Tyler Ramsey - For the morning

Tyler Ramsey- For the morning

Fantasy / Universal
VÖ: 05.04.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Abgesattelt

Betrachtet man die Tracklist des neuen Soloalbums von Tyler Ramsey, so stellen sich alsbald anheimelnde Gefühle ein. Dafür sorgen Vokabeln wie "home", "heart", "sea", "firewood", "summer" oder "evening". Und ja, die Songs des ehemaligen Band-Of-Horses-Leadgitarristen schmecken tatsächlich nach warmer Sommerbrise, wecken Erinnerungen an freudvolle und minimalmelancholische Seeabende, gefallen sich in ihrer Wohlfühlstimmung. Freilich kann man dies jetzt kritisieren, denn Ramsey kümmert sich eben überhaupt nicht um gesellschaftliche oder politische Belange. Seine Musik feiert den Rückzug ins Private, ins heimische Idyll. Auf der anderen Seite muss nun auch nicht jeder seinen Senf zu Trump, zum Klimawandel oder dem Brexit abgeben. So gesehen darf man "For the morning" durchaus als das genießen, was es ist: ein harmonisches, ruhiges, rundum rundes Alternative-Country-Album, das seine Fühler vorsichtig Richtung Rock und Folk streckt.

Mit anderen Worten: Die blutdrucksenkenden Medikamente können beim Hören dieses Albums in der Schublade bleiben. Mit stoischer Ruhe führt Ramsey durch seine zehn Songs, die melodie- und auch etwas rührselig Richtung Sonnenuntergang blicken, einen Grashalm dekorativ im Mundwinkel balancierend. Das sechsminütige "A dream of home" überzeugt mit seinem raumgreifenden, einladenden Klang, Ramseys Stimme klingt warm und vertraut, die Instrumentierung steht dem in nichts nach. Seine Musik ist dabei in der Tat auf den ersten Blick eher unauffällig, aber keineswegs charakterlos, sie fließt oftmals langsam und sehnsuchtsvoll dahin, zum Beispiel im mit Streichern angereicherten "The bottom of the sea". Ramsey, der aus einem kleinen Kaff in North Carolina stammt, lässt sich Zeit zur Entfaltung seiner Stücke, hat keine Eile. Fünf Minuten muss man als Hörer im Schnitt für seine Kompositionen veranschlagen, aber das ist es ja auch wert. Hier warten Entschleunigung und innere Einkehr.

Klar, die ein oder andere Nummer segelt dabei durchaus unter dem Aufmerksamkeitsradar. Gerade die dezent arrangierten Leisetreter "White coat" und "For the morning" sind vielleicht etwas zu schüchtern, um wirklich für Furore zu sorgen. Den schmalen Grat zwischen Zurückgenommenheit und stiller Eleganz beschreitet "Evening country" da deutlich selbstsicherer: Der Song startet als dunkelblau schimmernde Country-Ballade, die den Blick über die weiten Felder streifen lässt, doch altbacken klingt Ramsey dabei keineswegs. Die Melancholie in seiner Stimme, die Harmoniegesänge, die fast schon obligatorische Pedal-Steel, die im Hintergrund Weite andeutet: Dies alles ergibt ein stimmiges, homogenes Ganzes, das man sich gerne einrahmen und übers Sofa hängen würde. Irgendwo wird da zwischen den ganzen Bob-Ross-Bildern nämlich schon noch Platz sein.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • A dream of home
  • Evening country

Tracklist

  1. Your whole life
  2. A dream of home
  3. White coat
  4. Breaking a heart
  5. The bottom of the sea
  6. Darkest clouds
  7. Firewood
  8. Cheap summer dress
  9. Evening country
  10. For the morning

Gesamtspielzeit: 46:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
antibazi
2019-03-29 12:45:34 Uhr
Bei der Rezi sind Referenzen und Surftipps durcheinandergeraten...

Armin

Postings: 14509

Registriert seit 08.01.2012

2019-03-28 20:38:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Fräge
2019-02-18 16:53:15 Uhr
Ist der mit Bill Ramsey verwandt?

