Archive - 25

Archive- 25

Dangervisit / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 10.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Ein Vierteljahrhundert

25 Jahre Archive! Ein Grund für ein "Hurra!", für ein wenig Selbstbeweihräucherung, vor allem für eine nostalgische Rückschau und für ein Schielen nach vorne als kleine Cocktail-Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Der Rezensent muss ehrfürchtig anerkennen, dass keine seiner zwischenmenschlichen Beziehungen so lange Bestand hatte wie das Bandgefüge um Darius Keeler und Danny Griffiths. Das könnte einerseits daran liegen, dass er noch gar keine 25 Lenze auf dem Buckel hat, ist andererseits aber einfach beeindruckend. Trotz zahlreicher Stilwechsel und einer steten Fluktuation des Personals haben die Briten meist überdurchschnittliche Werke vorgelegt. Das sinnig betitelte "25" ist nun die von der Band selbst gepresste Essenz des eigenen Œuvres, angereichert mit acht neuen Tracks. Die vorliegende Deluxe-Version umfasst vier CDs mit insgesamt 43 Stücken, in der physischen Variante kommt ein 160-seitiges Buch mit Interviews und Bandfotos hinzu. Uff.

Für Archive-Neulinge muss die Zusammenstellung weniger wie ein Best Of klingen als wie einer dieser Sampler, die Nischen-Musikmagazine ihren Ausgaben gerne beilegen und die aufgrund ihrer krassen Stilvielfalt dann aber eher überfordern als überzeugen. Für Fans bietet "25" allerdings eine schöne Revue der letzten, eventuell gemeinsam erlebten 25 Jahre. TripHop wird zu Indie Rock wird zu Electro wird zu Progressive Rock und so weiter. Interessant sind aber natürlich vor allem die neuen Songs, darunter ein gemeinsamer mit der sich ebenso stetig wandelnden Band Of Skulls, die ihren ursprünglichen Swamp-Rock inzwischen ordentlich aufgeweicht und angepoppt hat. Mit siebeneinhalb Minuten Laufzeit ist "Remains of nothing" eines der mittellangen Archive-Stücke und entwickelt über einem E-Klavier-Motiv einen düsteren Blues-Groove, der sich der endgültigen Ekstase konsequent verweigert und gegen Ende in TripHop umschlägt. "Falling" hingegen genügt sich als wirres Zusammenspiel aus Synthies und schweren Streichern, das nur sporadisch mit einem Beat unterlegt wird und zwischen den bereits bekannten Songs untergeht. Ganz ähnlich verhält sich das bei "Erase", das sich in seiner zweiten Hälfte zwar öffnet, aber insgesamt auch eher blass bleibt.

"Lightning love" mit Steve Mason, dem Ex-Frontmann der Beta Band, ist eines der optimistischeren Stücke, die in Archives Schaffen eher rar gesät sind – und das gerade dadurch interessant wird. Die vier restlichen neuen Songs bedienen allesamt die minimalistische Ruhe, die Archive schon immer gut beherrschen, erzählen aber nicht viel Neues. Das ist zu verkraften, weil schon die bekannten Stücke so viel erzählen. "Numb", "Noise", "Fuck u", "You make me feel" und viele andere – ausnahmslos tolle Songs von einer starken Band. Dass man trotz der Anzahl an Tracks sogar noch den einen oder anderen vermisst, ist ein weiteres Indiz für die qualitative Beständigkeit von Archive. 25 Jahre in viereinhalb Stunden zusammengefasst – so gesehen wirkt das gar nicht mehr so lang. Und etwas anderes, als mindestens die 7/10 zu zücken, wäre Frevel.

