Foals - Everything not saved will be lost – Part 1

Foals- Everything not saved will be lost – Part 1

Warner
VÖ: 08.03.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gefühlte Tiefseetaucher

Die Kolorierung ist der entscheidende Punkt. Im Hintergrund lungert ein verwitterter, aber vornehmer Altbau in Monochrom-Optik, davor wiegen sich Palmen und Büsche in kontrastierendem Pink. Ein massives Fundament hinter einer neuen Leichtigkeit: Foals' fünfte LP "Everything not saved will be lost – Part 1" fährt nicht nur erneut ein superbes Covermotiv auf, sondern drückt darin auch sinnbildlich die Marschrichtung der zehn Stücke aus. War der Vorgänger "What went down" mit seiner ausladenden Bleischwere noch zeitweise erdrückend oder gar überrollend, ist der erste Teil eines zeitversetzt erscheinenden Doppelalbums leichtfüßig, tanzbar, verspielt. Zumindest im Foals-Kontext, versteht sich.

Denn keinesfalls entfernt sich die durch den Weggang von Bassist Walter Gervers zum Quartett geschrumpfte Truppe von ihrem Kernsound. Auch über "Everything not saved will be lost – Part 1" hängt eine psychedelische Wolke, die Melodien nehmen selten die offensichtlichste Abfahrt, Songs ziehen trotz sechssaitiger Breitseiten anfangs beinahe unbemerkt vorbei. Zackige Auf-den-Punkt-Kommer, wie "Hummer" oder "Cassius" aus dem Jahr 2008, sind nach wie vor rar – durchaus nah dran sind allerdings das klar auf die Tanzfläche schielende "In degrees" und besonders die Single "On the luna" mit ihrem Achtziger-Pop-Keyboard. Wie beiläufig intensiviert sich dort in diesen knapp gehaltenen drei Minuten der Druck hinter der Fassade, bis das Stück quasi gegen die Wand läuft. Ein Spiel, das Foals hier perfektionieren und damit ihre Reifung unterstreichen.

Was an "Everything not saved will be lost – Part 1" hauptsächlich fasziniert, sind weniger die starken Einzelsongs, auch wenn es die mit dem flotten, wuchtigen und fürs zukünftige Live-Erlebnis prädestinierten "White onions" oder dem von zäh zu zornig metamophisierenden "Syrups" zur Genüge gibt. Beeindruckend ist zuvorderst jedoch, wie stimmig das Ganze wirkt, wie die Zahnräder ineinander greifen und ein felsenfest geschlossenes Werk bieten. Welches mit träumerischen Gitarrenläufen den Geschmack der Sommersonne auf die Zunge ruft, nur um sich wenig später standesgemäß an den UV-Strahlen einen Stich zu holen. Es folgt immer genau der richtige Moment auf den vorigen.

Die neue Wandlungsfähigkeit, die so seit dem seligen "Total life forever" nicht mehr spürbar war, manifestiert sich vor allem im zweigeteilten "Sunday". "Cities burn, we don't give a damn / 'Cause we got all our friends right here", singt Yannis Philippakis zur schönsten Melodie. Kurz bevor der Song eigentlich in eine Soundwand abdriften will, haut die Band einen feisten Disco-Groove raus und verpasst dem Track gewissermaßen seinen eigenen Remix. Der stetige Beat und das Jonglieren mit Vocal-Fetzen erinnert zeitweise sogar an Dance-Koryphäen wie Underworld und sind beim ersten Hören eine handfeste Überraschung.

Und als ob nichts gewesen wäre, wischt der klavierdominierte Closer "I'm done with the world (& it's done with me)" die Platte sauber. "All I wanna do is get out of the rain / An autumn day" – die Synthies werden lauter und kapern den Song und wahrscheinlich wird man bezüglich des Ausgangs im angesprochenen Herbst schlauer sein, wenn Teil zwei dieses Doppelwerks das Tageslicht erblickt. Für den Moment zählt nichts mehr, als dass "Everything not saved will be lost – Part 1" ein fulminantes Album ist, das im Augenblick lebt. Nicht für die Indie-Hitparade, nicht für die Konzert-Hüpfer, sondern für die Tiefseetaucher in der Gefühlswelt. Zwischen schlagfertigen Wendungen, gekonnt dosierter Härte und pinken Palmen: Da legst di nieder.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • White onions
  • Syrups
  • Sunday
  • I'm done with the world (& it's done with me)

Tracklist

  1. Moonlight
  2. Exits
  3. White onions
  4. In degrees
  5. Syrups
  6. On the luna
  7. Cafe d'Athens
  8. Surf, pt. 1
  9. Sunday
  10. I'm done with the world (& it's done with me)

Gesamtspielzeit: 39:04 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Meier
2019-03-12 07:51:14 Uhr
Und?

Das heißt gar nichts ich meine die lame Holy Fire bekam damals fast ne 8.

Mister X

Postings: 2351

Registriert seit 30.10.2013

2019-03-12 00:07:50 Uhr
Wie kann man im PT Forum unterwegs sein und LCD Soundsystem nicht kennen ? xD

Als wuerde ein arbeitsloser Harzer Formel 1 Fan fragen wer Schumi ist

maxlivno

Postings: 1003

Registriert seit 25.05.2017

2019-03-12 00:00:53 Uhr
Sound of Silver ist großartig. Unbedingt nachholen die Band nörtz! Aber genug offtopic
LSD Soundsystem
2019-03-11 19:47:32 Uhr
kann er doch ruhig aussparen.. ist doch allein sein pech...

MopedTobias

Postings: 11227

Registriert seit 10.09.2013

2019-03-11 19:28:07 Uhr
Nein, LCD Soundsystem solltest du keineswegs aussparen, nörtz. Grandiose Band. Besser als Foals, auch auf der TLF (:
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