Andrew Bird - My finest work yet

Andrew Bird- My finest work yet

Loma Vista / Concord / Universal
VÖ: 22.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Am besten bittersüß

Andrew, wir müssen reden. Wie kommt man darauf, sein neues Werk "My finest work yet" zu benennen? Da lauern doch schon überall die Schmutzfinken der Journaille, um ihr überlegenes "Ja, aber 'The mysterious production of eggs' war viel besser" oder "An 'Armchair apocrypha' kommt das nie heran" abzulassen. Da möchte sich der Rezensent gar nicht erst beteiligen und sagt ganz einfach: "My finest work yet" ist ein gutes, ja ein sehr gutes Album, für sich gesehen und ohne Schwanzvergleich. Andrew Bird kann, das ist nicht neu, Schwunghaftes mit Melancholie verbinden, ohne dass eines der beiden Elemente irgendwelche Kompromisse eingehen müsste. Bestes Beispiel ist der Opener "Sisyphus", der neben agilem Schlagzeug und lebendigem Gepfeife eben auch die Sucht nach dem eigenen Leid des Protagonisten abbildet.

Bittersüß ist auch die Vorabsingle "Bloodless". Bluesige Pianobar-Stimmung, die die dichten Rauchschwaden tief inhaliert, bereitet den Weg für durchaus aufgeweckte Melodien, die agil die Treppe hoch hopsen. Die gezupfte Violine ist da in einem der ruhigen Abschnitte natürlich als Markenzeichen auch wieder dabei. Die gegenwärtige politische Stimmung in seiner amerikanischen Heimat hat Bird zu einigen seiner offensivsten Stücke veranlasst, "Archipelago" hält da zum Beispiel eine Violinenmelodie von solch markerschütternder Schönheit bereit, dass man sich wundert, wie diese einfache Folge von Tönen einen solch grandiosen Effekt erzielen kann. In "Olympians" lässt Bird den Refrain mit einem universellen "Whooo" beginnen, das mag zwar nicht besonders subtil sein, versetzt aber Berge. Nicht nur in diesem Stück untersucht Bird das symbiotische Verhältnis von Feinden und Konkurrenten, die sich zwar hassen mögen, ohne einander aber auch nicht auskommen.

Ein weiteres Zeichen für klare Kante ist der rustikale Stampfbeat von "Don the struggle", welches die gezupften Geigentöne wie Pailletten auf einem Drillichanzug trägt. Wenn dann das Klavier wild losklimpert und die gute Laune Einzug hält, hat man wieder so eine Vermählung von wehmütigem "ach" und aufgewecktem "juchu". Der Multinstrumentalist Bird weiß jedoch trotz gewollter Klarheit Nuancen von Stimmungen einzusetzen, die für Vielschichtigkeit sorgen. In "Proxy war" treffen zum Beispiel Soul-Train-Bläser auf ein jazziges Setting, bis Bird das Ganze dann doch wieder in gängiges Songwriter-Terrain überführt. Und als eben jener Songwriter weiß Bird, was sich gehört, und das ist, "My finest work yet" mit einem Liebeslied abzuschließen, aber bitte recht ambivalent, wenn es geht. Neben melodischem Zuckerwerk stehen im "Bellevue Bridge Club" creepy Zeilen wie "And I will hold you hostage / Make you part of my conspiracy." Dass in dem Stück Torte manchmal eine Rasierklinge steckt, macht den Reiz dieser Lieder aus, welche auf den ersten Blick ganz handzahm wirken, denen man aber nicht den Rücken zukehren sollte. Anstatt jetzt jedoch darüber zu richten, ob Bird damit den Höhepunkt seines Schaffens erreicht hat, sollte man vielleicht einfach festhalten, dass dieses Album auf recht direkte Art das liefert, was man an dem Multiinstrumentalisten und Songwriter Andrew Bird so sehr schätzt. Nämlich diesen ganz eigenen, süßen Schmerz.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Bloodless
  • Archipelago
  • Bellevue Bridge Club

Tracklist

  1. Sisyphus
  2. Bloodless
  3. Olympians
  4. Cracking codes
  5. Fallorun
  6. Archipelago
  7. Proxy war
  8. Manifest
  9. Don the struggle
  10. Bellevue Bridge Club

Gesamtspielzeit: 45:16 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-03-14 20:10:23 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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