Big Thief - U.F.O.F.

Big Thief- U.F.O.F.

4AD / Beggars / Rough Trade
VÖ: 03.05.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

F steht für Freunde

Big Thief haben den Dreh raus. Nach zwei Solo-Veröffentlichungen von Sängerin Adrianne Lenker und Gitarrist Buck Meek 2018 bringt das Quartett nur zwei Jahre nach "Capacity" ein neues Album auf den Markt und klingt dabei so unverbraucht wie immer und dazu noch ein Stück geordneter. Wenn man dann erfährt, dass die zwölf Songs von "U.F.O.F" live eingespielt und teilweise erst kurz vor der Aufnahme geschrieben wurden, wächst der Respekt vor Lenker und ihren Mitstreitern noch weiter an. Das "F" im Albumtitel steht laut Band für "Friends", und dass die vier Musiker sich trotz des stressigen Tour-Lebens nicht zerstritten haben und ihr drittes Album lieber der Freundschaft widmen, ist wirklich bewundernswert.

Waren "Masterpiece" und "Capacity" noch Indie-Rock-Alben mit Folk-Einflüssen, hat sich dieses neue Werk nun ganz dem Folk-Rock verschrieben und verfällt stellenweise sogar dem Freak Folk. Einzelne Tracks stechen nicht mehr so stark heraus wie noch auf den Vorgängern, dafür wirkt das Album konsistenter. Man muss das Gefühl haben, dass die beiden Solo-Ausflüge von Meer und Lenker Big Thief gut getan haben. Während Meek sich auf seinem Album "Buck Meek" eingängigeren Songs hingab, schrieb sich Lenker auf "Abysskiss" wunderbar-intime Folk-Songs von der Seele, sodass die Band sich nun wieder ganz ihrem eigenen Stil verpflichten kann.

Schon der Opener "Contact" macht klar, dass "U.F.O.F." weniger der süßlichen Melancholie von Songs wie "Masterpiece" nachhängt und Lenker ihre abstrakten Erzählungen inzwischen gerne mal mit düsteren Klängen untermalt, während Schlagzeuger James Krivchenia lässig pendelnde Schlagzeug-Rhythmen dazu trommelt. Big Thief scheuen sich auch nicht davor, ihre Hörer vor den Kopf zu stoßen. Wenn im letzten Drittel des Songs ein Kreischen den bereits eingelullten Hörer aus seinen Tagträumen reißt, hat die Band wieder ganz die Aufmerksamkeit, die ihr gebührt.

Mit "From" und "Terminal paradise" haben es zwei Songs von "Abysskiss" in neuen Versionen, mit jazzigem Schlagzeug-Spiel und dichten Gitarren-Melodie-Verzahnungen , auf das Album geschafft. Big Thief gelingt es, den verträumten Charme der jeweiligen Lenker-Version mit ihrer eigenen Variante von Versonnenheit zu kombinieren, was den Songs eine ganz eigene Sogwirkung verleiht. "No one can be my man / No one can be my woman", haucht Lenker in "From" bedeutungsschwer und so eindringlich, dass man mit ihr fühlt, ohne dass sie ihre Gefühle klar umreißen muss. "Century" bietet sich als perfekte Begleitmusik für einen Roadtrip durch die amerikanischen Weiten an und erinnert mit seinem schwebenden Charakter an Leif Vollebekk. Wenn es im Refrain heißt "We have the same power", wünscht man sich fest, Teil dieses "we" zu sein.

Das Album-Highlight ist allerdings der Titelsong, der leicht entrückt erst nach und nach wunderschöne Momente offenbart und sich schon jetzt als einer der schönsten Tracks des Jahres empfiehlt. "To my UFO friend / Goodbye, goodbye / Like a seed in the wind / She’s taking up root in the sky", singt Lenker und bleibt die ganze Zeit im Abstrakten. Immer wieder kann man kleine, versteckte Melodie-Bögen entdecken, die den Stücken eine ihnen eigene Attraktivität verleihen. Es muss nochmal gesagt werden: Big Thief haben den Dreh raus.

(Simon Conrads)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • UFOF
  • Century
  • Jenni

Tracklist

  1. Contact
  2. UFOF
  3. Cattails
  4. From
  5. Open desert
  6. Orange
  7. Century
  8. Strange
  9. Betsy
  10. Terminal paradise
  11. Jenni
  12. Magic dealer

Gesamtspielzeit: 43:22 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Der Untergeher

Postings: 1155

Registriert seit 04.12.2015

2019-05-18 22:34:46 Uhr
Mir gefällt das Album sehr; strahlende subtile Tiefe.

Voyage 34

Postings: 337

Registriert seit 11.09.2018

2019-05-13 20:09:27 Uhr
Ech An blonde redhead? Mich irgendwie gar nicht..

musie

Postings: 2430

Registriert seit 14.06.2013

2019-05-13 17:25:59 Uhr
Erinnert mich voll an Blonde Redhead. Sehr schönes Album.

kingsuede

Postings: 1221

Registriert seit 15.05.2013

2019-05-12 22:59:51 Uhr
Cattails ist zwar schon ganz schön, aber dann doch zwei Ligen von Newsom entfernt.
old dog
2019-05-12 22:49:48 Uhr
was für ein langweiliger seichter Folk-Kram.

Die Sängerin mit ihrer dünnen Stimme geht auch gar nicht.

Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify