Helado Negro - This is how you smile

Helado Negro- This is how you smile

Rvng / Cargo
VÖ: 08.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Vorgesummt

Roberto Carlos Lange ist im Frieden unterwegs, dieses Mal. Stand sein letztes Album "Private energy" noch unter dem Zeichen eines Aufstandes, unter anderem gegen willkürliche Polizeigewalt, findet sein neues Werk als Helado Negro, "This is how you smile", seine Kraft in der Intimität enger Beziehungen. Freunde, Partnerin, Verwandte, sie sind dem in New York Ansässigen auf dieser Platte ganz nah, ebenso das Idyll längst vergangener Zeiten. In "Seen my aura" geht Lange mit nackten Füßen über verbrannten Asphalt auf den Straßen seiner Kindheit. Es locken süße Küsse und ein Bad im gemeinschaftlichen Pool seines Viertels in Florida. Serviert wird dies in entspanntem HipHop-Groove, eine Funk-Gitarre präsentiert ein paar sonnenmüde Licks und alles ist in bester Ordnung. Oftmals ist der stimmliche Vortrag Langes ein Säuseln, ein Singsang, der ganz zärtlich um Einlass bittet, mit wenig Nachdruck aber umso liebenswerter.

Ein guter Teil der Songs wird in spanischer Sprache vorgetragen, dies wirkt gleich noch mal so entspannt. Die an dezenter Schattigkeit laborierende Orgel in "Fantas" wird sanft bei der Hand genommen, ein schluffiger Schlagzeugshuffle lädt sich ein paar Samples und Scratches auf, läuft aber nie Gefahr, in hektische Getriebenheit zu verfallen. So etwas summt man morgens auf der Terrasse zu sich selbst, wenn man verträumt der aufgehenden Sonne zusieht. Auch das mit rustikaler Akustikgitarre grob gestreichelte "Pais nublado" schunkelt sich durch die blaue Stunde. Wehmut steckt in diesen Stücken – aber auch nostalgisch eingefärbte Hoffnung. Die Songs halten in ihrer Zärtlichkeit manchmal fast an, nur noch die honiggetränkte Stimme Langes und vielleicht schüchtern pochende Percussion bleiben auf dem Tableau, so dass man ganz bei sich selber ist. Wut aber auch Euphorie sind für diese Songs zu kräftige Gefühle, und wenn sich aus den stimmlichen Aufwärmübungen zu Beginn von "Running" ein grundzufriedener, luftig ausholender Swing herausschält, wirkt dieses "You got me running, running, running" dennoch wie eine Lektion in Sich-Liebhaben in Zeitlupe.

Mal klimpert das Klavier selbstvergessen, mal wird eine Gitarre wie nebenbei gezupft, oftmals schmeichelt sich Lange in einen folkig abgemilderten Soul hinein, so in "Two lucky"; immer jedoch wundert man sich, wie Melodien und Refrains mit so wenig Nachdruck im musikalischen Gedächtnis problemlos haften bleiben. Es kann sein, dass diese gutmütige Musik durch Pfeifen und Summen in die Welt hinausgetragen wird, als Botschaft der Freundlichkeit und Nächstenliebe. Und dies zeichnet sich eigentlich schon direkt zu Beginn ab, wenn Lange in "Please won't please" eben nicht kämpferisch die Gleichberechtigung aller Ethnien einfordert, sondern einfach nur die Schönheit einer braun glänzenden Haut zärtlich beschreibt. In solchen Momenten leuchtet "This is how you smile" von innen, ganz unspektakulär tritt dieses Album für Umarmungen, Oma-Besuche und generell Nächstenliebe ein und jeder der hinhört, hat verstanden.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Fantas
  • Running
  • Seen my aura

Tracklist

  1. Please won't please
  2. Imagining what to do
  3. Echo for Camperdown curio
  4. Fantas
  5. Pais nublado
  6. Running
  7. Seen my aura
  8. Sabana de luz
  9. November 7
  10. Todo lo me que falta
  11. Two lucky
  12. My name is for my friends

Gesamtspielzeit: 40:46 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

smrr

Postings: 47

Registriert seit 02.09.2019

2019-11-05 10:28:14 Uhr
Die 5/10 in den Lesercharts sind wirklich ein trauriger Abblick ...

Vielleicht liegt es daran, dass das Werk wirklich sehr unaufdringlich daherkommt und man ihm schon etwas Aufmerksamkeit widmen muss. Klingt übrigens auf LP auch ganz wunderbar und schafft es bei mir auch sicherlich in die Jahrescharts.

"Pais Nublado" und der Opener auch meine Favoriten.

Unangemeldeter

Postings: 295

Registriert seit 15.06.2014

2019-11-04 12:18:56 Uhr
Dieses Album kriegt mir hier bedeutend zu wenig Liebe ab - für mich in diesem großartigen Musikjahr ein strahlendes Highlight, homogen, voller schöner, ruhiger Songs ohne Ausfall oder auch nur Lowlight mit recht einzigartiger Atmosphäre, die mich bis jetzt auch in jeder Jahreszeit gefangen genommen hat.
Wer das Album bislang verpasst hat: Anspieltipp ist der für mich klare Übertrack Pais Nublado.

tjsifi

Postings: 456

Registriert seit 22.09.2015

2019-03-13 14:56:17 Uhr
@Mister X: ROFL, true dat!
Nettes Album. Hatte beim hören von "Running" ein Deja Vu irgendwo hba ich das schon mal gehört...(Film/Serie?)

Mister X

Postings: 3299

Registriert seit 30.10.2013

2019-03-12 21:00:41 Uhr
Der Typ hoert sich mehr nach Damon Albarn an, als Damon Albarn selbst.

Armin

Plattentests.de-Chef

Postings: 18603

Registriert seit 08.01.2012

2019-02-28 20:24:29 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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