Cage The Elephant - Social cues

Cage The Elephant- Social cues

RCA / Sony
VÖ: 19.04.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schmerz im Schönklang

Ausgerechnet bei einer Reise in die auf tragische Art und Weise zerstörte Stadt Pompeji festzustellen, dass man eine Scheidung möchte, zeugt von einer gewissen Poesie. Und wenn diese Tragödie nicht irgendwem passiert, sondern Matt Shultz, Leadsänger von Cage The Elephant, ist ein Album praktisch schon vorprogrammiert. In "Social cues" setzt sich Matt Shultz ausführlich mit der Trennung von seiner langjährigen Ehefrau auseinander. Ergebnisse sind Songs wie "Ready to let go", ein Stück, das vielleicht beim ersten Hören durch seine eher fröhliche Melodie täuscht, aber gerade auf der Textebene zeigt, in welcher emotionalen Lage sich der Sänger in Pompeji befand. "Goodbye", den Abschluss des Albums, performte er vom Boden des Aufnahmestudios aus. Und das merkt man. Es ist vielleicht nicht der beste Song auf "Social cues", aber auf jeden Fall der ehrlichste.

Man sollte sich beim Erstkontakt mit dieser Platte aber nicht von den deprimierenden Entstehungsgründen abschrecken lassen. Trotz allem macht es Spaß, die Songs zu hören. Schon der Einstieg mit "Broken boy" packt den Hörer direkt mit einem funkigen Beat und macht Lust zu tanzen. Auch hier taucht wieder die bereits erwähnte Doppeldeutigkeit auf. Die Lyrics sind nämlich alles andere als fröhlich und laden dazu ein, wie Matt Shultz auf dem Boden zu liegen und sich gar nicht mehr zu bewegen. Zum Glück ist nicht ausschließlich Shultz' Trennungsschmerz das Thema auf "Social cues". Für "Night running" setzte sich hauptsächlich sein Bruder und Bandkollege Brad ein, doch erst mit ein paar Ergänzungen von Beck schien die ganze Mannschaft von den Qualitäten überzeugt, die das Stück zweifelsfrei zu einem der Highlights machen. Es hebt sich durch Stimmung und Rhythmus deutlich vom Rest ab und unterstreicht, wie vielseitig Cage The Elephant sind.

Zwischen den wirklich unterhaltsamen, manchmal schrecklich traurigen und nachdenklich machenden Parts des Albums gibt es aber auch einige Momente, die fast irrelevant erscheinen, nichtssagend durchlaufen und keine Erinnerungen hinterlassen. Sie passen nicht zum sonst so abwechslungsreichen Stil von Cage The Elephant. Ihre Experimentierfreude scheint ihnen hier immer mal wieder abhanden gekommen zu sein. Hiet tut sich zum Beispiel der Titelsong hervor mit heruntergeleiertem Refrain und austauschbarer Melodie. Nach knapp fünfundvierzig Minuten mit vielen Aufs und einigen Abs, ist "Social cues" trotzdem ein gutes Album. Die starken Songs sind zu packend, um sich von den weniger raffinierten runterziehen zu lassen. Und natürlich wählt Shultz auf jeden Fall eine schöne Weise, mit einer Scheidung umzugehen: Trotz des traurigen Grundtons ist man nicht am Boden zerstört, sondern seltsam optimistisch.

(Marie Saverino)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Broken boy
  • Night running (feat. Beck)
  • Ready to let go

Tracklist

  1. Broken boy
  2. Social cues
  3. Black Madonna
  4. Night running (feat. Beck)
  5. Skin and bones
  6. Ready to let go
  7. House of glass
  8. Love's the only way
  9. The war is over
  10. Dance dance
  11. What I'm becoming
  12. Tokyo smoke
  13. Goodbye

Gesamtspielzeit: 44:30 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Niko
2019-04-11 19:44:37 Uhr
Ich mag die Band ja sehr. „Ready to let Go“ und „House of Glass“ gefallen schon mal. Bin auf den Rest des Albums gespannt.

Rezi ist gut, liest sich für mich aber wie eine 7/10.

Armin

Postings: 15703

Registriert seit 08.01.2012

2019-04-11 12:13:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify