Sigrid - Sucker punch

Sigrid- Sucker punch

Vertigo / Universal
VÖ: 08.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kopf hoch, tanzen

Schon seit geraumer Zeit gilt die junge Norwegerin Sigrid Solbakk Raabe als große musikalische Hoffnung der nervösen Pop-Welt. Geduld musste man indes mitbringen: Nach und nach veröffentlichte die Sängerin Singles, doch mit der Veröffentlichung des lange erwarteten Debütalbums sollte es ein paar Jahre dauern. Gut Ding will Weile haben? Tja, so schaut's aus. Jetzt jedenfalls darf man zu Sigrids agilem Pop lachen, weinen oder tanzen, "Sucker punch" steht schließlich in den Startlöchern und macht deutlich mehr richtig als falsch. Einen kleinen Wermutstropfen gab es vorab dennoch: Nicht alle großartigen, im Vorfeld veröffentlichten Songs haben es auf die Platte geschafft, was insbesondere bei "Plot twist" und "High five" extrem schade ist. Shots fired!

Folglich möchte man Sigrid und "Sucker punch" fast schon Verschwendungssucht vorwerfen. Es kommen nämlich nicht alle auf dem Album versammelten Nummern an die Qualität der aussortierten Stücke heran, möglicherweise wäre also noch mehr drin gewesen. Nichtsdestotrotz ballert die Nordeuropäerin dem Hörer die Hooks um die Ohren, dass ebenjenem Sehen und, erm ja, Hören vergeht. Da wäre natürlich die unkaputtbare und dank eines Mobilfunkanbieters auch in Funk und Fernsehen omnipräsente Hit-Single "Strangers", ein in forschen Elektropop gegossenes Knallbonbon von einem Song. Oder der fulminante Opener und Titeltrack, der auf dicken Beats durch die Gegend bounct. Sigrid verbindet in diesen Momenten eingängige Melodien mit hochexplosiven Arrangements und beweist, dass manchmal mehr auch wirklich mehr ist.

Doch es gibt auch die ruhigen, die melancholischen Nummern auf "Sucker punch": Während durch das tapfer vorwärts stampfende "Mine right now" eine gewisse Nachdenklichkeit pulsiert, gefallen sich einige andere Stücke ganz offensichtlich in ihrer Rolle als Ballade. "Dynamite" beispielsweise baut auf eine einsame, tränenziehende Pianomelodie, Sigrid zeigt sich von ihrer zarten, verletzlichen Seite. Und auch dies glückt ihr. Klar, nicht jede Komposition weiß derart zu überzeugen, doch die Grenze zum generischen Pop-Material überschreitet Sigrid nicht. Catchy sind indes alle hier versammelten Tracks.

Im flotten "Don't feel like crying" trocknet Sigrid ihre bislang vergossenen Tränchen, optimistischer Dancepop unterstützt sie bei diesem Vorhaben. Im Habitus erinnert all dies an eine juvenile Version von Robyn, im Zweifelsfall wird die Melancholie, werden also emotionale Zermürbungen einfach auf der Tanzfläche abgeschüttelt. "Don't kill my vibe" schlägt in eine ähnliche Kerbe, das Leitmotiv des Albums findet sich auch hier wieder. Um es mit Grönemeyer zu sagen: "Kopf hoch, tanzen". Mit "Sucker punch" gelingt Sigrid letztlich ein bemerkenswertes Debüt, eine bunte, dynamische, aber keineswegs schrille Platte. Eine Einladung, auch an grauen Tagen nach dem Sonnenschein Ausschau zu halten.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Sucker punch
  • Strangers
  • Don't feel like crying
  • Don't kill my vibe

Tracklist

  1. Sucker punch
  2. Mine right now
  3. Basic
  4. Strangers
  5. Don't feel like crying
  6. Level up
  7. Sight of you
  8. In vain
  9. Don't kill my vibe
  10. Business dinners
  11. Never mine
  12. Dynamite

Gesamtspielzeit: 40:22 min.

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User Beitrag

Mic

Postings: 289

Registriert seit 24.08.2019

2020-08-07 23:43:54 Uhr
Ich muss dir da deutlich widersprechen. Sigrid hat ohne Ende Perlen. Zudem schreibt das Mädel ihre Songs am Klavier am selber. Focus ist ein so wunderschönes Lied. High Five ebenfalls. Strangers ist für mich kein Chartscheiß. DU merkst in jeder Zeile, dass da Herzblut drin steckt.

MopedTobias

Postings: 15865

Registriert seit 10.09.2013

2020-07-11 00:35:09 Uhr
"Sight of you" ist richtig, richtig gut. Sonst ordentliche Ansätze, aber für den großen Pop-Wurf reicht es noch nicht. Sowas wie "Strangers" ist übelster Charts-Schmonz, das lief bei mir immer im Fitnessstudio, als ich noch hingegangen bin und nicht wie ein fauler... äh also Lorde find ich künstlerisch spannender, wollte ich sagen.

Mic

Postings: 289

Registriert seit 24.08.2019

2020-07-10 23:22:14 Uhr
Und sie hat im Gegensatz zu den ganzen Tussis eine tolle Seele und kann singen, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Und sie hat unfassbare tolle Songs. Focus ist so toll.

Mic

Postings: 289

Registriert seit 24.08.2019

2020-06-27 23:02:37 Uhr
Ich mag Sigrid unfassbar gern. Ihre Stimme ist so unfassbar und die Songs wachsen und wachsen. Ich finde sie hundertmal spannender als der ganze gehypte a la Lorde.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18646

Registriert seit 08.01.2012

2019-06-27 18:36:58 Uhr - Newsbeitrag

Sigrid – „Mine Right Now”








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