Finn Andrews - One piece at a time

Finn Andrews- One piece at a time

Nettwerk / Warner
VÖ: 15.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein leerer Raum in Neuseeland

Da ist dieses Buch, ein Liederbuch, und jeden Tag schreibt Finn Andrews, Frontmann der Indieband The Veils, seine Ideen hinein. Das geht über Jahre so mit diesen Skizzen und Entwürfen, die irgendwie nicht zu seiner Hauptband passen wollen. Irgendwann drängte sich der Buchinhalt dermaßen auf, dass in einem Solo-Album der einzige Weg bestand, diesen potentiellen Songs Herr zu werden. Passend dazu machte Andrews sein Lebensraum London inzwischen nur noch krank und eine Beziehung ging auch gerade in die Brüche. Zurück auf Anfang, zurück in die alte Heimat Neuseeland. Dort wartete ein Raum mit einigen Mitmusikern und vor allem ein Klavier. Dies sind die einfachen Zutaten, die aus einer Menge Songentwürfen das Album "One piece at a time" machen. Also dimmen wir jetzt das Licht, Spot auf das Klavier und Andrews, es kann losgehen...

Es ist eher ein Hauchen aus Andrews Kehle statt ein voll ausgearbeiteter Gesang, der "Love, what can I do" über träge Pianoklänge trägt, ein in Zeitlupe wiegender Tanz, der die Welt um den Neuseeländer herum ausblendet. Gleichzeitig beiläufig und besinnlich, ergänzt durch Streicher und einen festlichen Takt, bleibt dieses Stück in seiner ganzen Glorie doch scheinbar in den Gedanken zweier Menschen eingeschlossen. Man ahnt es bereits, das erste Solo-Werk von Andrews ist ein ganz klassisches Singer-Songwriter-Ding, nicht nur was die Instrumentierung betrifft. Das dezent schwungvollere "Stairs to the roof" hat die Anmutung eines von seinen Dämonen befreiten Nick Cave, das Klavier hat hier genug Muskelkraft, um mit gleichmäßigem Spiel den Song zu führen, der Background wird von weiblichen Chören durchwirkt und alles macht einen unheimlich gefassten und ausformulierten Eindruck.

Der gemächliche Swing von "The spirit in the flame" stellt seine Traurigkeit mit Stolz aus, der einfache Drum-Beat, erneut akzentuiert durch einen feinen Chor aus dem Hintergrund, bildet ein weiches Bett für die mal jauchzenden, mal herrschaftlich ausholenden Streicher, die genauso vertraut daherkommen wie die balladesken Bruce-Springsteen-Anleihen in "A shot through the heart (then down in flames)". Die Reduktion auf wenige Klangelemente und das durchgängig klassische Songmaterial lassen wenige Gründe für Diskussionen aufkommen, hier bringt jemand etwas gebündelt auf den Punkt, das er jahrelang lose gesammelt hat. Nur so entsteht ein solch gedankenschwerer Klavierspaziergang durch den Spätherbst namens "Al Pacino, rise and fall" oder diese mit jeder Menge Leidensdruck angereicherte Leere von "Hollywood forever." Das große Faustpfand dieser Stücke ist deren berührende Melodik, ergänzt durch kleine Details, wie vorsichtig den Raum betretende Bläser. Mit dem Titelsong erreicht Andrews dann sogar kurz vor Ende so etwas wie sakrale Spiritualität, steht mit Klavier und Gospelchor allein in der Dunkelheit, atmet diesen Song ein und aus und findet damit einen Punkt der absoluten Ausgeglichenheit. Eine undankbare Aufgabe für den, der danach wieder das Licht anmachen muss.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Love, what can I do
  • A shot through the heart (then down in flames)
  • One piece at a time

Tracklist

  1. Love, what can I do
  2. Stairs to the roof
  3. The spirit in the flame
  4. One by the venom
  5. A shot through the heart (then down in flames)
  6. What strange things lovers do
  7. Al Pacino, rise and fall
  8. Hollywood forever
  9. One piece at a time
  10. Don't close your eyes

Gesamtspielzeit: 33:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Editor
2019-04-01 12:13:09 Uhr
Meinungen würden mich auch interessieren.
Fand The Veils durchgehend klasse.

Armin

Postings: 15426

Registriert seit 08.01.2012

2019-02-28 20:20:26 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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