The Beta Machine - Intruder

The Beta Machine- Intruder

T-Boy / UMe / Universal
VÖ: 29.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ist klar

Da ist es wieder, das Vorurteil. Matt McJunkins und Jeff Friedl sind als Rhythmusgruppe von A Perfect Circle und als Kollaborateure in Billy Howerdels Prokekt Ashes Divide innig eingewebt in jede Menge progressiver Musik. Wenn diese beiden nun eine eigene Band gründen, erwartet man ein hohes Maß an Komplexität und Verschachtelung bei dem resultierenden Werk. Doch Pustekuchen, "Intruder" von The Beta Machine ist zuallererst eingängig und nahbar. Gitarre und Bass gehen für den Post-Punk anschaffen, doch man findet, akzentuiert durch die gesangliche Unterstützung der Vokalistin Claire Acey, leidenschaftliche Goth-Pop-Momente in Hülle und Fülle. Das geht schon mit "Embers" los: Ein treibender Beat ist Grundlage für eine wunderbar abgerundete Strophe, die in einem unbescheiden die Welt umarmenden Refrain mündet. "Transmission SOS / Sink into the abyss" lautet die kontrastierende Hook, welche Verzweiflung und Hochgefühl zusammenbringt. The Beta Machine ist ein Projekt, welches sich klarer Melodien niemals schämt, zwar ein abwechslungsreiches Klangspektrum auffährt, doch auch immer weiß, wenn es mit überlebensgroßen Refrains abkassieren kann.

Übrigens, Synthies in alllen Formen und Farben sind ebenfalls ein wichtiger Charakterzug dieser Musik. Diese geben auch gerne markante Melodien von sich, die die Songs in einer erfrischenden Eindeutigkeit halten. Die Kombination aus Stampf-Beat, bluesig runtergeratzten Post-Punk-Gitarren und eben jenen in Signalstärke agierenden Keyboards im Song "Your enemy" sorgen für eine direkte Ansprache, Klarheit ist Trumpf. Das etwas brüchigere "Precious design" steht stellvertretend für den raffinierten Umgang mit den Gesangspassagen. Claire Aceys einleitender Part etabliert eine sinistere Kühle, während durch den folgenden, männlichen Beitrag eine dringliche Leidenschaft ins Spiel kommt, welche in Kombination mit den fatalistischen Gitarren und den alarmierenden Synthies für eine emotionale Zuspitzung sorgt. "Someday" hat dann, neben Disco-Beat und rotierenden Synths, eine überraschend lieblich dahingleitende Bridge, die dem Stück einen Abstecher in wehmütiges Terrain erlaubt.

Dies ist vielleicht die größte Stärke dieser Platte: Trotz entschieden klarer Melodik schafft es die Instrumentierung, verschiedene emotionale Facetten aufzuzeigen. Es geht nicht nur im Hauruck nach vorne, ein Song wie "Palindrome" schwebt zum Beispiel in gleichmäßigen Schwingungen dahin, während "Ghosts" seine Strophe einer mit nur wenigen Klängen bevölkerten Leere entgegenstellt. Dass sich jeder Song dann zu einem markanten Höhepunkt aufschwingt, ist weniger eine Konzession an den Kommerz, als eine willkommene Belohnung. Schön auch, wie sich in "Bones" digital verfremdete Bläser mit den wabernden Synthieflächen verbinden und dann von einem kräftigen Basslauf an die Hand genommen werden. Da merkt man wieder, ja, das hier ist direkt und eindeutig, Nuancen und Verfeinerungen gibt es aber an so ziemlich jeder Stelle zu entdecken. Doch vor allem gelingen The Beta Machine, siehe das wunderbar groovende "The fall", immer wieder herrlich eingängige Nummern zwischen Post-Punk und Goth-Disco, man bekommt reichlich Futter für die Ohrwurm-Playlist im eigenen Kopf gereicht und ist in diesem Fall einfach glücklich, dass man es entgegen der ursprünglichen Erwartung eben nicht mit übertrieben verkopfter Musik zu tun bekommt.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Embers
  • Precious design
  • Someday

Tracklist

  1. Embers
  2. Your enemy
  3. Precious design
  4. Someday
  5. Palindrome
  6. Ghosts
  7. Bones
  8. The fall
  9. Intruder
  10. Bleed for you

Gesamtspielzeit: 42:17 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-03-21 20:24:16 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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