Botschaft - Musik verändert nichts

Botschaft- Musik verändert nichts

Tapete / Indigo
VÖ: 08.02.2019

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unerwartet durchschnittlich

Ginge es Mats Hummels wie dieser Rezension, wäre Cathy Hummels nicht traurig. Denn als die Entscheidung anstand, ob hier ein Text zu "Musik verändert nichts" erscheinen soll, wurde die Platte eigentlich ausgemustert. Die geneigten Foristen dieser schönen Website namens Plattentests.de aber schienen Gefallen gefunden zu haben am Debüt der Band Botschaft um Sänger Malte Thran und Mitglieder der Bands The Robocop Kraus, Station 17 und Tusq. Auch Zeit-Online-Autor Daniel Gerhardt, seines Zeichens Ex-Plattentester, fand die Platte so richtig toll. Also Diskussion im Team: Sollen wir? Okay. Aber das ändert auch nichts an der Wertung.

"Das Debütalbum von Botschaft ist klüger, als es deutsche Popmusik erlaubt", heißt es in der Subline des verlinkten Zeit-Online-Artikels, und ja, hm, vielleicht ist sie auch zu klug für den Rezensenten, denn viel Inhalt findet er auf "Musik verändert nichts" nicht. Zwar kritisiert "Sozialisiert in der BRD" auf halbwegs charmante Weise die Seltsamkeiten dieser Karriere- und Leistungsgesellschaft, aber Songs wie "Zwischen den Jahren", "Hinter dem Haus" oder auch "Herrschaftsfrei" agieren lyrisch – aber auch musikalisch – viel zu zurückgezogen, um ihnen viel entnehmen zu können. Die Geschichte aus "Treptower Park" ist eine hübsche Erzählung von Frühlingsgefühlen und / oder Liebeskummer, aber auch hier passiert wenig, das wirklich einen jucken würde. Anderswo erklären die Mannen aus Berlin und Hamburg, dass Gefühle nicht als "Daseinsweck" taugten. Okay, aber warum so einen prätentiösen Hehl um solche Nichtigkeiten? Hinzu kommt, dass die Singstimme teilweise unerträglich schmalzig erscheint, und noch viel schlimmer: Auch musikalisch bietet das Album kaum Höhepunkte. Es ist so durchgängig – man könnte auch positiviert sagen "formvollendet", oder negativiert "sterbenslangweilig" –, dass man teilweise die Songwechsel verpasst. Das Label Tapete schreibt dazu: "Diese Platte klingt wie unter Wasser aufgenommen." Aber sollten Platten wirklich unter Wasser aufgenommen werden?

"Musik verändert nichts" besteht aus elf Songs ohne Rhythmuswechsel, mit einer klingelnden, teilweise fast zu ausschweifenden The-Smiths-Gitarre als einzigem Highlight-Macher. Wie geht man mit Musik um, die sich mit ihrem mehr oder weniger ironischen Titel auf die Fahne schreibt, etwas besonderes zu sein und dann als einziges Plätschern erscheint? Wie soll man einer Musik näherkommen, die einem kaum entgegenkommt? Die vielen rhetorischen Fragen zeigen es schon an: Der Rezensent ist ratlos, er weiß nicht, was er mit "Musik verändert nichts" anfangen soll. Für ihn ist es allen Erwartungen und Meinungen zum Trotz kein richtig gutes, aber auch kein richtig schlechtes Album, sondern eben ein allenfalls ein durchschnittliches.

(Pascal Bremmer)

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Highlights

  • Sozialisiert in der BRD
  • Treptower Park

Tracklist

  1. Schöne Idee
  2. Treptower Park
  3. Hinter dem Haus
  4. Zwischen den Jahren
  5. Herrschaftsfrei
  6. Atom
  7. Niederlage
  8. Daseinszweck
  9. Sozialisiert in der BRD
  10. Trotzdem

Gesamtspielzeit: 37:05 min.

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User Beitrag

Pascal

Postings: 415

Registriert seit 13.02.2013

2019-04-10 09:23:50 Uhr
Ich glaube, hier ist's so ein typischer Fall, wo man entweder voll drauf steht, oder eben voll nicht. Ich weiß ja, dass man das gut finden kann, nur ich komm halt irgendwie nicht mit klar.

Dass der Sänger Professor ist, hatte ich gelesen. Aber hört man ja quasi auch in jeder Silbe :D

Gordon Fraser

Postings: 1193

Registriert seit 14.06.2013

2019-04-09 18:18:27 Uhr
Ich kann alle diese Kritikpunkte nachvollziehen, allein: mir gefällt's trotzdem so verdammt gut. :D

Der Sänger/Texter ist übrigens Philosophieprofessor, das ist bei Bands auch eher unüblich.

Pascal

Postings: 415

Registriert seit 13.02.2013

2019-04-09 17:49:05 Uhr
@Fanboy: Gott sei Dank hat mich die Formulierungspolizei bisher noch nicht gefasst, aber jetzt bist du ja da! Ich empfinde das Wort "Daseinszweck" als prätentiöse Wortschöpfung und den Inhalt der Aussage recht dünn und somit nichtig. Darf ich ja. Fang mich doch.

@Gordon Fraser: Ich finde es auch schade, hatte im Vorfeld einiges gelesen und mich anhand der Beschreibungen gefreut, aber tatsächlich dringt die Platte nicht zu mir durch. Ist halt manchmal so.

@Cargo: Nicht ausstehen ist zu viel, aber kitschig ist es wie sau. Die Singstimme ist so schmalzüberladen, das ist eigtl. mein größtes Problem hier.

cargo

Postings: 161

Registriert seit 07.06.2016

2019-04-08 11:01:37 Uhr
Ich kann vollkommen verstehen, wenn man die Band nicht ausstehen kann. Klingt halt schon super brav und leicht kitschig.
Als alter Blumfeld Fan ist das aber natürlich genau mein Ding. Top3 Album bisher in diesem Jahr.

Gordon Fraser

Postings: 1193

Registriert seit 14.06.2013

2019-04-05 10:59:04 Uhr
Ich freue mich, dass es doch noch eine Rezi gibt, finde es aber schade, dass Pascal offensichtlich keinen Zugang zur Platte gefunden hat.
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