Pond - Tasmania

Pond- Tasmania

Marathon / Soulfood
VÖ: 01.03.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Hymnen aus Plastik

Gar nicht so leicht auseinanderzuklamusern, wo die Band Pond aufhört und wo die Band Tame Impala anfängt. Ganz leicht zu Beginn: Tame Impalas Frontmann Kevin Parker war einmal Drummer bei Pond, ist für jene aber immer noch als Produzent tätig. Etwas verwickelter wird es, wenn man bedenkt, dass Ponds Nick Albrook und Jay Watson zur festen Live-Besetzung Tame Impalas gehören. Wenn jetzt das neue Pond-Album "Tasmania" vorliegt, hat man also auch ein bisschen Tame Impala dabei, zumal beide Bands stilistisch nicht weit auseinanderliegen. Die Vorliebe für oberflächlich funkelnde Synthiesounds haben sie schon einmal gemein, bei Pond kommt jedoch kontrastierend noch ein pathetischer Gestus hinzu, der an die Rockgrößen der Siebziger gemahnt. Da kann der synthetisch erzeugte Klangnebel zu Beginn von "Daisy" nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im hinteren Teil des Stücks reichlich dramtisch zugeht. Auch die poppigen MGMT-Drums enden letztendlich auf dem Badezimmerboden, wo sich das titelgebende Mädchen desillusioniert wiederfindet: "Daisy doesn't have a babe no more."

Am besten funktioniert dieses Album, wenn Frontmann Allbrook in ein heiseres Flehen hineinstolpert und mit theatralischer Stimme sein Leiden oder das der anderen umsetzt. "The boys are killing me" lustwandelt mit einem lasziven R'n'B-Groove durch neonbeleuchtete Stadtstraßen, nur um in einem Refrain zu landen, der mit leicht ironischem Augenzwinkern voluminöse Synthieschwurbel aus dem bedeckten Himmel lockt, auch die später einsetzenden, poppigen Drums machen das Drama lediglich tanzbar. Der Titelsong gibt sich zunächst als entspannte Schlafzimmerkuschelei, wird dann aber zu einer Leidenshymne mit übergroßem, staatstragenden Refrain. Der berührt erstaunlicherweise nicht unangenehm, sondern animiert stattdessen zum emotionalen Fäustereck-Wettbewerb. In solchen Momenten sind bei dieser Synthie-bewehrten Band große Pathosliebhaber wie Queen im Geiste nicht weit.

Die Kombination aus oberflächenaffiner Plastikeleganz und ins Tragische spielender Refrainopulenz kauen Pond aber glücklicherweise nicht bis zur Erschöpfung durch. Ein Song wie "Goodnight P.C.C." gleitet gehörig vernebelt durch dramenfreie Astralräume, spürt den elektronisch erzeugten Klängen nach und wird so zu einem schwerelosen Stillleben. "Burnt out star" fügt auf charmante Weise einen warmen Gitarrensound in die Schwelgerei ein und gönnt sich einen interstellaren Chor, der einen schönen Gegenwert zum kratzigen Pathos in Alllbrooks Stimme darstellt. Auch das gespannte Hineinhorchen in die mit Feedbacks und vom Techno bekannten Wirbel angrereicherte Leere in "Shame" wird zu einem außerkörperlichen Erlebnis, welches sich von gängiger Strophe-Refrain-Dramaturgie zunächst abwendet, bis die mit splittrigem Falsett ausgestattete Hook das Ruder an sich reißt. So ist "Tasmania" eine federleichte Rockoper geworden, die die schwergewichtige Theatralik in luftige Kleider packt. Diese Platte schwebt oft am Hörer entlang, umspielt ihn mit distanziertem Flitterwerk, packt dann aber immer wieder mit sanftem Druck zu – als wären existentielle Ängste kurzerhand entkernt worden.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Daisy
  • The boys are killing me
  • Burnt out star

Tracklist

  1. Daisy
  2. Sixteen days
  3. Tasmania
  4. The boys are killing me
  5. Hand mouth dancer
  6. Goodnight P.C.C.
  7. Burnt out star
  8. Selené
  9. Shame
  10. Doctor's in

Gesamtspielzeit: 48:05 min.

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Armin

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2019-02-21 20:15:45 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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