Ezra Collective - You can't steal my joy

Ezra Collective- You can't steal my joy

Enter The Jungle / The Orchard
VÖ: 26.04.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Freude als Zeichen des Widerstands

Ein Album mit dem Titel "You can't steal my joy"? Das könnte manchen an die aktuelle Platte einer anderen Gruppe denken lassen: "Joy as an act of resistance" von Idles. Eine Ähnlichkeit, die auf den ersten Blick vielleicht zufällig erscheint, schließlich kommen Ezra Collective zwar auch aus England, aber ihr Debüt "You can't steal my joy" ist Jazz, und Idles machen Punkrock. Doch es gibt durchaus Gemeinsamkeiten, und von solchen Genreunterscheidungen sollte man sich nicht zu sehr beeinflussen lassen, auch nicht von dem für manche abschreckenden, weil elitären Image der Jazzmusik. In einem Interview stellte Femi Koleoso, Schlagzeuger von Ezra Collective, kürzlich klar, ihre Musik sei für Leute, die eher in einen "5 Pound entry club" als einen "bougie jazz club" gehen. Ein wunderbarer Ansatz, und dieses Album beweist, dass sich die Wahl für den 5-Pfund-Club nicht nur finanziell, sondern auch musikalisch lohnt.

Ezra Collective sind fünf junge Londoner – mit Trompete, Saxophon, Keyboard, Bass und Schlagzeug – die sich schon seit 2016 durch zwei EPs und vor allem durch schweißtreibende Liveauftritte einen Ruf als Auhängeschild der aktuellen UK-Jazz-Szene erspielen. Die 13 Songs auf diesem Album sind nun nochmal eine Steigerung zu den bisherigen EPs. Denn das Tolle an "You can't steal my joy" ist, dass man nicht die geringste Ahnung von Jazztheorie haben muss, damit einem die Ohrwürmer trotzdem noch tagelang im Kopf herumschwirren. Und man braucht auch keinen Gesang, um zu verstehen: Wenn sich fünf Leute von der Straße mit unterschiedlichen Hautfarben mit so viel Spaß austoben wie hier, ist das ein besseres politisches Statement als jede verkopfte Kampfschrift. Schließlich hat das Album bei aller Spielfreude doch die melancholische und nachdenkliche Grundstimmung, die der Lage Englands im Jahr 2019 angemessen ist.

Und wenn eben erwähnt wurde, dass keine Texte nötig sind, um die Message dieser Musik klarzumachen, so ist es dann doch eine schöne Überraschung, dass auf zwei der Songs doch jemand singt. "What am I to do" featured Loyle Carner, der solo als UK-HipHopper oft ein bisschen zu cheesy klingt. Eine Gefahr, die sich auf diesem Album nicht ansatzweise stellt, dafür sorgt schon die Flying-Lotus-esque Instrumentierung, und eben Carners Stimme, die dem Song bei all den US-amerikanischen Einflüssen seine Britishness verleiht und ihn damit auf Augenhöhe mit lokalen Künstlern wie King Krule hebt. Jedoch nicht auf Augenhöhe mit dem Song davor, "Reason in disguise", aus dem Jorja Smiths Stimme einen gar nicht mal so Neo klingenden Soul macht und dessen Refrain den vielleicht erhabendsten Moment der Platte bildet.

Aber eigentlich ist das durchgängig hohe Niveau das wahre Highlight des Albums. Jedenfalls kommt vom gemütlichen Saxophon des Openers "Space is the place" bis zu den aufgeregten Trompeten im Closer "Shakara" kein einziges Mal Langeweile auf. Eher die Gewissheit, dass Ezra Collective nicht mehr so schnell verschwinden werden.

(Theo Flint)

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Highlights

  • Space is the place (Reprise)
  • What am I to do (feat. Loyle Carner)
  • Reason in disguise (feat. Jorja Smith)

Tracklist

  1. Space is the place (Reprise)
  2. Why you mad?
  3. Red whine
  4. Quest for coin
  5. Reason in disguise (feat. Jorja Smith)
  6. What am I to do (feat. Loyle Carner)
  7. Chris and Jane
  8. People saved
  9. Philosopher II
  10. Sao Paulo
  11. King of the jungle
  12. You can't stael my joy
  13. Shakara (feat. Kokoroko)

Gesamtspielzeit: 52:37 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
LLG
2019-04-17 12:35:13 Uhr
Gerade etwas reingehört. Mir gefällts, werd' ich mir wohl anschaffen.

Armin

Postings: 14509

Registriert seit 08.01.2012

2019-04-11 12:11:13 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert. "Album der Woche"!

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