Big Business - The beast you are

Big Business- The beast you are

Joyful Noise / Cargo
VÖ: 12.04.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ballett der Kleiderschränke

Als Big Business gehören Jarred Warren und Coady Villis bereits seit 15 Jahren zu den schweren Jungs im Rock. Stoner Metal ist das Spezialgebiet der kürzlich zum Duo gesundgeschrumpften Formation aus Los Angeles. Und das heißt dann natürlich: Gitarren, die in gigantischen Wirbeln und Schleifen ihre Kreise ziehen, eine malmende Schlagzeugarbeit und vibrierende Basssaiten, die die umliegenden Gebäude ins Wanken bringen. Alles so weit richtig, nur schaffen Big Business es als Dreingabe, auch eine giftige Aggressivität in ihrer Musik zur Geltung zu bringen. Ihr neues Album "The beast you are" bietet da besten Anschauungsunterricht.

Der eröffnende "Abdominal snowman" wälzt direkt erhebliche Riff-Massen hin und her, doch Bass und Schlagzeug sorgen für eine wuchtige Dynamik, die den Eindruck erwecken, als würde ein Gebirgsmassiv Seilchen springen, kolossal, aber beweglich. "Heal the weak" hat in seinem Auf- und Abbranden etwas Majestätisches, das nimmermüde Anrennen gegen eine undurchdringliche Wand wird zum heroischen Akt, es muss immer irgendwie weitergehen, notfalls mit einem Neustart, "We've done all we can / It's time to move on." Bei diesen Songs brodelt und wogt es unaufhörlich, ein fester Untergrund lässt sich schwerlich finden, die Kontinentalplatten sind auf Konfrontationskurs. Das urgewaltige "Time+heat" marschiert zu sich selbst überholenden Trommelwirbeln durch geschwefelten Dampf, lädt sich ein Streicherensemble auf die breiten Schultern und erklimmt damit in stoischer Hartnäckigkeit und nüchternem Triumph eine imaginäre Bergspitze. Die Riffs von "People behave" haben fast was von Garage-Punk, bis Bass und Schlagzeug wieder ihre weit ausgreifenden Pirouetten drehen und damit einen gewaltigen Strudel erzeugen. Details wie die schluffige Oregel im Hintergrund sorgen bei all dem mächtigen Treiben stetig für etwas Auflockerung, die sägenden Gitarren von "El pollo" verstehen aber definitiv keinen Spaß.

Ein weiterer Punkt, der diese Platte aus dem Stoner-Einerlei herausragen lässt, ist der bestechende Gesang der beiden Kalifornier. Mal furztrocken an den Melodien langtackernd, an anderer Stelle aufgeladen mit luftigem Pathos, finden Villis und Warren immer die passende, stimmliche Entsprechung zu ihrem musikalischen Ballett der Kleiderschränke. Und für kleine Überraschungen sorgen sie auch noch: Die mit psychedelischen Farbschimmern durchwirkte Hippieschwelgerei "Under Everest" hat Santa Claus die Glöckchen vom Schlitten geklaut und macht es sich ganz ohne Wucht und Geboller auf einem Ruhekissen bequem. In einem solchen Moment sind die schweren Jungs dann auch ganz zahm.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Abdominal snowman
  • Heal the weak
  • Time+heat

Tracklist

  1. Abdominal snowman
  2. Heal the weak
  3. Complacency is killing you and those around you
  4. Bright grey
  5. Time+heat
  6. The moor you know
  7. People behave
  8. We can swarm
  9. El pollo
  10. We'll take the good package
  11. Last family
  12. Under Everest
  13. Let them grind

Gesamtspielzeit: 44:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hands Up
2019-04-04 22:33:42 Uhr
Hui, schon raus die Platte. Wird morgen reingelauscht!

Armin

Postings: 14521

Registriert seit 08.01.2012

2019-04-04 20:24:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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