Pauls Jets - Alle Songs bisher

Pauls Jets- Alle Songs bisher

Lotterlabel / Sony
VÖ: 22.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Paul meckert nie

Irgendwas muss da ja im Trinkwasser sein, in unserem beschaulichen Nachbarland Österreich. Seit geraumer Zeit blüht die dortige Indie-Szene, Wanda und Bilderbuch sind die großen Vorreiter, eh kloar, aber der beständige Strom launiger Zeitgeistmusik will einfach nicht abreißen. Mavi Phoenix steht aktuell in den Startlöchern und auch Pauls Jets machen sich bereit zum Abflug. Das Wiener Trio um Frontmann Paul Buschnegg spielt hochnervösen, sympathisch-semiprofessionellen Indie-Pop, der auch Freunden von Ja, Panik und Co. ein Lächeln aufs zerknitterte Bleichgesicht bügeln dürfte. Mit "Alle Songs bisher" veröffentlichen die drei nun ihr buntes, immer mit einem Bein im Quatsch stehendes Debütalbum, auf das nicht wenige gut Informierte seit einiger Zeit sehnsuchtsvoll gewartet haben.

Denn klar ist eines: Die in den vergangenen Monaten veröffentlichten Songs machten Spaß und vor allem Lust auf mehr. Da wäre zum einen der launig-spitzbübische Indie-Pop von "Üben üben üben", zum anderen "Diese Villa ist verlassen", durch dessen feine Venen zarte Melancholie pulsiert. Als kleiner Hit kristallisierte sich indes "22703" heraus, die schönste Liebeserklärung an eine Zahl im Zahlenraum bis 100.000, die uns bislang jedenfalls untergekommen ist. Die Lakonie des Stückes erinnert freilich an Andreas Spechtl und seine Band Ja, Panik und das passt ja auch, weil man sich auf neues Material ebendieser Gruppe nun schon gar nicht mehr zu warten traut. Pauls Jets funktionieren also mit Abstrichen als Surrogat. Und ohne Abstriche als nette Beschallung geselliger Sommerabende.

Halt, stopp: "Nett" ist doch die kleine Schwester von "Scheiße" und das sind Pauls Jets doch bestimmt nicht, oder? Richtig. Scheiße ist diese Band ganz und gar nicht, aber in einigen Momenten noch nicht vollständig ausgegoren. Manche mögen das Unfertige im Sound der Gruppe, andere würden sich wohl ein fertigeres, klareres und einheitlicheres Soundkonzept wünschen. Bestes Beispiel: Mit "Fresha Fruscianteya" setzen sich Pauls Jets in die Zeitmaschine gen frühe Achtzigerjahre, Buschneggs Stimme wirbelt hypernervös durch die Gegend, die Instrumente wirbeln ähnlich aufgekratzt mit, eine wirkliche Richtung ist in all dem Tumult indes nicht auszumachen. Das ähnlich verpeilte "Alles Gute zum Geburtstag" ist dagegen eine charmante Festtagshymne, die ab jetzt auf den seltsamsten Geburtstagsfeiern der Stadt laufen könnte.

"Die Häuser schauen schief aus" bleibt ebenfalls hängen: Über ein einsames Klavier legt Buschnegg in den Strophen seinen sympathischen Nichtgesang, später gesellen sich Gitarren und Drums dazu. Inhaltlich bleiben Pauls Jets dabei oft eher vage, meist beschreiben sie, was halt gerade so ihren Blick kreuzt und was sie zwischenmenschlich bewegt. Sie stellen – man beachte die Tracklist – gerne Fragen, wissen aber auch nicht so genau, ob sie überhaupt Antworten wollen. Vielversprechend ist dies allemal, auch wenn dem Debütalbum hier und da die Stringenz abgeht. Vielmehr bietet die Truppe kurze Weile an langen, betrüblichen Tagen mit schmissigen Schmunzelsongs, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Leiwand.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • 22703
  • Üben üben üben
  • Wo stehst Du mit Deiner Kunst, Baby?
  • Diese Villa ist verlassen

Tracklist

  1. Ich will Dich lieben, Baby
  2. Sollen wir tschüss sagen und gehen?
  3. Kannst Du noch?
  4. 22703
  5. Fresha Fruscienteya
  6. Du wirst schauen, was noch alles Rap sein wird (feat. Rektor Bust)
  7. Üben üben üben
  8. Die Häuser schauen schief aus
  9. Wo stehst Du mit Deiner Kunst, Baby?
  10. Art Brut
  11. Ich will nie wieder weg
  12. Diese Villa ist verlassen
  13. Alles Gute zum Geburtstag
  14. Alle Songs bisher
  15. Ich komme in den Park

Gesamtspielzeit: 46:49 min.

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User Beitrag

Gordon Fraser

Postings: 1194

Registriert seit 14.06.2013

2019-03-22 18:24:13 Uhr
Bin auch ganz angetan.
Stollendoll
2019-03-21 21:11:20 Uhr
Habe mir bereits einige Male "üben üben üben" auf YouTube angehört und freue mich ehrlich gesagt voll auf diese Platte.

Armin

Postings: 14575

Registriert seit 08.01.2012

2019-03-21 20:29:11 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

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