Weezer - Weezer (Black album)

Weezer- Weezer (Black album)

Crush / Atlantic / Warner
VÖ: 01.03.2019

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Farbenleere

Kleine Geste, große Wirkung: Warum werden die Erwartungen automatisch höher geschürt, sobald Weezer eines ihrer selbstbetitelten, farbigen Alben ankündigen? Nun, jedes hat seine ganz eigene Bedeutung innerhalb der Gesamtwerks. Blau war der erste Klassiker, Grün damals die Freude darüber, überhaupt noch ein Weezer-Album zu bekommen, Rot die verquere, aber lindernde Medizin nach "Make believe" und Weiß gemeinsam mit "Everything will be alright in the end" das späte Karrierehoch. Als die Ankündigung eines schwarzen Albums die Runde machte, verzückte das. Und Mensch, schwarz! Das bedeutet doch: Düsternis! Introspektion! Vielleicht wieder einen Seeelenstriptease à la "Pinkerton"? Sich Antizipation zu beugen, war bekanntlich noch nie Rivers Cuomos Ding. Selbst wenn wir den dummen petrolfarbenen, nicht ernstzunehmenden In-Joke mal beiseite lassen: 2019 ist das Jahr, in dem Weezer das Denkmal ihrer Farbenlehre abmontieren. Dabei ist das "Black album" bei weitem keine Katastrophe. Vielmehr ist es bemerkenswert, wie unspektakulär die Musik hinter dem wirklich gelungenen Artwork ist.

Denn wer den eigentlichen Vorgänger "Pacific daydream" gehört hat, weiß schon ziemlich genau, was in den zehn Songs lauert – vorhersehbare Melodien, ein künstlich-verpoppter Sound und immer wieder wie zur Eigenberuhigung eingestreute Gitarren. Die ersten drei Songs lassen indes noch glauben, dass Weezer es wieder geschafft haben, ein weiteres Meisterstück innerhalb der Palette zu komponieren. "Can't knock the hustle" ist eine feiste, mit Funk und Latin-Einflüssen um sich werfende Gaudi, während Cuomo das gleiche mit Four- und Five-Letter-Words tut. Ist der "Hasta luego, adios"-Refrain einmal im Kopf, will er da erst mal nicht so schnell raus. "Bye, bye, you zombie bastards", begrüßt der folgende Song, doch trotz der blutigen Thematik bleibt das Stück ein hübscher, abgeklärter Poprock-Ausflug. Er mündet in das tolle "High as a kite", das sich als melodischer Gewinner entpuppt und am Ende noch Zeit für ein ausgiebiges Sechssaiten-Gegniedel findet. "Don't you think I know what I'm worth? / Why I gotta come down to Earth?"

Als ob diese Zeilen programmatisch wären, nimmt das "Black album" danach eine steile Abfahrt nach unten in Richtung Belanglosigkeit. "I'm just being honest" versucht sich an leidlich witzigen Geschichten über unangebrachte Ehrlichkeit und nervt mit einem uninteressanten Düdel-Chorus. Die schmierige Akustikgitarre oder die pappige Percussion – bei "Living in L.A." weiß man gar nicht, was ekliger im Ohr klebt. Und der gute Prince Roger Nelson würde bei der ihm gewidmeten Hommage "The prince who wanted everything" wohl mindestens ein ähnlich entsetztes Gesicht machen wie vor vielen Jahrzehnten Andy Warhol beim nach ihm benannten Tribut von David Bowie. "Once upon the time there was a prince / He tried to save the world with funk rock riffs / Look at him now / On cobblestones." Nicht ernst gemeinte Hommage? Kein Problem an sich, aber bitte nicht auf dem Niveau eines Grundschülers bei der dritten Lektion Englisch. Auch "Byzantine" ist mit dem billigem Drumbeat weniger der Sonnenuntergang, der es sein will, sondern nur die abblätternde Fototapete davon.

Wenn Weezer bei "Piece of cake" nach Twenty One Pilots und beim durchaus schmissigen "Too many thoughts in my head" nach Tame Impala klingen, kann man ihnen zugute halten, dass sie sich im aktuellen Zeitgeist auskennen und ihn nahtlos in ihren Sound integriert haben. Ob das auf Dauer gut tut? Vielmehr straucheln Weezer auf dem "Black album" beim Versuch, neben ihrem Image als Geek-Band auch musikalisch ein klares Profil zu formen. Zwischen all den Tralala-Melodien und dem "Doo-doo-doo"-Geflöte fehlt es zu häufig an dauerhafter Substanz, welche lediglich am Albumanfang durch den Spaß an der Sache aufgewogen wird. Der Closer "California snow" – offenbar als Gegenpart zu "California kids" vom "White album" gedacht – ist da stellvertretend. Rap wird mit EDM-Synthteppich und der Akustischen zusammengematscht, und am Ende klingt's wie Imagine Dragons: zeitgemäß, eingängig, aber leer. Wir könnten jetzt etwas von "schwarzsehen" schreiben und wären damit ungefähr beim lyrischen Niveau von Weezer. Stattdessen üben wir uns in Dankbarkeit für die paar Highlights, die das "Black album" bietet, und gehen achselzuckend über zur Tagesordnung.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Can't knock the hustle
  • High as a kite

Tracklist

  1. Can't knock the hustle
  2. Zombie bastards
  3. High as a kite
  4. Living in L.A.
  5. Piece of cake
  6. I'm just being honest
  7. Too many thoughts in my head
  8. The prince who wanted everything
  9. Byzantine
  10. California snow

Gesamtspielzeit: 37:36 min.

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The MACHINA of God

Postings: 13542

Registriert seit 07.06.2013

2019-03-01 19:02:27 Uhr
So, erster Durchgang.
Weezer @ Fortnite
2019-03-01 16:16:03 Uhr
Weezer hat jetzt eine eigene Insel in Fortnite - US-Rockband feiert Album-Premiere im Spiel

https://www.gamestar.de/artikel/fortnite-weezer-insel-album,3341235.html

Croefield

Postings: 1077

Registriert seit 13.01.2014

2019-03-01 15:34:24 Uhr
Hör's gerade zum ersten Mal und bin bis jetzt eher positiv überrascht...
fakeboy
2019-03-01 09:35:43 Uhr
"High as a kite" ist wirklich hübsch. Könnte ein richtig schöner Song sein, wenn er etwas dezenter produziert wäre und der Zwischenteil weniger dramatisch ausgefallen wäre.

Affengitarre

Postings: 4167

Registriert seit 23.07.2014

2019-02-24 18:52:33 Uhr
Ich finde auch, dass die so viel positive Energie mitbringen, was den meisten Bands die hier stattfinden ja oft abhanden geht. Schöne, leichte Musik einfach.
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