Fortuna Ehrenfeld - Helm ab zum Gebet

Fortuna Ehrenfeld- Helm ab zum Gebet

Grand Hotel van Cleef / Indigo
VÖ: 03.05.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eine romantische Dramödie

"Ich hab gesagt: 'Komm in mein Herz.' Und Du bist mit Stilettos rein", so lautet einer der ersten Sätze auf dem neuen Fortuna-Ehrenfeld-Album "Helm ab zum Gebet". Hach, das ist so schön tragisch. Und auch noch witzig! Im passenden Forumsthread hat bereits ein unregistrierter Schelm unter dem Nickname "PascalB." meine Sympathien richtig eingeordnet. Aber Ich-Form aus, denn der Rezensent ist natürlich in Echt vor allem ein knallharter Kritiker, und deswegen darf gleich zu Beginn festgehalten werden: Martin Bechlers Neuwerk ist ganz anders als das 2017er "Hey Sexy", es ist schwieriger.

Das merkt man schon am Intro "Heiliges Fernweh", das eingangs zitiert wurde, zwischendurch von der Regenschaft der Marienkäfer träumt und sich schließlich in ätherischem Gehämmer verliert. Gummihammer, aber schon Klopfwerkzeug. Das folgende "Hör endlich auf zu jammern" schließt sich passend an: Mit fixem Beat und turbulenten, verzerrten Saiten verzichtet es fast vollkommen auf die Lyrik, nur den Songtitel zitiert der Sänger zweimal. Hier könnte auch ein John Frusciante am Werk gewesen sein, ohne Witz jetzt. Das ist schon ziemlich gut, aber eben auch nicht so einfach zugänglich. Auch "Sanktpankpaul" kommt leicht wirr und elektronisch an. Im Hintergrund glaubt man Olli Schulz "Dadadadadada" singen zu hören, wenn der Song von den Landungsbrücken aus Richtung Exzess marschiert und zwischendurch eine latent gestörte E-Gitarre ihr Unwesen treibt. Das anschließende "Tequila" tritt zu NDW-Beat stampfend ins Geschehen, man denkt an von Stirnbändern gehaltene Dauerwellen und nach hinten gewichste Falco-Haare. Na denn, Zitrone, Salz und Prost.

Im Titeltrack, der gleichzeitig die erste Single darstellt, ist es wieder Fortuna Ehrenfeld, wie man es sonst schon kennt: Mit kratziger Stimme und einem gequälten Lächeln auf den Lippen. Gemeinsam mit Keyboarderin Jenny Thiele ruft der Sänger umgeben von halbsakralen Orgeltönen und einer sanften Akustischen zum Großen Zapfenstreich. Lyrisches Highlight: "Peace on Earth, Du Arschloch." Als mehr oder weniger klassische Klavierballade kommt "Der Ablativ von bumm!" daher, bei dem zur Hälfte stimmungsverstärkend auch noch drastische Geigen einfallen. Schön. Die Violinen spielen auch in "Umarmung der Magneten" eine Hauptrolle. "Wir können nur wählen zwischen dicken Fällen und dünnen Häuten", heißt es da. Wieder so ein typischer Kalenderspruch, den sich der Rezensent freiwillig auf den Allerwertesten tätowieren lassen würde. Viel eher aber noch das einleitende "Pimmel on the trigger, baby", das kurz vor einem satten Knall die Anziehungskraft, um die es in dem Track geht, saugut auf den Punkt bringt. Lust auf Gesellschaft macht das gemütliche "Salzblusenkreuz" mit seiner Hammond, der gezupften Gitarre und der halb gesummten, halb gepfiffenen Bridge, freakigen Spaßkram für die Bühne gibt's in "Das ist Punk, das raffst Du nie". Die schönste Piano-Nummer der Platte ist definitiv "Die Welt in Teile", welches relativ unumwunden seine Liebe gesteht, aber selbstverständlich als völlig unpeinliche romantische Dramödie auftritt.

