Stealing Sheep - Big wows

Stealing Sheep- Big wows

Heavenly / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 19.04.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Echte Liebe

Bei guter Popmusik fängt es dann an, spannungsreich zu knistern, wenn eine naive Leidenschaft auf ein cleveres Kalkül in der klanglichen Ausgestaltung trifft, das ist jetzt einfach mal eine Behauptung. Und in diesem Sinne sind Stealing Sheep aus Liverpool eine der besten zeitgenössischen Popbands. Das neue Album des weiblichen Trios, "Big wows", besitzt nämlich dieses überschäumend Unschuldige, an welches man gerne sein Herz verliert. Die Stücke sind aber weit weg vom banalen Rumms und Bumms stromlinienförmiger Radio-Dutzendware. Emily Lansley, Luciana Mercer und Rebecca Hawley sind gewitzt, dabei erfrischend direkt und immer mit dieser Extraportion Zuversicht ausgestattet. "Show your love to me" ist da zu Beginn eine willkommene Aufforderung, es groovt herrlich mit Beats, die The Knife in ihren entspannteren Momenten auspacken würden, und der ineinander verschlungene Gesang der drei Damen weist direkt hin zur Wohlfühloase, die der Hörer die folgenden zehn Songs nicht mehr verlassen wird. Dabei schaffen es Stealing Sheep, nicht allzu treuherzig durch die rosarote Brille zu schauen, es gibt Zweifel und Bedingungen: "Do you think you're destructible? / Do you think you could be a part of me?" Aber was will man machen, "This is love / this is reality", wie es im unbedingt zu betanzenden "Back in time" heißt.

Nicht nur dieser Song verbindet eine sneaky Coolness mit inbrünstiger Popleidenschaft, herrlich markant dabei der Bass, der glasklare Gesang und die flirrenden Synths. Eine gleichzeitig elegante und ausgelassene Hook findet man in "Jokin' me", welches sich den Rhythmus aus der goldenen Zeit der Disco-Musik geordert hat. Es handelt sich bei dem Genuss dieser Platte um ein duales Vergnügen, das Herz labt sich an den infektiösen Gesangsmelodien, der Kopf registriert begeistert das agile Spiel mit den Rhythmen. "Why haven't I?" wird durch den skurril betonten Gesang zu einer leicht surrealen Karussellfahrt, wieder ergibt die Trias aus den drei Gesangsstimmen ein sonderbar mitreißendes Ganzes. In "Girl" erzeugen Stealing Sheep mit genüsslich kreisendem Latin-Rhythmus zunächst eine erotische Spannung, die sie jedoch mit ein paar hohen Gesangstönen ins Verspielte auflösen. Bemerkenswert ist auf der ersten Albumhälfte der direkte Zug zum Hit, die drei Engländerinnen hauen eine einprägsame Hook nach der anderen raus. Im weiteren Verlauf gehen Stealing Sheep ein wenig mehr in die flächige Weite, der Begriff Dream Pop kann zumindest teilweise angewendet werden, siehe das beatlose "Just dreaming". Der Titelsong kreist zunächst um repetetive Synthiewirbel, bis ein urbaner Beat, unterfüttert von einem wohlgenährten Bass, das Stück in Richtung Tanzfläche geleitet. Dort wird einem aber nicht der eine Jackpot-Moment geliefert, es geht mehr um ein entspanntes Dahingleiten und Sich-treiben-Lassen. Auch "Breathe" hat die Ruhe weg, der Rhythmus schiebt sanft, und der Gesang kommt wie ein kristallines Flüstern voller Zartheit daher. Das mit dubbigen Untertönen ausgestattete "True colors" zeigt ebenfalls deutlich auf, dass es Stealing Sheep auf den hinteren Rängen der Platte um eine wohlige, zufriedene Stimmung geht, Atmosphäre über Highlightzwang. Die Steel Drums in "Choose like you" leiten schließlich fein in einen Dance-Track über, dessen durchaus agiler Gestus immer wieder ausgebremst wird, quasi eine kleine Selbstvergewisserung zwischendurch. Dass das hier Liebe ist und dass sie echt ist.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Back in time
  • Jokin' me
  • Girl

Tracklist

  1. Show love
  2. Back in time
  3. Jokin' me
  4. Why heaven't I
  5. Girl
  6. Just dreaming
  7. Big wows
  8. Breathe
  9. True colours
  10. Choose like you
  11. Heartbeats (hidden track)

Gesamtspielzeit: 38:43 min.

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Armin

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2019-04-11 12:16:21 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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