Fontaines D.C. - Dogrel

Fontaines D.C.- Dogrel

Partisan / Rough Trade
VÖ: 12.04.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Dublin City boys

Die Unruhe auf den britischen Inseln ist allgegenwärtig und greifbar. Natürlich wegen der Farce namens Brexit. Lang bevor die Verhandlungen im Britischen Parlament über den Austritt Großbritanniens aus der EU zur Real-Satire wurden, die auch mit schwarzem Humor nicht zu toppen wäre, schwappte das Kopfschütteln hinüber nach Irland. Die kreative Szene dort geht ihren eigenen Weg, aber gerade in Dublin zeigt man sich ähnlich verstört wie etwa das Künstler-Gros in London. Ein nahrhafter Boden ist die brisante politische Lage für die Kunst und den musikalischen Output allemal, denn nach Idles und Shame schicken sich Fontaines D.C. aus D.ublin C.ity an, das nächste große Ding in der Kategorie "talentierter Krawall" zu werden.

Nach diversen Singles sind die Dubliner Post-Punker längst mehr ein Szene-Hype denn ein Geheimtipp – aber sie sind die Aufregung tatsächlich auch wert. Bei derart tollem Vorab-Material wie etwa dem Brecher "Hurricane laughter" lief das Wasser im Munde längst aus der Beißer-Lücke heraus. Bedrohlicher Bass, dissonante Gitarrenlicks und Sänger Grian Chattens wunderbar stoischer Sprechgesang brennen ein Feuerwerk ab, und am Ende bleibt nur der offene Mund: "There is no connection available", wirft Chatten humorlos den verbalen Dartpfeil, passend zum Zustand der Welt – und trifft auch aus einiger Entfernung.

"Big" eröffnet diese Hit-Platte und vereint in gerade mal 1:46 Minuten Catchyness, Kraft und Eleganz zugleich, bevor das lautmalerische "Sha sha sha" bloß ein olles Joe-Strummer-Riff benötigt, um mit sich im Reinen zu sein. Da dröhnt der Lautsprecher, da zucken Arme und Beine, und live denkt man ob all der Coolness des Fünfers, die jungen Strokes vor sich zu haben. Doch wer Songs wie "Too real" fabriziert und zu allerhand Gepolter die Melodie mit einem bittersüßen Postpunk-Schleier verziert, der darf mit breitester Brust in Szene treten. Denn die Welt hängt der Truppe eh schon am Hemdzipfel. Szenegrößen bieten Support-Slots an, coole Venues selbst in den USA balgen sich um Fontaines D.C.. "Dogrel" war bei all den Lorbeeren längst überfällig und versammelt viele der gefühlt schon "alten", aber durchweg brillianten Single-Tracks. Wie auch die allererste Auskopplung "Liberty belle", ein hochinfektiöses Mash-Up aus den Beatles und den Ramones.

Und doch bekommt auch der Connaisseur der ersten Stunde eine andere, feiner justierte Seite der Truppe geboten. Das schöne "Roy's tune" und "The lotts" nehmen sich etwas zurück. Fast folgerichtig stehen Geschichten um Orte und Beobachtungen in Dublin im Vordergrund, die Chattens halb abwesend, aber faszinierend sprechsingt – so ein bisschen wie eine Plauderei im Pub, oder gereimt beim Poetry-Slam. Kein Wunder, sind die künstlerischen Wurzeln einiger Musiker doch in der Liebe zur Dichtung zu finden. So ist dieses Debüt zwischen allerhand Gitarrenriffs, hektischen Drums und feinem Songwriting immer auch eine Art poetische Liebeserklärung an die Jahre in Dublin, an die Freundschaft und den Rock'n'Roll-Lifestyle, akustisch und textlich kulminiert im zugleich unkaputtbaren wie tanzbaren Energiebündel "Boys in the better land". Und selbst im deutschen "Ländle", wo es die Unruhe obgleich des traditionellen Ordnungsfimmels deutlich schwerer hat, würden sie über Fontaines D.C. sagen: "Heilig's Blechle!"

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Too real
  • Hurricane laughter
  • Liberty belle
  • Boys in the better land

Tracklist

  1. Big
  2. Sha sha sha
  3. Too real
  4. Television screen
  5. Hurricane laughter
  6. Roy's tune
  7. The lotts
  8. Chequeless reckless
  9. Liberty belle
  10. Boys in the better land
  11. Dublin City sky

Gesamtspielzeit: 37:32 min.

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User Beitrag

MartinS

Postings: 540

Registriert seit 31.10.2013

2019-04-19 21:40:21 Uhr
Hm.
Die ruhigeren Stücke mag ich, den Rest finde ich schrecklich.
insider
2019-04-18 09:47:10 Uhr
Fontaines D.C. sind eine mittelmässiger neuer Hpye, der schnll vorbei sein wird.Live ist der Sänger eine Zumutung.
Tom Green
2019-04-18 09:43:55 Uhr
peinlicher Fehler meinerseits ;( Man ersetzte UK durch Gitarren, dann wird es richtiger.
LOL
2019-04-17 18:30:15 Uhr
Wie scheiße ist denn bitte dieser "Gesang"? Peinlich!
N-i-k-i H-o-e-d-o-r-o
2019-04-17 18:27:26 Uhr
bnm 8)

finds etzala doch das beste release seit langem

rofmao lolz :O
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