Armin

Postings: 14509

Registriert seit 08.01.2012

2019-02-18 12:32:30 Uhr - Newsbeitrag

Tyler Ramsey (Ex-Band of Horses)
ab sofort wieder auf Solopfaden:
Das neue Album "For The Morning" erscheint am 5. April
via Fantasy Records

Exklusive Deutschland-Show in Berlin
25. Mai – Berlin, Silent Green

Die erste Single "A Dream of Home" ab sofort im Stream

US-Singer/Songwriter Tyler Ramsey, der einstige Leadgitarrist und Co-Songwriter von Band of Horses, hat vor wenigen Tagen sein neues Album angekündigt: For The Morning heißt der neue Solo-Longplayer, der am 5. April bei Fantasy Records erscheint. Laut eigener Aussage inspiriert von der überwältigenden Naturszenerie, die sein Haus in den Bergen bei Asheville, North Carolina, umgibt, verbindet Ramsey

Rock-, Country- und Folk-Elemente auf der LP zu seinem ganz eigenen Roots-Sound. Mit „A Dream Of Home“ hat er dem Album schon eine erste sehnsüchtige Leadsingle vorausgeschickt – hier reinhören. Das Album For The Morning, dessen offizieller Trailer HIER zu sehen ist, kann bereits vorbestellt werden.

„Dieses Album ist in einer Phase entstanden, in der sich in meinem Leben alles verändert hat“, erzählt Ramsey. „Meine Tochter kam zur Welt, wir sind aufs Land gezogen, und dazu diese Einsicht, dass ich einfach einen ganz anderen Weg einschlagen musste in meinem Leben als Musiker und Songschreiber. Ich habe versucht, den Ausschnitten des Musikerlebens, immer auf Tour, auch Eindrücke des sehr viel verwurzelteren Lebens gegenüberzustellen, das in meinem neuen Zuhause auf mich wartet. Dort nämlich verbringe ich beispielsweise auch viel Zeit mit Wandern in den Bergen.“

Tyler Ramsey - A Dream of Home


In seine neue Heimat entführt For The Morning, komplett geschrieben und produziert von Ramsey, die Zuhörer, indem er auf seinem Instrument vorwiegend auf Fingerpicking und zudem auf Klavier-Aufnahmen setzt und über diesem Fundament Pedal-Steel-Passagen und seinen wunderbar unaufgeregten Gesang ausbreitet. Die Aufnahmen machte er zusammen mit Toningenieur Kevin Ratterman (My Morning Jacket, Ray LaMontagne, Joan Shelley, Strand of Oaks) und Seth Kauffman von Floating Action (zudem Tourmusiker für Jim James, Ray LaMontagne) in den La La Land Studios in Louisville, Kentucky. Zu den Albumgästen zählen Joan Shelley, Thad Cockrell und Molly Parden, die in mehreren Fällen Hintergrundgesänge beisteuern, sowie die Gitarristen Russ Paul (Pedal Steel), Nathan Salsburg und Gareth Liddiard (The Drones).

Die Single „A Dream Of Home“, eines von vielen Highlights des Albums, entstand während Ramsey mit Band of Horses auf Tour war: An einem Ruhetag zog er sich allein ins Hotel bei Nashville zurück und schrieb darüber, wie doch die Kirschen im Garten des Nachbarn immer die Süßeren zu sein scheinen; konkret war es die Frage, ob der Traum eines jeden Musikers, die Welt zu bereisen und vor riesigem Publikum zu spielen, wirklich das war, was sich alle davon versprechen. Das packende Kernstück „Breaking A Heart“ besticht mit einem Wechselspiel aus Klavier und Gitarre, während Ramseys Gesang darüber wie ein Nebelschleier hängt. „Evening Country“ hingegen ist eine Art Country-Update zu dem Song „Evening Kitchen“, den er für das Grammy-nominierte Band of Horses-Album Infinite Arms komponierte, und der jetzt mit neuen Harmonien und Pedal-Steel-Parts daherkommt.

Um das neue Album live zu präsentieren, wird Tyler Ramsey auch in diesem Jahr wenig zu Hause sein; Tourabstecher sind u.a. in Nordamerika, UK und Europa geplant. In Deutschland macht der US-Amerikaner, der zwischen 2005 und 2011 bereits drei Soloalben vorgelegt hat, am 26. Mai Halt, wenn er ein Exklusivkonzert im Berliner Silent Green spielt.

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