The New Pornographers - Electric version

The New Pornographers- Electric version

Mint / Matador / Beggars / Zomba
VÖ: 16.06.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schweinkram

Ein findiger Mensch hat kürzlich entdeckt, daß ein lange als ausgestorben geltendes Konzept fröhliche Urständ zu feiern scheint: die Supergroup. Da tut sich beispielsweise der Rest von Rage Against The Machine mit der Stimme von Soundgarden zusammen, während unsere Lieblingsglatze Billy Corgan ein paar verkannte Indie-Helden ins eigene Team einbaut. Bäumchen, paare Dich. All dies passiert vornehmlich in den US of A, wo ja bekanntlich alles eine Spur zu groß sein will. Im Nachbarland Kanada hingegen spielt man nicht nur famos Eishockey. Die dortigen Supergroups bieten nicht vor allem große Namen, sondern vielmehr wirklich famose Musik. "Mass romantic", das Debüt der New Pornographers, war zum Beispiel nicht weniger als umwerfend. Vierstimmig. Kaugummizuckrig. Harmonieselig. Power Pop. Mit deutlicher Betonung auf dem ersten Wort.

Kein Wunder, daß das Appetit auf mehr machte. Und im Gegensatz zu den wegen Ortswechseln, Dreharbeiten, virulenter Arrangierwut und anderen Widrigkeiten über lange Jahre andauernden Vorbereitungen des Erstlings verkrochen sich die mehr oder weniger fünf Kanadier für "Electric version" für eine konzertierte Aktion ins Studio. Mit dabei neben Carl Newmans Große-Jungen-Stimme und dem "secret member" Dan Bejar natürlich wieder der Playboy™-geprüfte Rotschopf Neko Case als klassischer Kontrapunkt. Dazu eine fette Portion Sonne, reichlich Politur und ein sicheres Gefühl für ungestüme Ohrwürmer. Auch wenn der zweite Aufguß etwas aufgeräumter wirkt: Es donnern die Toms, es twangt die Gitarre, es wabert die Orgel, es zirbelt die Drüse.

Welch Glück, daß sich niemand auf "Electric version" auch nur annähernd ernst nimmt. Die ganzen Ba-bas, Hu-hus und Oh-ohs wären sonst schwerlich auszuhalten. "It came out magical / Out from blown speakers", flötet es uns um die Ohren. Das nennt man dann wohl Hymne. Beinahe zirkusmäßig übersteigert und doch keineswegs von der Substanz von Zuckerwatte. Die Luftballons dienen hier nur als Dekoration, und das ständige Grinsen ist viel mehr als Zahnpastareklame. Ziemlich augenzwinkernd wird Bombastwumme Meat Loaf zitiert, und sogar der Vorsatz, dem Drogenmißbrauch abzuschwören, gerät zum entwaffnend fröhlichen Gehüpfe.

Der gar nicht mal so heimliche Star von "Electric version" aber ist Neko Case. Selbst wenn sie nur im Hintergrund mittiriliert, erdet ihre Sirene die luftigen Schunkler. Und kaum hat sie in "The laws have changed" die Kerle vom Mikrophon vertrieben, verfällt man ihrer schieren Kraft. Kaum zu glauben, daß sie sich willentlich als singendes Püppchen instrumentalisieren läßt. Alles im Dienste des überdrehten Popsongs. Wer kümmert sich schon um den Drehzahlmesser, wenn alles so schön schnurrt?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The laws have changed
  • The end of medicine
  • Loose translation
  • The new face of zero and one

Tracklist

  1. The electric version
  2. From blown speakers
  3. The laws have changed
  4. The end of medicine
  5. Loose translation
  6. Chump change
  7. All for swinging you around
  8. The new face of Zero and One
  9. Testament to youth in verse
  10. It's only divine right
  11. Ballad of a comeback kid
  12. July Jones
  13. Miss Teen Woldpower

Gesamtspielzeit: 46:35 min.

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