La Dispute - Panorama

La Dispute- Panorama

Epitaph / Indigo
VÖ: 22.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Im Vagen vor mir

Musikmachen ist Kunst, so die allgemeine Einschätzung. Und die Künstler sind die Glücklichen mit der außergewöhnlichen Gabe, ihre Kreativität zum Beruf machen zu können. Für etliche Musiker indes ist das Songschreiben auch harte Arbeit, der normale Alltag. Mit Höhen und Tiefen, mit Freuden und Frust und der ständigen Suche nach dem Quäntchen, das man mal frischer, mal anders angehen sollte. Im Punk und Hardcore scheint dies besonders knifflig, dennoch haben etliche Bands sich in der vergangegen Dekade ihre Sound-Nische geschaffen. La Dispute zum Beispiel mit ihrer Mixtur aus Atmosphäre und Lautstärke, mit den lyrischen Achterbahnfahrten zwischen flüsterndem Sprechgesang und verzweifeltem Geschrei, klingen unverkennbar nach sich selbst. Wie so oft jedoch lauert dabei auch die Gefahr der Abnutzung, des Stillstands.

Von Motivationsproblemen sind La Dispute jedoch weit entfernt, wie zuletzt legen sie die Messlatte für ihr Schaffen weiterhin in der obersten Etage an. Nach den eher fiktiven Geschichten der beiden famosen Vorgänger "Rooms of the house" und "Wildlife" umspannt das neue Werk "Panorama" eine zunächst real greifbare Autofahrt von Sänger Jordan Dreyer und seiner Lebensgefährtin, die von Dreyers Heimat Grand Rapids in Michigan nicht sehr weit, nämlich bloß in den Nachbarort Lowell führt, wo seine Freundin aufgewachsen ist. Auf dem Weg stoßen die beiden dann auf Orte, an denen Menschen gestorben sind. Etwa auf eine Grube, in der ein Mann ertrunken ist, auf markante Unfallstellen und auf einen Ort, an dem man die nicht identifizierbare Leiche einer Frau gefunden hatte. Doch Dreyer würde natürlich keine Story anbieten, die sich bloß um eine mysteriöse Fahrt durch vertrocknete Landschaften dreht und zu Orten morbider Symbolik führt. "Fulton Street I" baut nach dem Intro "Rose quartz" langsam eine verstörende, bedrohliche und daher mitreißende Atmosphäre auf: Das Leben rast vorbei am Tod und realisiert dessen Existenz am Wegesrand – wegen all der Blumen. Wohl dem, der dort noch noch nicht trauernd das Haupt senken musste.

Rock'n Roll war bei La Dispute nie bloß die durchzechte Nacht. Und so sind die Geschichten auf "Panorama" auch mit dem Leben und den Orten der Kindheit des La-Dispute-Frontmannes verwoben. Statt der verschmierten Windschutzscheibe gibt's das "Panorama"-Fenster, durch welches Dreyer zeitgleich die menschliche Existenz wie gewohnt detailreich einfängt – nicht nur zwischen Leben und Tod, sondern vor allem zwischen Liebe und Empathie auf der einen, und Skepsis und Missgunst auf der anderen Seite: Nach gut zehn Minuten ist auch der zweite Abschnitt entlang besagter Fulton Street über stellenweise ruppigen Asphalt und erste Schlaglöcher absolviert, und die Protagonisten gehen in sich. Das schöne "Rhodonite and grief" baut auf leicht beschwingte Rhythmik, einfühlsamen Erzählduktus und setzt den Weg fort, den La Dispute auf dem Vorgänger mit Stücken wie "Woman (in mirror)" einschlugen – sanfte Bläser und zumindest einen halben Wutausbruch gibt es obendrein.

An der Instrumentierung haben La Dispute mit feiner Klinge gefeilt und etwa die Strophen von "There you are (Hiding place)" mit luftigen Gitarrenlicks geschmückt, die Dreyers Erinnerungen an seinen Rückzugsort als kleiner Junge wunderbar tragen. Rhythmischer Schönklang und brachiale Schrei- und Gitarrenattacken machen den Song zu einem Highlight dieses wieder einmal sehr homogenen, ausgeglichen starken Albums, auf dem lediglich der ein oder andere atmosphärische Part nicht ganz so nachdrücklich gelingt wie in der jüngeren Vergangenheit. Und weil Hardcore-Punk immer das Potenzial zur Wuchtübertragung hat, nimmt man die schnörkellosen Faustschläge von "Anxiety panorama" gerne hin, bevor La Dispute mit dem mäandernden Mini-Epos "You ascendant" noch einmal zum Innehalten animieren und uns in die vage Wildnis namens Leben entlassen. Denn das ist bekanntlich auch eine Kunst für sich.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Fulton Street I
  • Rhodonite and grief
  • Anxiety panorama
  • There you are (Hiding place)

Tracklist

  1. Rose quartz
  2. Fulton Street I
  3. Fulton Street II
  4. Rhodonite and grief
  5. Anxiety panorama
  6. In northern Michigan
  7. View from our bedroom window
  8. Footsteps at the pond
  9. There you are (Hiding place)
  10. You ascendant

Gesamtspielzeit: 41:32 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Armands

