besuche von Ehemann Jay-Z, J Balvin oder den Ex-Destiny's-Child-Kolleginnen Kelly Rowland und Michelle Williams und natürlich Mrs. Carter in Topform höchstselbst. Eine Band mit der Wucht eines Orchesters, dank der zig Bläser, die aus den Lautsprechern pusten. Und eine Setlist, die kaum einen Banger der Diskografie auslässt und den Balladenkram überraschend konsequent umschifft. Es war kein Festivalauftritt, es war eine Machtdemonstration. Ein Meilenstein des gepflegten Konzertfeuerwerks. Genau ein Jahr später ist das Ereignis als Netflix-Film zu bewundern – und mit "Homecoming: The live album" gibt es die entsprechende Tonspur dazu.

Was bereits aus der Beschreibung erahnbar ist: Ohne die optische Komponente fehlt diesem fast zweistündigen Mitschnitt natürlich etwas. Die Megalomanie wird lediglich in Auszügen spürbar, der Fokus liegt klar auf den kräftig trompetenden Arrangements und Beyoncés nach wie vor faszinierender, gewaltiger Stimme, die breitwändige Melismen ebenso abhandelt wie schlagfertige Raps. Das Publikum ist derweil als reine Nebensache in den Hintergrund gemischt, selbst die ekstatischsten Schrei-Ausbrüche sind kaum mehr als eine sanfte Brandung im Klangbild. Was der Sache wiederum keinen Abbruch tut. Dafür unterhalten umso mehr die für die große Sause frisierten Versionen, die erweitert, zusammengefasst und ineinander verschränkt werden, dass es eine Freude ist. Da wird "Flawless" in zwei Hälften gehauen, der eine Teil mit Nicki Minajs "Feeling myself" vermischt, "Formation" ein verlängerter Instrumental-Teil spendiert oder "Déjà vu" mit einem scharfen Percussion-Solo erweitert. Mühelos, selbstverständlich. Wie in "Sorry" ein Frauenchor wiederholt "Suck on my balls" skandiert, das sollte man übrigens auch mal gehört haben.

Nicht zufällig wird "Lift every voice and sing", bekannt als eine Art Nationalhymne der Afroamerikaner in den USA, am Anfang und Ende des Konzerts inkludiert. Wie bereits ihr letztes Studioalbum "Lemonade" versteht sich auch "Homecoming: The live album" als ein selbstbewusstes Statement der schwarzen Frau in der Welt, ihrer Forderung nach Sichtbarkeit, nach Gleichberechtigung. Aus diesem Grund finden sich das entschlossene "Freedom" und das aufsässige "Formation" als Nachbarn in der Tracklist, aus diesem Grund zelebrieren auch die Gestaltung der Bühnenshow sowie die auditiven und optischen Zitate ihre Herkunft und Abstammung. Und doch kommt stets der Spaß an der Sache bei weitem nicht zu kurz. Wenn "Countdown" und "Check on it" als Partystarter ineinander fallen, bleibt niemand mehr hocken, Hits wie "Crazy in love" und "Run the world (Girls)" animieren ebenso atemlos zum Tanzen wie in ihren Studioversionen – verstehen sich aber auf "Homecoming: The live album" immer als Teil eines logisch aufgebauten Ganzen.

Und apropos Studio: Zwei Tracks aus der Konserve gibt es als Bonus obendrauf. Das Maze-Cover "Before I let go" ist ein besonders hübscher Showcase für Beyoncés Organ und hält sich auch an den bläsergestützten Sound der Livetracks. "I been on" gab es bereits vor einigen Jahren als Teil eines Demosongs und präsentiert sich trotz der weiterhin abstrus tief verzerrten Stimme deutlich ausgereifter. Sie sind nicht mehr als eine leichte Erdung nach dem schweißtreibenden Dauerfeuer davor. Das zwar "nur" ein Audiodokument eines wahrhaft legendären Auftritts ist, aber ein verdammt unterhaltsames und launiges. Und auch wenn die Empfehlung klar dazu geht, sich lieber das volle Erlebnis mit dem Film zu gönnen: Selbst die Hörfassung steckt locker neunzig Prozent aller Liveplatten in die Tasche. So schnell macht ihr auch hier keiner was vor. Der Ausruf "Bow down, bitches" ist also immer noch berechtigt.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Crazy in love
  • Don't hurt yourself
  • Partition
  • Countdown
  • Déjà vu (feat. Jay-Z)
  • Say my name (feat. Kelly Rowland & Michelle Williams)
  • Single ladies (Put a ring on it)

Tracklist

  1. Welcome
  2. Crazy in love
  3. Freedom
  4. Lift every voice and sing
  5. Formation
  6. So much damn swag (Interlude)
  7. Sorry
  8. Kitty Kat
  9. Bow down
  10. I been on
  11. Drunk in love
  12. Diva
  13. Flawless / Feeling myself
  14. Top off
  15. 7/11
  16. Bug a boo roll call (Interlude)
  17. Party
  18. Don't hurt yourself
  19. I care
  20. Partition
  21. Yoncé
  22. Mi gente (feat. J Balvin)
  23. Baby boy
  24. You don't love me (No, no ,no)
  25. Hold up
  26. Countdown
  27. Check on it
  28. Déjà vu (feat. Jay-Z)
  29. The bzzzz drumline (Interlude)
  30. Run the world (Girls)
  31. Lose my breath (feat. Kelly Rowland & Michelle Williams)
  32. Say my name (feat. Kelly Rowland & Michelle Williams)
  33. Soldier (feat. Kelly Rowland & Michelle Williams)
  34. Get me bodied
  35. Single ladies (Put a ring on it)
  36. Lift every voice and sing (Blue's version) (feat. Blue Ivy)
  37. Love on top
  38. Shining (Thank you)
  39. Before I let go (Studio track)
  40. I been on (Studio track)

Gesamtspielzeit: 109:17 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 17784

Registriert seit 07.06.2013

2019-05-08 00:57:37 Uhr
Also ich finde Beyoncés Rhythmen deutlich spannender als die von AC/DC und Helene Fischer.

Aber hilfe, seit wann verteidige gerade ich Beyoncé? :D

MopedTobias

Postings: 12702

Registriert seit 10.09.2013

2019-05-07 19:15:35 Uhr
" [...] zur größten kulturellen errungenschaft der musikgeschichte hochjazzen"

Wo ist das hier passiert?
razzles
2019-05-07 19:09:43 Uhr
Der größte kolportierte Schwachsinn...

ist dass du und konsorten banale popmusik aus der kulturindustrie, also gnadenlos für den massenmarkt entworfene produkte, die einzig und allein den größtmöglichen profit einbringen sollen, zur größten kulturellen errungenschaft der musikgeschichte hochjazzen.

immer wieder erstaunlich übrigens das man in sämtlichen kulturellen bereichen die perfektion anstrebt, nur in der musik hingegen gibt man sich mit niedrigen ansprüchen der marke 4/4-takt wie helene fischer und beyonce zufrieden. ähnliches gilt für solche kaliber wie ac/dc. bevor hier wieder einer ankommt, man sei ein alter weißer mann der nur rockmusik höre.
Achtim
2019-05-07 17:41:49 Uhr
Bestes Livealbum aller Gezeiten

MopedTobias

Postings: 12702

Registriert seit 10.09.2013

2019-05-07 17:36:39 Uhr
Loketrourak bester Mann *Achimvoice*
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