SWMRS - Berkeley's on fire

SWMRS- Berkeley's on fire

Fueled by Ramen / Warner
VÖ: 15.02.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Tick tick boom

Die ersten Sekunden trügen. Trap-Hihats und Claps erwecken im Intro von "Berkeley's on fire" für einen kurzen Moment den Anschein, es würde sich bei SWMRS um eine dieser Gitarrenbands handeln, die sich an populären Sounds anbiedern wollen – und das mehr schlecht als recht schaffen. Glücklicherweise negieren sie diesen Eindruck so schnell es geht mit einem post-punkigen Indie-Riff, das so auch aus den besten Tagen der Hives hätte kommen können. Denn das Zweitwerk der US-Amerikaner will zu keiner Sekunde wirklich nach 2019 klingen, im Gegenteil: Es ist sich seines eigenen Anachronismus zu jedem Zeitpunkt bewusst.

Denn obwohl die Band zu ihren Einflüssen neben The Breeders auch die Crossover-Legenden Rage Against The Machine und die HipHop-Pioniere De La Soul nennt, so klingen die zehn Songs von "Berkeley's on fire" doch nach einem eindeutigen Zugeständnis an die goldenen Jahre des schwedischen und britischen 2000er-Indierocks. Rotzige Garage-Klänge dominieren etwa "Lose lose lose", die süßliche Gitarrenmelodie von "Trashbag baby" erinnert an The Kooks und mit dem aufgekratzten Feelgood-Sound von "Too much coffee" müsste sich auch Robert Smith nicht verstecken.

Sicher ist "Berkeley's on fire" kein Jahrhundertwerk, dafür haben schon zu viele Bands vor zu langer Zeit eben den Sound, den SWMRS anscheinend gerade so sehr lieben, perfektioniert und mitentwickelt. Das Spiel mit der Sprache der Genres beherrscht das Quartett auf ihre ganz eigene Art aber nahezu perfekt: Auch "Lose lose lose" baut charmant elektronische Drums ein, die als Antithese auf den aus der Zeit gefallenen Mando-Diao-Sound des restlichen Albums wunderbar grotesk wirken.

Lupenreine Hits wie der Ohrwurm "Lose it" vom Vorgänger "Drive north" fehlen dem Album zwar, dafür fällt keiner der zehn Songs besonders negativ auf oder überschreitet die Vier-Minuten-Marke. SWMRS fangen textlich dennoch in auf den ersten Blick unauffälligen Zeilen das Lebensgefühl der Internet-Generation ein: "I go to this party with no ambition / I want to leave" fasst die sozialen Ängste gepaart mit der allgegenwärtigen fear of missing out ein, "IKEA date" überzeichnet ein modernes Rendezvous und erinnert damit fast schon an die Vielschichtigkeit Bilderbuchs und der Titeltrack handelt trotz treibendem Hives-Riff von der Überzeichnung und schwindender Authentizität der Massenmedien: "Your TV lies / We'll be allright". Willkommen in der Postmoderne.

(Julius Krämer)

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Highlights

  • Berkeley's on fire
  • Too much coffee
  • Trashbag baby
  • Hellboy

Tracklist

  1. Berkeley's on fire
  2. Too much coffee
  3. Trashbag baby
  4. Lose lose lose
  5. April in Houston
  6. Lonely ghosts
  7. IKEA date
  8. Hellboy
  9. Bad allergies
  10. Steve got robbed

Gesamtspielzeit: 33:19 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-03-07 20:34:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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