Postings: 1

Registriert seit 24.04.2020

2020-04-24 11:28:33 Uhr
Nach mehrfachem Durchhören leider ein eher enttäuschendes Werk einer meiner absoluten Lieblingsbands. Es klingt mir einfach vielzusehr nach Rooms of the House, was ich bereits für ein schwaches Album halte. Ich bin kein Mensch, der darauf pocht, dass eine Band statisch bleibt, aber Somewhere between the Bottom [...] ist zusammen mit Interpols Turn on the bright lights das genialste Debutalbum, was ich je von einer Band vernommen habe und genauso wie bei Interpol folgte ein Album, was den Stil konsolidierte und weiterführte, aber nicht einfach kopierte und zwar nicht an das Debutalbum qualitativ herankam, jedoch ein richtig gutes Ding war. Und genau wie Interpol sind sie mir danach einfach...abhandengekommen mit ihrem Sound. (Ich weiß, dass man La Dispute nicht mit Interpol vergleichen kann aber ich musste daran denken)

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 17646

Registriert seit 08.01.2012

2019-12-09 18:42:59 Uhr - Newsbeitrag
LA DISPUTE

Charity-Kampagne + "PANORAMA REMIXED" Album am 25.12.

Zwei Tracks ab sofort verfügbar

Tourdaten:
01.05.2020: Düsseldorf, Zakk
02.05.2020: München, Technikum
04.05.2020: Hamburg, Markthalle
05.05.2020: Hannover, Faust
06.05.2020: Karlsruhe, Substage


LA DISPUTE kündigen einen Remix ihres aktuellen Studioalbums "Panorama" für den 25.12. an. Im Rahmen des jährlich anstehenden Charity Drives gehen die Erlöse aus dem Gesamtkatalog der Band für 24 Stunden an eine gemeinnützige Organisation. Dieses Jahr wird mit The Vera Institut of Justice eine Organisation unterstützt, die sich für die Verbesserung von Justizsystemen einsetzt.

"Panorama (Remixed)" enthält Interpretationen von HETHER FORTUNE, KITTY, ZEAL AND ARDOR, PETER BRODERICK, NNAMDÏ und weiteren Künstlern.

Zwei Remixe sind ab sofort verfügbar:





Sänger Jordan Dreyer kommentiert:
"The end result is 'Panorama Remixed', 10 incredible, altogether new versions of songs from our most recent record, created by 10 phenomenally talented artists, available for pay-what-you-can download for 24-hours on the 25th of December, with ALL proceeds to benefit the Vera Institute of Justice’s work toward securing equal justice for all, bolstering communities and families, and ending mass incarceration in the United States. Deepest thanks to the artists for contributing their time and their geniuses to realizing this project for us (I do not feel guilty saying I have been only listening to these songs for some time now, they are more yours than ours), to Epitaph Records, to Will Yip and family for sending out the stems, and to you, most of all and as always, for everything. We are forever most proud of not our own work but in the work our platform has given us the opportunity to do with others and for others in the world. Love to all.“

Panorama (Remixed) Tracklisting
1. Rose Quartz (Nnamdi)
2. Fulton Street I (Hether Fortune)
3. Fulton Street II (Wreck and Reference)
4. Rhodonite and Grief (Kitty)
5. Anxiety Panorama (Cremation Lily)
6. In Northern Michigan (David Allred)
7. View from Our Bedroom Window (E.M Hudson)
8. Footsteps at the Pond (Zeal and Ardor)
9. There You Are (Hiding Place) (Majetic)
10. You Ascendant (Peter Broderick)

Darüber hinaus präsentiert das Quintett neue EU-Tourdaten, darunter fünf Konzerte in Deutschland:

Präsentiert von VISIONS, Ox-Fanzine, FUZE und livegigs.de:

01.05.2020: Düsseldorf, Zakk
02.05.2020: München, Technikum
04.05.2020: Hamburg, Markthalle
05.05.2020: Hannover, Faust
06.05.2020: Karlsruhe, Substage


netzvisage
2019-07-14 20:23:07 Uhr
finde es furchtbar langweilig. die so hochgelobten texte finde ich gar nicht mal so lyrisch, ist doch größtenteils teenage angst und emo-geheule. hervorstechen tut da nichts. vor allem das gewollte mixing killt die platte für mich. da sind ja teilweise die demohaften here,hear-sachen von der band besser. das alles ineinander greift und wie ein song klingt hilft auch nicht wirklich; es ist wie ein eierndes, nicht endendes rumgenudel.

cover-art ist okay, auch wenn es wie ne mischung aus ner tamponreklame am strand und nem neuen vlc-media player 8.0 aus der zukunft aussieht. dachte da eigentlich, dass sie etwas neues versuchen und eher in richtung electro, glitchhop, futureblabla gehen, eben was gerade angesagt is. klingt aber wie etwas festgefahrenes zwischen vega und wildlife.

auf rym gelesen, dass ein gewisser herr ratti das verzapf hat, welcher auch wait for love von den pianos abgemischt hat, welches auch völlig beschissen klingt und der großteil wohl bereits vergessen hat.

4/10
Owo
2019-07-03 12:11:12 Uhr
11 Jahre sind genug Zukunft.
Wow
2019-07-03 11:04:28 Uhr
schon erstaunlich wie die mit diesem Album abgeschmiert sind, dabei waren sie lt. Visions doch "die Zukunft des Hardcore" ...
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