Cerys Matthews - Cockahoop

Cerys Matthews- Cockahoop

Blanco Y Negro / WEA / Warner
VÖ: 23.06.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wein, Weib und Gesang

"Chardonnay, Chardonnay / Oh, I love you, Chardonnay / As I reach to hold you with my trembling hands." Gleich zu Beginn von Cerys Matthews Solodebüt begrüßt einen das bislang wohl schönste Trinklied dieses Millenniums. Denn wenn auch diese Ode an den Rebensaft noch im letzten Jahrtausend von Roger Cook geschrieben wurde, blieb es doch der so bezaubernd wie noch nie krächzenden Cerys überlassen, diesen als Erste zu vertonen. Ein Glück! Wie auch sonst vieles an diesem Album an das Gute im Menschen und vor allem an gute Songs und vor allem Sangeskünste glauben läßt. Spürbar befreit vom kitschig anheimelnden, wenn auch großartig inszenierten Britpop ihrer Ex-Band Catatonia verläßt sich Cerys fast vollständig auf ihre unverkennbare süßlich-raue Röhre. In Szene setzen ließ sich die walisische Sirene dabei in Nashville von Bucky Baxter, der ansonsten schon Steelguitar für Bob Dylan und Ryan Adams bediente. Von Britpop mit walisischem Folk-Einschlag in die Höhle der Country-Löwen? Klingt komisch? Ist aber so.

Aber aus Cerys wird auf "Cockahoop" keineswegs eine runderneuerte Version von Dolly Parton. Und auch wenn die Arrangements durchweg sparsam akustisch gerieten und weder Banjo noch Pedalsteel auslassen, klingt das Album nicht nach den Klagen eines einsamen Cowgirls am Lagerfeuer. Statt trübem Lamento über die mißlungene Suche nach dem Marlboro-Mann entwaffnend ehrlich und von einer charmant natürlichen Naivität getragen. In etwa wie die verschollene, große Liebe von Bright Eyes-Kopf Connor Oberst oder das weiblich, ledig, junge Gegenstück zu Johnny Cash und seinen "American recordings". Auch hier tauchen allerlei Neuinterpretationen zu Tage: "Weightless again", im Original von einer Truppe namens The Handsome Family, gabelte die gute Cerys auf einem Americana-Sampler auf. Oder die alte Cajun-Weise "La bague". Oder "All my trials", das schon der gute Harry Belafonte schmachtete. "Arglwidd dyma fi", der (unvermeidliche) Ausflug in den Fundus walisischer Weisen, wiederum ist ein Traditional das Oma Matthews beizeiten summte. Wenn damals auch vermutlich ohne Country Twang im Hintergrund.

Die restlichen zehn Songs von "Cockahoop" entstanden unter Cerys' Federführung, auch wenn man Songs wie den südstaatensumpftauglichen "The good in goodbye" und "Lousiana" durchaus schon einige Lebensjahre zugestehen würde. Zeitgenössische Anachronismen, polternder Folkpop. Noch am ehesten zu früheren Catatonia-Hits im Stile von "Road rage", "Make hay (not war)" oder "Stone by stone" kompatibel ist das beschwingte "Caught in the middle", während "Only a fool" den Part des dahinschmachtenden Lovesongs belegt. Ein gelungener Start in die Solo-Karriere der trink- und skandalfesten Quietschnudel. So gilt weiter in vino veritas: "I dedicate this night to you / And I'd like to take you home with me." Cheers to you, Cerys!

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • Chardonnay
  • Caught in the middle
  • Only a fool
  • All my trials

Tracklist

  1. Chardonnay
  2. Caught in the middle
  3. Lousiana
  4. Weightless again
  5. Only a fool
  6. La bague
  7. Miller of hooterville
  8. Ocean
  9. Arglwidd dyma fi
  10. If you're looking for love
  11. The good in goodbye
  12. Gypsy song
  13. All my trials

Gesamtspielzeit: 34:40 min.

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