(Simon Conrads)

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Highlights

  • Remains of nothing feat. Band Of Skulls
  • Lightning love feat. Steve Mason
  • Numb
  • Noise

Tracklist

  • CD 1
    1. Again
    2. Londinium
    3. Bullets
    4. System
    5. Kings of speed
    6. Nothing else
    7. Kid corner
    8. Erase
    9. Noise
    10. Shiver
  • CD 2
    1. Controlling crowds
    2. Remains of nothing feat Band Of Skulls
    3. Distorted angels
    4. Bright lights
    5. The empty bottle
    6. Falling
    7. End of our days
    8. Finding it so hard
    9. Fuck u
    10. The false foundation
    11. Take my head
  • CD 3
    1. Lights
    2. Waste
    3. Splinters
    4. Collapse/Collide
    5. Black & blue
    6. Bridge scene
    7. Numb
    8. Feel it
    9. Wiped out
    10. Driving in nails
  • CD 4
    1. You make me feel
    2. Bastardised ink
    3. Pills
    4. Violently
    5. Hatchet
    6. So few words
    7. Lines
    8. Lightning love feat. Steve Mason
    9. The hell scared out of me
    10. Hyper real
    11. Heart beats
    12. Whilst there light

Gesamtspielzeit: 274:03 min.

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User Beitrag
Bert
2019-05-13 19:57:46 Uhr
und überhaupt kann ich nur Nothing Else live mit Holly empfehlen...einfach überragend.
Bert
2019-05-13 19:51:59 Uhr
Ich bin für eine 9/10 für das aufwendige Werk und fantastische 25 Jahre.

Erase ist jetzt nicht unbedingt ne Großtat, da hätte noch ein alter Kracher wie Dangervisit besser gepasst. Aber Remains of Nothing und vor allem Heart Beats führen das hohe Niveau auch nach einem Vierteljahrhundert fort. Musik zum Abtauchen wie Lights.

Andere Klassiker wie Again oder Controlling Crowds, an denen ich mich sogar etwas satt gehört habe, reihen sich mittlerweile sogar hinter minimalistischere neue Sachen wie Blue Faces und eben Heart Beats ein. Holly hat ne tolle Stimmfarbe..und ist auch sonst toll.
Vincent Vega
2019-05-13 11:13:45 Uhr
Die Rezension wird der Sache wirklich nicht so richtig gerecht. Ich bin seit ca. 10 Jahren sammelwütiger Archive-Fan(vorher natürlich schon von "again" geflasht).

Meine Meinung:

Archive legt hier ein würdiges, liebevolles Best of-Set vor - insbesondere natürlich die Vinyl-Box mit großem 160-Seiten-Buch. Über die alten Songs muss ich nix schreiben. Das Buch ist hochinteressant (auch für Fans) und die neuen Songs sind ebenfalls interessant und erzählen tatsächlich Neues oder sind gut. "Erase" wäre auf "The False Foundation" einer der sehr guten Songs gewesen. Von ihrem Komposition sind aber "The Hell Scared Out Of Me", "Hyperreal" und "Heart Beats" die interessantesten Songs: Bei "The Hell Scared Out Of Me" spürt man förmlich die Hölle. Vielleicht hätte der Rezensent sich mal Kopfhörer und Zeit nehmen sollen. "Heart Beats" ist mit knapp 15 Minuten Laufzeit wieder mal ein eigenes kleines Universum. Und last but no least "Hyperreal" - wtf... eine neue Sängerin, die stimmlich einfach wunderschön zu Archive-Kreationen passt. (ohje... ich bin ein Ketzer... gefällt mir nämlich besser als Holly).

Also insgesamt ein tolles Gesamtpaket. Es wäre kein Frevel gewesen, der Essenz einer, aufgrund ihrer stilistischen Vielfalt, absoluten Ausnahmeband zum Jubiläum eine 10/10 zu geben.
Bert
2019-05-10 18:29:19 Uhr
Statt dass sie mal nachlassen, werden sie noch besser...mir gefällt das minimalistische von Heart Beats oder auch Blue Faces, das natürlich nicht auf 25 vertreten ist, sehr gut.
Vincent Vega
2019-05-04 10:58:10 Uhr
Eine ziemliche Katastrophe sind die Probleme bei Pledge Music. Bin echt gespannt, ob die Fans (inkl. mir) ihr Geld für die Archive-Vorbestellungen wiedersehen. :-(
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