Moloko - Things to make and do

Moloko- Things to make and do

Roadrunner
VÖ: 10.04.2000

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Plüsch, Pop und Perfidität

Als ein wenig neben der Schnur stehend wurde diese Band schon immer empfunden. Mit allem zwischen TripHop und P-Funk hat man schon versucht, sie zu kategorisieren, doch Moloko bauen weiter an der eigenen Schublade. Diesmal wird die Schrauberei geradewegs in die Charts führen, auch wenn man dies den "Things to make and do" beim ersten Hören nicht unbedingt abnehmen möchte. Doch was anfangs ähnlich wirr zusammengestrickt wirkt wie der Stoffpuppenstoßtrupp auf dem Cover, erscheint mit jedem Hören stimmiger. Hier pluckert zusammen, was zusammengehört.

Mit "Fun for me" vom legendären "Do you like my tight sweater?"-Album und "Sing it back" von "I am not a doctor" hatten sie schon mindestens zwei relevante Hits, aber hier reiben sich mindestens sieben singleträchtige Tracks unterschiedlichster Art aneinander. Während der Opener "Pure pleasure seeker" mit einem hypnotischen Saxophonlauf beginnt, der fast an Morphine erinnert, überkommen uns Moloko in "Somebody somewhere" wie die seligen Talking Heads. "The spirit is free" singen sie hier und genau das macht die Essenz dieser grandiosen Platte aus. Alles geht. Nichts ist unmöglich. (Automobilhersteller wegen Schleichwerbung zensiert)

Selten ist die Tanzfläche distinguierter beschallt worden. Während man dem Erstling noch die Nähe zu Portishead vorwarf, die sich eigentlich lediglich in gelegentlich gemeinsamen Gesangsmanierismen manifestierte, und das zweite Album als zu schwierig galt, ist hier trotzdem nicht der goldene Mittelweg der richtige. Wer eingleisig fährt, fährt bekanntlich in die falsche Richtung. Moloko lassen gleich mehrere Züge auf mehreren Gleisen auf die Ohren der Zuhörerschaft los. Das perfide an dieser Strategie ist, daß die samtweich gepolsterten Songs ihre Widerhaken erst im Gehör entfalten und sich nicht mehr abschütteln lassen. "The time is now", die erste Single, geht sofort ins Ohr, ins Blut und in die Beine. Spanisch angehauchte Gitarren treffen auf Streicherarrangements, wie sie von Jamiroquai stammen könnten. Der sanft stampfende Beat verhindert nicht, daß der Song eine gerade im Dancefloorbereich selten angetroffene Tiefe entwickelt. Wenn dies kein Hit wird, leben wir in einer schlechten Welt.

Plätschern tut hier nichts. Roisín Murphys ungemein wandlungsfähige Stimme zeigt eine schier unglaubliche Präsenz im Klanguniversum Molokos. Der Einfallsreichtum Mark Brydons im Einsatz von wirren Piepsern und Quietschern, die stets ein Markenzeichen der Band waren, wird jetzt durch das Auftreten von Paul Slowley (Schlagzeug) und Eddie Stevens (Keyboards) unterstützt, was der Platte eine ungekannte Persönlichkeit gibt. Die Elektronik ist damit natürlich nicht passé, sondern bildet mit den neu entdeckten Möglichkeiten organischer Instrumente eine perfekte Synthese, die niemals künstlich oder gar gekünstelt wirkt. Moloko klingen nie verkopft, immer ehrlich und stets tanzbar, wenn auch auf eine meist ungewöhnliche Weise. In dieser Form haben sie die Zukunft zum Gefährten. Wie gesagt, "the time is now."

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Pure pleasure seeker
  • Absent minded friends
  • The time is now

Tracklist

  1. Radio Moscow
  2. Pure pleasure seeker
  3. Absent minded friends
  4. Indigo
  5. Being is bewildering
  6. Remain the same
  7. A drop in the ocean
  8. Dumb inc.
  9. The time is now
  10. Mother
  11. It's your problem
  12. It's nothing
  13. Bingo massacre
  14. Somebody somewhere
  15. Just you and me dancing
  16. If you have a cross to bear you may as well use it as a crutch
  17. Keep stepping
  18. Sing it back (Boris musical mix)

Gesamtspielzeit: 68:19 min.

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