Devin Townsend - Empath

Devin Townsend- Empath

HevyDevy / InsideOut / Sony
VÖ: 29.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fürs Leben lärmen wir

So chaotisch wie die Musik von Devin Garrett Townsend für manche auch sein mag – und natürlich sind irgendwelche Witzeleien über seine bipolare Störung mal komplett fehl am Platze – so akribisch geht der Kanadier vor, wenn es daran geht, seine akustischen Ausflüge zu kategorisieren. So wurde schon Strapping Young Lad zu den Akten gelegt, weil Townsend seinerzeit neue Ufer abseits des kompromisslosen Geballers entdecken wollte. Und so erging es folgerichtig 2017 dem Devin Townsend Project, mit dem er zwar begeisternde Alben veröffentlichte, für das ihm aber nach eigener Aussage mehr und mehr die Inspiration fehlte. Auch das im Grunde genommen sehr gute "Transcendence" konnte daran nichts mehr ändern, an dem der umtriebige Frontmann erstmals nicht als alleiniger Songschreiber agierte. Nun also die Rückbesinnung auf vermeintlich alte Zeiten ohne "Project", ohne "Band", nur Devin Townsend ganz allein. Und natürlich ein paar nicht völlig unbekannte Mitmusiker, von denen noch die Rede sein wird.

Der erste Durchlauf von "Empath" endet allerdings mit jeder Menge Fragezeichen. Was zum Geier ist hier gerade für eine Lärmwand über die Hörerschaft hinweg gefegt? Doch halt, man sollte es wirklich besser wissen und die Klangkonstruktionen eben nicht neben der Arbeit, beim Putzen oder sonstigen Beschäftigungen zu erschließen versuchen. Dabei beginnt das Intro "Castaway" noch ziemlich floydisch, doch bereits "Genesis" zeigt die geradezu groteske Bandbreite Townsends, der mal eben scheinbar mühelos zwischen Gospel, Industrial-Beats, donnernden Riffs und begeisternden Melodie-Linien wechselt. Und zwar dermaßen stimmig, dass man zwischendurch tatsächlich mitbangen möchte, bis Blastbeats mit gefühlten 285 bpm einsetzen. Puh.

"Spirits will collide" hingegen zeigt eindrucksvoll, wie ein kleiner Melodiebogen voller Pop-Appeal zu großem Kino wachsen kann. Weiter, immer weiter türmt sich der Bombast auf, wird ins Groteske übersteigert und bleibt am Ende bei aller Wucht immer noch der kleine Ohrwurm vom Anfang. Entzückend. Genau so entzückend im übrigen wie der Umstand, dass Townsend zwar jede Menge Musiker in seinem Gefolge ausgewechselt hat, an der unvergleichlichen Anneke van Giersbergen jedoch festhielt. Und es ist die Niederländerin, die dem unfassbaren Krach von "Hear me" Struktur verleiht, indem ihre Stimme punktuelle Entspannungspunkte zu diesem barbarischen Geholze setzen kann, bei dem selbst Fans von Strapping Young Lad beeindruckt sein dürften. Wo genau in diesem Radau allerdings der in den Credits erwähnte Nickelback-Frontmann Chad Kroeger zu hören sein soll, wissen wohl nur die Götter der Produktion.

Gegen Ende tritt allerdings die komplette Reizüberflutung ein, und man bekommt das Gefühl, selbst ein Lärm-Virtuose wie Devin Townsend könnte sich hier übernommen haben. Die Rede ist natürlich vom mehr als 23 Minuten langen Schlusspunkt "Singularity", dem man nur noch unter größter Anstrengung zu folgen imstande ist. Wie viele Ideen können aus einem Musiker bitte hervorsprudeln, wie viele Einflüsse? Und trotzdem ist "Singularity" keine akustische Resterampe, bei der man die virtuellen Tapereste aus dem Studio zusammengefegt haben könnte, irgendwo tief drinnen findet sich noch so etwas wie Struktur. Natürlich ist diese Überforderung volle Absicht, und vielleicht kommt irgendwann die Zeit, zu der dieses Zappa-eske Konvolut entschlüsselt werden kann. Doch seien wir einmal ehrlich: Es ist genau dieses Spiel mit den Extremen, das den mittlerweile stets schelmisch schauenden Kanadier zu einem derart außergewöhnlichen Künstler macht. Und "Empath" reiht sich dabei mühelos in die Reihe der starken Soloalben der Frühphase ein.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Spirits will collide
  • Hear me
  • Singularity

Tracklist

  1. Castaway
  2. Genesis
  3. Spirits will collide
  4. Evermore
  5. Sprite
  6. Hear me
  7. Why?
  8. Borderlands
  9. Requiem
  10. Singularity

Gesamtspielzeit: 74:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
DWF/H2
2019-04-06 08:46:39 Uhr
Ist mir zu wirr geworden.
Mal ehrlich
2019-04-06 08:34:02 Uhr
Total überschätzt der Typ.

Analog Kid

Postings: 203

Registriert seit 27.06.2013

2019-04-05 21:46:58 Uhr
Also direkt überrascht von dem Album bin ich jetzt auch nicht, aber wie ich eben schon im Album-Thread schrieb, das Ding ist die perfekte Symbiose aus dem "irren" und "wohlklingenden" Devin Townsend, was sich allerdings für mich allerdings auch erst nach einigen Durchläufen so richtig heraus stellte. Das ist ein absolut grossartiges Album, aber klar, man muss in Laune für sowas sein, sonst Nervfaktor 1000.

hexed all

Postings: 114

Registriert seit 15.06.2013

2019-04-05 21:01:45 Uhr
Album ist toll, aber wer mal in die DTP-Scheiben der letzten Jahre gehört hat, wird auch von Empath nicht überrascht sein.

Wenn du dich als Universalgenie neu erfinden willst, hilft es wenig, noch mehr verschiedene Stile in deine Songs einzubauen.
Devin könnte sich ein Beispiel an Leprous nehmen, mit denen er ja gut vertraut sein sollte. Die haben nach einer anfänglichen "wilden" Phase ihren eigenen Stil gefunden und erkunden diesen jetzt seit ein paar Jahren (meiner Meinung nach) sehr erfolgreich.

Vielleicht einfach mal nicht jeden Song in hunderttausende Layer verpacken und das Reverb-Pedal ausnahmsweise zuhause lassen? Wäre doch schonmal ein Anfang.

Analog Kid

Postings: 203

Registriert seit 27.06.2013

2019-04-04 22:48:22 Uhr
Weiss auch nicht nicht so richtig was ich von dem Album halten soll.

"Genesis" ist jedenfalls super.

Ansonsten so ein bisschen more of the same für mich momentan noch. Als hätte man sämtliche Townsend-Alben in den Mixer getan.

Vom Produktionsaufwand her jedenfalls definitiv enorm erfurchtgebietend :)

Diese Musical-Passagen nerven irgendwie.

Brauch noch ne Menge Durchläufe glaub ich...
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