Solange - When I get home

Solange- When I get home

Saint / Columbia / Sony
VÖ: 01.03.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Houston, gibt's ein Problem?

Was tut man nach einem langen, anstrengenden Tag, wenn man nach Hause kommt? Sicher: Erst mal die Füße hochlegen, vielleicht noch vorher in die Jogginghose schlüpfen, falls man die Kontrolle über sein Leben nicht verloren hat. In diesem Sinne ist Solanges viertes Album "When I get home" ungemein sinnig betitelt mit all seiner Ruhe. Schließlich passiert hier kaum etwas unter Druck, das Tempo ist konstant gering und starre Strukturen haben in diesen meist knapp gehaltenen Songskizzen schon mal gar nichts zu suchen. Die jüngere Knowles-Schwester denkt nicht im Traum daran, irgendetwas zu erzwingen. "I saw things I imagined", heißt es gleich zigfach im Opener und textlich war es das fast bereits für dieses Stück. Das Kreisen um sich selbst, die Fokussierung einiger weniger Motive und Gedanken – mehr möchten diese Tracks nicht.

Für "When I get home" ist das "home" natürlich auch das texanische Houston, die Stadt, aus der Solange stammt. Entsprechend traditionsbewusste Jazz-Einflüsse und HiHat-getriebene, chirugisch präzise Beats spiegeln das Heimatverhältnis wider, kurze Gastauftritte von lokalen Künstlern wie Devin The Dude runden den Bezug ab. Die Produktion klingt unglaublich edel und vornehm und bewegt sich auf einer minimalistischen Linie. "A seat at the table" hatte allerdings ganz andere Ambitionen in seiner Ausdruckskraft, "When I get home" kommt im Gegenzug als Antithese zu den deutlichen Statements daher. Denn konkret, unmittelbar oder geradlinig ist hier nichts. Die Songs sind eher Mood Pieces, sie fließen ineinander, bilden einen eng gefassten Zusammenhang, ähnlich wie es kürzlich Earl Sweatshirt auf "Some rap songs" machte.

Das Problem, das "When I get home" allerdings dabei hat, ist eine zumindest stellenweise vermisste Substanz. Dann nämlich verkommt die Entspanntheit, das Treibenlassen zur Richtungs- und Antriebslosigkeit. Oft liegt alles dicht beieinander: "Binz" kickt mit den Sister-Nancy-Anleihen ordentlich, davor lässt das verwandte "Jerrod" mit der langgezogenen Vokalakrobatik jedoch nur die Schultern zucken. Playboi Cartis Genuschel passt indes gut zum schweratmigen Beat von "Almeda", mit Gucci Mane zelebriert Solange in "My skin my logo" allerdings vielmehr einen Insiderwitz. Wie eben auch "When I get home" im Gesamten häufig wirkt. Immer wieder ist da diese lyrische Reduktion auf wenige Zeilen: Was klar als Missionsbestandteil seinen Sinn hat, kann in mancher Stimmungslage durchaus nerven. Besonders der angesprochene Opener beginnt die Platte in dieser Hinsicht eher als Tiefpunkt statt als Anheizer und auch "Way to the show" bremst mit endlosen Wiederholungen den Flow von "Down with the clique" aus.

Ist man allerdings einmal in der Stimmung für formlosen, jazzigen R'n'B, entfaltet "When I get home" unbestreitbar seine Reize. Der sanfte, wellenförmige Albumfluss ist wie eine kleine, wohltuende Schläfenmassage, die repetitiven Elemente funktionieren als Hypnose. Eigentlich toll. Doch zu anderen Zeitpunkten vermisst man eben die Energie und die Zweckgerichtetheit, die diese talentierte Frau auf ihren bisherigen Veröffentlichungen immer so charmant verpackt hatte. Dann sieht man anstatt bewusster Reduktion viele, viele Lücken, welche sich zwischen den inspirierten Momenten auftun. Wie ein funkelnder Edelstein steht "When I get home" im Raum. Hübsch anzusehen, wertvoll, geschliffene Oberfläche. Und zu jeder Zeit geschmackvoll. Man fragt sich jedoch, was man genau damit anfangen soll – außer vielleicht das Füßehochlegen zu beschallen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Almeda (feat. Playboi Carti)
  • Binz
  • Sound of rain

Tracklist

  1. Things I imagined
  2. S McGregor (Interlude)
  3. Down with the clique
  4. Way to the show
  5. Can I hold the mic (Interlude)
  6. Stay flo
  7. Dreams
  8. Nothing without intention (Interlude)
  9. Almeda (feat. Playboi Carti)
  10. Time (is) (feat. Sampha)
  11. My skin my logo (feat. Gucci Mane)
  12. We deal with the freak'n (Intermission)
  13. Jerrod
  14. Binz
  15. Beltway
  16. Exit Scott (Interlude)
  17. Sound of rain
  18. Not screwed! (Interlude) (feat. Standing On The Corner)
  19. I'm a witness

Gesamtspielzeit: 39:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Nun
2019-03-12 08:15:16 Uhr
lasst ihr ihn damit ungestraft davon kommen?!

Mister X

Postings: 2459

Registriert seit 30.10.2013

2019-03-12 00:08:43 Uhr
Solange das Album gut ist *fueßehoch*
Eric Nörtzler
2019-03-11 12:11:51 Uhr
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kkk
2019-03-11 12:11:13 Uhr
Ich kenne Solange mindestens solange wie du!

MopedTobias

Postings: 11844

Registriert seit 10.09.2013

2019-03-11 10:29:49 Uhr
Wie viele Songs von Solange kennst du?
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