Listen




Banner, 120 x 600, mit Claim


Metallica - St. Anger

Metallica- St. Anger

Mercury / Universal
VÖ: 05.06.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Heiliger Bimbam

Metallica haben es erneut geschafft. Mit jeder Veröffentlichung das meistdiskutierte Album des Jahres vorzulegen, ist schließlich schon eine Meisterleistung an sich. Und auch diesmal kommt es, wie es kommen mußte und immer kommt: Die Fans der ersten Stunde kriechen aus ihren Löchern hervor, lugen durch ihre seit "Kill 'em all" offenbar weder gestutzte noch gewaschene Matte und faseln irgendwas Unverständliches von "Ausverkauf". Andererseits haben wieder ganze Scharen von Fans am rot im Kalender markierten 05.06. vor den Plattenläden campiert, um "St. Anger" als Allererste in den Händen zu halten. Und schon jetzt, wenige Tage nach der Veröffentlichung, gibt es zu dieser Platte garantiert schon genausoviele konträre Meinungen wie Eigentümer.

Worüber sich alle einig sein müßten: "St. Anger" ist ein Brett. Zurechtgeprügelt mit Hilfe von Kettensäge, Vorschlaghammer und groben, dreckigen Männerhänden. Faust auf Faust, hart auf hart. Mit aller Kraft wollen Metallica den dank ihres Kuschel-Metal-Experiments "S&M" und halbgarer Softie-Alben wie "Re-Load" erlangten Ruf als Weicheier wieder loswerden. "Frantic" eröffnet diesen eindrucksvollen Beweis, daß man auch mit 40 (Lenzen) noch auf 180 (Sachen) kommen kann. Das Schlagzeuggewitter bricht los, kommt sechs Minuten lang nicht zur Ruhe, und zwischen dem eindringlich wiederholten "You live it or lie it" scheint Hetfield zu brüllen "HÖR! DAS! LAUT!" Dem Wunsch kommt man gerne nach.

Bis zum Anschlag aufgedreht, offenbart auch die Videosingle "St. Anger" mächtige Qualitäten. Siebeneinhalb Minuten lang knüppeln sich Metallica durch drei paßgerechte Parts, von denen einer mehr knallt als der andere. Hier scheint sich jemand das letzte System Of A Down-Album genauestens angehört haben. Und sich an das neue Jahrtausend anzubiedern, ohne peinlich zu wirken. Metallica 2003 verbinden die brachiale Gewalt aus der Anfangsphase mit der Wut der neuen Generation. Und brauchen für zeitgemäßen Metal weder Masken noch Scratches, sondern einfach nur ehrliche oder auch mal aufgesetzte Wut. Und so viel Geschwindigkeit wie nur geht. Gerne auch in Form von purem, stumpfsinnigem Geknüppel wie "Sweet amber" oder "Dirty window", die in etwa so subtil wirken wie ein Faustschlag von hinten.

Ganze sechs Mal überschreiten Metallica die Sieben-Minuten-Marke. Während "Invisible kid" mit seinen Höhen und Tiefen fast schon enfernt an Tool denken läßt und auch das straighte "Some kind of monster" keine Sekunde langweilig wird, verbirgt sich das wahre Opus Magnum hinter "The unnamed feeling". In bester "Unforgiven"-Manier wagen Metallica den Rundumschlag und schlängeln sich durch unzählige Laut-/Leise-Passagen und mystische Lyrics. "Cross my heart, hope not to die / Swallow evil, ride the sky / Lose myself in a crowded room / You fool, you fool, it'll be here soon", röhrt Hetfield und freut sich über die zweite potentielle Single zwischen all den harten, schwer verdaulichen Brocken.

Das größte Fragezeichen jedoch wirft die Produktion auf: Das Schlagzeugt scheppert, die Gitarren matschen, und Hetfield klingt stellenweise so dumpf, als ob man ihm ein Pflaster quer über den Mund gepappt hätte. Vermutlich hat es Metallica einen Mordsspaß bereitet, in einem sündhaft teuren Studio die Dollars zu verschleudern, um ihr Album am Ende doch nach Lowest Budget klingen zu lassen. Nicht einmal, wenn sie sich auf der beiliegenden Bonus-DVD im düsteren Proberaum noch einmal durchs ganze Album prügeln, nimmt man einer Stadion-Band wie Metallica so viel Garagen-Appeal ab. Und doch paßt der Sound-Brei bestens zur brachialen Gewalt von "St. Anger". Metallica spalten. Die Schädel und die Meinungen. Sind sie zu hart, bist Du zu weich.

(Armin Linder)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen bei Amazon / JPC

Highlights

  • Frantic
  • St. Anger
  • Some kind of monster
  • The unnamed feeling

Tracklist

  1. Frantic
  2. St. Anger
  3. Some kind of monster
  4. Dirty window
  5. Invisible kid
  6. My world
  7. Shoot me again
  8. Sweet amber
  9. Unnamed feeling
  10. Purify
  11. All within my hands

Gesamtspielzeit: 75:06 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

RandomChance

Postings: 465

Registriert seit 02.05.2018

2022-07-09 04:00:14 Uhr
JA Hetfield hat anders als LG Petrov (RIP) auch so überhaupt nicht die passende Stimme hierfür.

Selbsttherapie vielleicht erfolgreich, Platte tot.

köttbullar

Postings: 165

Registriert seit 03.10.2019

2022-07-08 09:01:31 Uhr
Some Kind of Monster geht auch noch.

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 10153

Registriert seit 23.07.2014

2022-07-07 16:13:31 Uhr
Das sind auch ganz klar die Highlights. Trotzdem habe ich irgendwie nie so ganz verstanden, woher diese teils extreme Abneigung zu diesem Album herkommt. Klar, die meisten Songs sind definitiv zu lang und monoton, aber sonst gibt es hier doch eine gute Portion Energie und Riffs. Weniger schnarchig als "Reload" und "S&M" ist es auf jeden Fall.

Huhn vom Hof

Postings: 4602

Registriert seit 14.06.2013

2022-07-07 14:24:21 Uhr
Die ersten 2 Songs "Frantic" und "St. Anger" knallen ganz gut rein, aber mit dem Rest des Albums bin ich nie so recht warm geworden.

regger

Postings: 93

Registriert seit 31.03.2021

2022-07-07 11:55:39 Uhr
Höre gerade die gesamte Diskographie von Metallica durch, bis jetzt ist alles mind. eine 7/10...Jetzt bei St. Anger angekommen.
Für mich max. 4/10 mit gutem Willen. In die Länge gezogene einfallslose Lieder, mehr als gewöhnungsbedürftiger Sound und die Liedertexte naja...
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify