Dave Hause - Kick

Dave Hause- Kick

Rise / BMG
VÖ: 12.04.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Against the current

Obwohl Dave Hause zu den Guten zählt, kann man es sich bei ihm ziemlich leicht machen. Denn abgesehen vielleicht vom starken "Devour" war das Beste an einem neuen Album eigentlich zuletzt mehr die damit verbundene Tour. So manch mediokrer Rezensent hat es sich bei Dave Hause zu leicht gemacht und ihm ein Pünktchen zu wenig kredenzt, obwohl für Hause eher mittelmäßige Songs noch immer besser sind als der übrige Durchschnitt der Szene. Es wurde nicht genügend gewürdigt, dass auf den ersten Blick nach Schema F verfahrende Songs wie "With you" mit jedem Durchlauf einen größeren Sog entwickeln, sich als echte Grower entpuppen. Bandkollege und jüngerer Bruder Tim Hause meinte im Vorlauf zum neuen Album "Kick" gar, man solle ruhig einfach einen guten alten "Ten-Song-Record" machen und hoffen, vielleicht drei neue Stücke auch auf Dauer ins Tourprogramm nehmen zu können.

Diese Aussage sollte man aber nicht zu ernst nehmen, denn ein so zynisches Abkanzeln widerspräche mehr als nur dem hinter "Kick" stehenden Konzept. Während über Hauses Leidenschaft wohl alles gesagt ist, seitdem er bei der Revival Tour 2011 selbst Rampensäuen wie Chuck Ragen und Brian Fallon die Show stahl, gilt Selbiges logischerweise nicht für "Kick". Schließlich sind die Zeiten vorbei, in denen man sich vor seiner Verantwortung drücken oder ironisch von der Beschissenheit der Welt distanzieren konnte, indem man das Glas als entweder halbleer oder voller Pisse betrachtete, selbst wenn man sich als mittlerweile über 40 Jahre alter Familienvater für einen Moment nach einfacheren Tagen sehnt. "Wouldn't it be nice if we were younger? / We could just get high and sing these songs / We could build a quiet life together / Laugh at how they all get it wrong" heißt es gleich zu Beginn.

Tatsächlich wäre dieses Szenario natürlich nicht so nett wie die Klänge der hier zitierten Beach Boys, sondern es wäre untätiges Aufgeben. Rafft euch stattdessen zusammen, faucht Hause wenig subtil, werdet "Saboteurs" und "Take 'em down from the inside", verdammt. Klar, eigentlich ist alles scheiße, Zeilen wie "lunatics clutch the nuclear codes" bieten nicht gerade die Aussicht auf Besserung. Aber das ist weder ein Grund, den feinen Lagerfeuer-Song "Fireflies" nicht zu schätzen oder das gegen jede Vernunft optimistische "Paradise" nicht abzufeiern - noch ist es eine Rechtfertigung, sich entgegen der Mahnungen von "Civil war", "Weathervane", "OMG" nur mit seinen eigenen Ängsten zu beschäftigen. Das Verweilen in der Komfortzone, wie es die Meisten trotz globaler Problemstellungen tun, ist für Hause keine Option. "Kick against the current" heißt das durchaus schmerzhafte Gegenmittel. Wenn man es mit der Euphorie des zugehörigen "The ditch" einnimmt, erscheint alles immerhin ein wenig besser.

Zukunft ist für Hause der unmissverständliche Blick auf die nahende Katastrophe, und trotzdem hält er dem aktuellen Zeitgeist einen erfrischenden Optimismus entgegen. Mit Naivität hat dies nichts zu tun, schließlich ist der Sänger jemand, der die dunklen Seiten des Lebens mehr als gut genug kennt, was das abschließende ergreifende Kunststück "Bearing down" schmerzlich offenlegt. Nachdenklich und zurückgenommen reflektiert Hause in Erinnerung an Hunter S. Thompson, Robin Williams und seinen Freund Scott Hutchison die eigenen Selbstmordgedanken. "Hallelujah, we're alive / And it's bearing down" fasst er mit den letzten Zeilen von "Kick" zusammen, wie nahe Leid und Dankbarkeit im Leben nebeinanderliegen können. Während man als Außenstehender dankbar dafür sein kann, dass Hause zuvor für sich selbst zur Erkenntnis "For the first time in forever / I'm certain that I can't go" gefunden hat, bleibt nur zu hoffen, dass diese vorsichtige Zuversicht auf eine Wendung zum Guten und das Wissen, mit solchen Gedanken nie alleine zu sein, jedem helfen können, der sich mit ähnlichen Dämonen herumschlagen muss.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • The ditch
  • Weatherwane
  • Bearing down

Tracklist

  1. Eye aye I
  2. The ditch
  3. Saboteurs
  4. Civil lies
  5. Weathervane
  6. Warpaint
  7. OMG
  8. Fireflies
  9. Paradise
  10. Bearing down

Gesamtspielzeit: 34:00 min.