Tatsächlich ist das ganze Album eine solche – und das trotz seiner zwei Seiten: Der einen, die sich in sylphidenhaften Synthie-Träumereien verliert und Stimmung vorwiegend musikalisch erzeugt und der anderen, in welcher der Mann, der gern in Schlafanzug und Bärentatzenhausschuhen auftritt, lyrisch die Hosen runterlässt, während die Arrangements zurückgezogener agieren. Einen Hybrid beider Stile erlebt man im abschließenden "Herbstmeister der Herzen", das vielleicht am nächsten an "Hey Sexy" dran ist. Nicht nur im direkten Vergleich zum Vorgänger wirkt die aktuelle Platte dementsprechend ein wenig zwiegespalten, dennoch ist die Atmosphäre angenehm fortlaufend, den ersten Probespaziergang in der Frühlingssonne hat es bereits sehr gut bestanden. Also kein Aber hier, sondern ein Ja für "Helm ab zum Gebet". Es ist schwieriger, aber immer noch genauso nah da dran, wo es hin soll: am Herz.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Heiliges Fernweh
  • Hör endlich auf zu jammern
  • Tequila
  • Umarmung der Magneten

Tracklist

  1. Heiliges Fernweh
  2. Hör endlich auf zu jammern
  3. Helm ab zum Gebet
  4. Bad hair day
  5. Das ist Punk, das raffst Du nie
  6. Guten Morgen, Ehrenfeld
  7. Der Ablativ von bumm!
  8. Sanktpankpaul
  9. Tequila
  10. Salzblusenkreuz
  11. Die Umarmung der Magneten
  12. Die Welt in Teile
  13. Herbstmeister der Herzen

Gesamtspielzeit: 38:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hendrick Hendrickson
2019-05-07 21:22:56 Uhr
Deine Kommentare leider auch nicht, Hendricks.
Hendrick Mars
2019-05-07 15:08:50 Uhr
Es wird halt auch nicht besser.

Armin

Postings: 14834

Registriert seit 08.01.2012

2019-05-07 12:02:53 Uhr - Newsbeitrag
Letzten Freitag erschien mit "Helm ab zum Gebet" das dritte Fortuna Ehrenfeld-Album über Grand Hotel van Cleef. Mit "Tequila" erscheint heute das Video zur zweiten Single daraus: nach der Aquafitness aus dem ersten Clip geht es diesmal auf den Trimm-Dich-Pfad.

Es gibt da diesen "Tequila"-Song, der seit Jahrzehnten eigentlich nur noch als Punchline oder als Internet-Meme verwendet wird. Höchste Zeit also, dem Agaven-Shot einen neuen Song zu widmen: "Tequila" ist ein Synthie-getriebener Stampfer mit elektronischen Drums, der beweist dass Martin Bechler viel mehr als nur Balladen schreiben kann.

Im Video zur ersten Single "Helm ab zum Gebet" verschlug es Fortuna Ehrenfeld ins Schwimmbad und auf die Wasserrutsche, dieses Mal hat sich Regisseur Lutz Heineking jr. (u.a. Andere Eltern) den Trimm-Dich-Pfad als sportliche Betätigung für den Dreh ausgesucht. Mit eingeladen hat er Wrestler vom Rock'n'Roll Wrestling Bash und Galactic Trash Wrestling sowie die Tanzgruppe Zunft Müüs. Der Rest: der typische Fortuna-Wahnsinn.

Über eine Verbreitung des Videos ab sofort freuen wir uns sehr. Unten könnt ihr das neue Album inkl. Presseinformationen auch komplett herunterladen / streamen.

Fortuna Ehrenfeld - "Tequila" (Musikvideo)

Sonne
2019-05-03 17:32:35 Uhr
Schon schwer, DAS gut zu finden.
Leutr
2019-05-03 15:01:02 Uhr
Was seid ihr den für Spießer?! Nehmt mal den Stock ausm Ar.sch und hört richtigen Deutschrock!
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