E.B. The Younger - To each his own

E.B. The Younger- To each his own

Bella Union / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 08.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bitte nicht vergessen

Vielleicht ist dieser Posten schlicht verflucht. Oder man fühlt sich als Sprachrohr einer sechsköpfigen Truppe hauptsächlich versierter Musikstudenten als Songwriter doch zu eingeschränkt. Jedenfalls tut es Eric Brandon Pulido nun seinem Vorgänger Tim Smith nach. Smith, bis 2012 Frontmann der texanischen Folk-Rocker Midlake, stieg recht plötzlich, während der Aufnahmen zum dritten Album "Antiphon" aus, woraufhin Pulido, bis dato nur Gitarrist, die Rolle des Sängers übernahm. Seit die Band 2013 "Antiphon" veröffentlichte und die anschließende Tour absolvierte, pausiert sie, was Pulido eine kreative Probierphase ermöglichte. Das Ergebnis war eine kurzlebige Supergroup namens BNQT mit dem Album "Volume 1", nun folgt, unter dem Namen E.B. The Younger, das Solo-Debüt. Ob das Auswirkungen auf Midlake hat, bleibt abzuwarten.

Hörbar gut gelaunt komponiert Pulido sich 50 Minuten vielseitigen Folk-Rock zusammen, der sich genug von der musikalischen Vergangenheit emanzipiert, seine Verwandtheit mit Midlake gleichzeitig aber nicht verleugnet. Mit dem gleichen Retro-Charme wie etwa Dr. Dog oder auch My Morning Jacket beschwört der Songwriter Folk-Rock- und Pop-Größen der Sechziger und Siebziger, etwa The Band oder The Grateful Dead, und verschnürt die Reminiszenzen mit einem frischem Indie-Rock-Touch. Diese Musik versprüht den Esprit einer Band von Hobby-Musikern, die ihre alten Helden covern und hauptsächlich für den eigenen Spaß auftreten. Der wiederholten, titelgebenden Bitte im Highlight-Track "Don't forget me" mag man da ganz freigiebig erwidern: keine Sorge, Eric, Du bleibst im Ohr. Nach einem Piano-Intro, das auch einem Elton-John-Song entstammen könnte, wird das Stück zu beatlesquem Pop, der schließlich in an Neil Young erinnernden Folk-Rock mündet.

Ähnlich viele Einflüsse finden auch in "When the time comes" zusammen. Roy Orbison und Tom Petty treffen hier auf eine Klaviermelodie, die auch ABBA hätten komponieren können. "CLP" bringt dann noch südamerikanische Rhythmen und Gitarren-Motive in die Melange ein. Die häufig langen Laufzeiten merkt man den kurzweiligen, abwechslungsreichen Songs kaum an. "Out of the woods" steht anfangs mit beiden Beinen fest im psychedelischen Bereich des Folk-Rock, bricht dann in der Mitte in einen Part, der auch auf einem The-Raconteurs-Album zu finden sein könnte und plätschert dann wieder psychedelischer aus. Das Schlagzeug ist sehr präsent und treibt die Songs angenehm voran, während Pulido die restlichen Instrumente gekonnt um die Rhythmus-Fraktion drapiert und sich als Gitarrist immer wieder launige Soli erlaubt.

"Oh, when we set out, it was only a matter of time / For the wheels to come off and get left behind", singt Pulido in "A matter of time" und beschäftigt sich, wie so oft auf dem Album, mit Veränderungen. Er scheint den Lauf der Dinge akzeptiert zu haben und möchte seine neuen Erkenntnisse gerne mit der Welt teilen. In "To each his own" verkündet er: "I've been about all alone / I've never felt so good before." Das kann man ihm beim Hören dieser starken Debüt-Platte gerne glauben.

(Simon Conrads)

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Highlights

  • Don't forget me
  • CLP
  • A matter of time

Tracklist

  1. Used to be
  2. When the time comes
  3. CLP
  4. Down and out
  5. Don't forget me
  6. Out of the woods
  7. Monterey
  8. Hope arrives
  9. On an island
  10. A matter of time
  11. To each his own

Gesamtspielzeit: 48:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
El Nilo
2019-04-26 18:17:04 Uhr
Schöne und treffende Rezension. Relaxter 70er Westcoast-Sound gemischt mit Folk, Indie und einem Hauch Country. Insgesamt stimmiger als die (auch nicht schlechte) BNQT LP und im Vergleich mit dem Two Medicine Album extrem eingängig. Wird wohl noch so manchen Sommerabend begleiten, well done Mr. Pulido!

Armin

Postings: 15426

Registriert seit 08.01.2012

2019-02-28 20:22:08 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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