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User Beitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18603

Registriert seit 08.01.2012

2020-07-06 19:44:28 Uhr - Newsbeitrag


DAVE HAUSE

veröffentlicht Benefiz-Song "Your Ghost" - Lyric-Video

Erlöse gehen an Philadelphia Community Bail Fund


DAVE HAUSE präsentiert mit "Your Ghost" einen brandneuen Track, dessen Erlöse dem Philadelphia Community Bail Fund zugutekommen. Zu dem Song, auf dem auch Amythyst Kiah und Kam Franklin mit einem Feature beteiligt sind, liegt auch ein Lyric-Video vor:

Lyric-Video - "Your Ghost" (feat. Amythyst Kiah & Kam Franklin)

"Your Ghost", das den Mord an George Floyd thematisiert, kann unter dem folgenden Link erworben werden: https://davehause.bandcamp.com

Von Seiten des Musikers heißt es:

Sitting down to write this, I’m faced with that nagging question, do songs make any difference?

It’s a privilege to write songs for a living, and I write them to try to make some sense of the chaotic world in which we live. I watched the footage of George Floyd's murder from the safety of my home, and I experienced the outrage, despair, and grief that so many of us shared. My brother Tim and I got to work on this song that week as a way to try to process what we had all collectively witnessed. We tried and initially failed to get the right tone, but as we worked at it, we learned about our blind spots on these issues and how to wrestle with them. But that nagging question again… am I just another white guy singing about someone else’s experience? Yes, I am. But could this song make a difference? Even a small one?

I remember a recent conversation I had with after getting offstage in Portland, Oregon. I was standing at the back of the club when a grizzled white guy came up and said, “Hey, I’m a retired Marine, military man my whole life. Your song, ‘Seasons Greetings From Ferguson’ changed my whole perspective on racial justice. I have been dedicating a ton of my time to understanding and trying to make things better since I heard that song.”

It was a reminder that songs can make a little difference. They’re a way to reframe, to understand, and to convey ideas that sometimes we can’t in regular conversation and debate. They can provide some comfort, they can start a conversation, maybe even prompt a new way to look at things. If they prompt even one person to consider something they had the privilege of overlooking before, then it was worth it. We all have a tremendous amount of heavy lifting to do in order for there to be equity for all in this country. We ALL need to keep pushing, keep having the hard conversations, and put ourselves in the shoes of others to try to make things right. We hope this will be part of that push.

So, here it is, “Your Ghost”. Any and all money this song makes will go to the Philadelphia Community Bail Fund (www.phillybailout.com).

Extra thanks to Amythyst Kiah and Kam Franklin for lending their talent to this song.

Rest In Power George. Black Lives Matter.

-Dave Hause July 3, 2020.

http://www.davehause.com
https://www.facebook.com/DaveHauseMusic/
https://twitter.com/hausedave

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2020-03-05 19:36:48 Uhr - Newsbeitrag

Dave Hause And The Mermaid
22.05. - 23.05.2020

Anfang des Jahres war Dave Hause hierzulande zu Gast und hat Fans auf seiner Akustik-Tour verzaubert. Punk ist noch lange nicht tot, er klingt nur anders und zeigt massig Gefühle. Der Mann kann einfach in allen Sätteln und im Notfall auch ohne reiten. Und natürlich dürfen wir an dieser Stelle keinesfalls vergessen, dass seine Band, The Mermaid, eine wundervolle Möglichkeit bietet, Dave Hause’ Musik live zu genießen.

Und gerade, weil Dave Hause so ein unermüdlicher Live-Musiker ist, hat er jetzt bestätigt, dass er im Mai für zwei weitere Auftritte zusammen mit The Mermaid nach Ulm und Erfurt kommt.
Image Label


Präsentiert werden die Konzerte von FUZE, SLAM und Ox-Fanzine & livegigs.de



22.05.2020 Ulm - Roxy

23.05.2020 Erfurt - HsD

Petr

Postings: 74

Registriert seit 14.06.2013

2019-04-07 12:32:55 Uhr
sehr schöne Review!

Armin

Plattentests.de-Chef

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Registriert seit 08.01.2012

2019-04-05 19:30:38 Uhr - Newsbeitrag

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18603

Registriert seit 08.01.2012

2019-04-04 20:27:35 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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