SDP - Die unendlichste Geschichte

SDP- Die unendlichste Geschichte

Berliner Plattenbau / Chapter One / Universal
VÖ: 01.03.2019

Unsere Bewertung: 1/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Was tun?

Was macht man nur, wenn einem wirklich rein gar nichts mehr einfällt? Wenn man eigentlich noch nie in irgendeiner Weise sonderlich kreativ war? Wenn man nicht einmal mehr lyrische Ergüsse wie "Deine Freundin, die kann Blasen / Die kann Blasen, Blasen, Blasen / An den Füßen nicht ertragen" toppen kann? Wenn man noch nie irgendetwas zu erzählen hatte, aber trotzdem ein neues Album herausbringen will? Wenn SDP auf "Die unendlichste Geschichte" irgendetwas anzubieten hat, dann sind es die Antworten auf diese Fragen. Man kann natürlich das neue Album zur Karnevalszeit herausbringen und darauf hoffen, der Vollrausch bringe das Publikum schon dazu, die billigen Selbstreferenzen aus "Übertreiba" und "Jung, dumm & pleite" zu feiern, womit gut kaschiert wäre, wie sehr SDP sich selbst an Einfallslosigkeit eigentlich unterbieten. Oder man googelt einfach mal Wortspiele und strickt in fünf Minuten um die ersten Treffer "Ja, der Gärtner beißt ins Gras / Der Koch gibt den Löffel ab / Der Optiker schließt die Augen / Der Pastor muss dran glauben / Der Sänger hört die Engel sing' / Der Gynäkologe scheidet dahin" einfach eine schlechte Rachefantasie und nennt das Resultat "Nur ein Unfall".

Und wenn die Suchmaschine sowieso schon angeschmissen ist, sucht man noch schnell Bier-Flachwitze der Marke "Die Mehrzahl von Bier ist Kasten und nicht Biere / Der Zapfhahn und der Schluckspecht sind meine Lieblingstiere" und versucht sich mit "Nur Bier" an einem Schlager ohne jeglichen Mitgröl-Faktor, den man ja noch "Die Nacht von Freitag auf Montag" bei aller Beschissenheit zugestehen musste. Und wenn man noch mehr Material braucht, weil man aus irgendwelchen Gründen "Die unendlichste Geschichte" auf 18 Songs ausdehnen will, dann müssen halt noch Deine-Mutter- sowie Chuck-Norris-Witze herhalten oder man klaut noch schnell die unheimlich witzige Zeile "Alles hat ein Ende, nur die Hand hat fünf" von Sidos "Knochen und Fleisch". Und wenn man dann wirklich nichts Witziges mehr bekommen kann, bedient man noch die letzten Früher-Außenseiter-jetzt-krasser-Typ-Klischees und haut das hohle "Unikat" raus, denn auf nichtssagenden Kitsch stehen die Massen ja.

SDP haben allerdings noch ein paar ganz eigene Asse im Ärmel. Sie können sich in steter Wiederholung, im Intro gleich zwei Mal, für den unfassbar brillanten Gag feiern lassen, die Abkürzung SDP würde nach einer Partei oder einem Sportverein klingen. Tätääää! Dazu kommt noch die SDP-typische Selbstironie, wenn sie auf "DBUBDW" oder dem erschreckend unwitzigen Bela-B-Feature "Das Lied" ganz offen sagen, ihre Musik sei ja totaler Schrott. Haben SDP sich dann gleich zu Beginn für jede Kritik unangreifbar gemacht, können sie auf diesem zugegebenermaßen widersprüchlichen Boden ungestört die unverhohlene Selbstbeweihräucherung ausbreiten, die "Die unendlichste Geschichte" eigentlich ist.

Das sollte spätestens klar sein, wenn Dag-Alexis Kopplin selbst bei einem Song aus der Sicht eines gequälten Geschöpfes "Aus dem Tierversuchslabor" das übergroße Ego nicht einmal ansatzweise weglegt, sondern auch noch dem seines Bandkollegen mit den originellen Worten "Alles Husos außer Whynee" huldigt. Dafür hat der Song allerdings immerhin jeglicher musikalischen Bankrotterklärung (die zu diesem Zeitpunkt niemanden mehr überraschen dürfte) zum Trotz die einzig wirklich gelungene Pointe des ganzen Albums zu bieten: Denn wer im Angesicht des Todes im besagten Tierversuchslabor ernsthaft seine letzten Worte auf "Why Whynee Why Whiggediwhiggediwhyneewhy / Find heraus, wer das war, doch ruf nicht die Polizei ai" verschwendet, hat schon einen Lacher verdient. Und das sei gesagt: Nach "Die unendlichste Geschichte", die sich zwar unendlich anfühlt, mit dem Geschichtenerzählen aber nichts am Hut hat, benötigt die geschundene Seele diesen Lacher wirklich dringend.

(Marcel Menne)

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Highlights

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Tracklist

  1. DBUBDW (Intro)
  2. Übertreiba
  3. Das Lied (feat. Bela B)
  4. Merkste selber, wa? (feat. 257ers)
  5. Illegale Hobbys
  6. Jung, dumm & pleite
  7. Stoppt die Tierversuche (Interlude)
  8. Gleich gleich gleich
  9. Was man hat das hat man
  10. Unikat
  11. Viva la dealer (feat. Capital Bra)
  12. Nur ein Unfall
  13. Nein! (feat. Blokkmonsta)
  14. Aus dem Tierversuchslabor (Interlude)
  15. 501 (feat. Teesy & Nico Santos)
  16. Nur Bier
  17. Ohne Dich
  18. Alles hat ein Ende

Gesamtspielzeit: 59:23 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
du sagst
2019-03-23 01:57:35 Uhr
es sei nur bier! aber wir ham das studiert! und es geht ein kleines bierchen ist kein kleines bierchen...
Die Wahrheit
2019-03-18 06:34:16 Uhr
Musik für Erstsemester.
Ich
2019-03-17 23:11:09 Uhr
bin übrigens geistig behindert
Ich
2019-03-17 22:59:56 Uhr
Einfach geil die Jungs! Ich hab jetzt schon wieder so unendlich viele Ohrwürmer😍❤
Marvin (ausgeloggt)
2019-03-15 22:31:10 Uhr
Wenn es eine 0/10 gab, dann für einen weißen Mann.
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