HEALTH - Vol. 4 :: Slaves of fear

HEALTH- Vol. 4 :: Slaves of fear

Loma Vista / Caroline / Universal
VÖ: 08.02.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Technik, die verzweifelt

Ist an HEALTH etwa eine Heavy-Metal-Band verlorengegangen? Man nehme zum Beispiel ihr drittes Album "Death magic", addiere drei Buchstaben – und was haben wir dann? Na bitte. Doch Frontmann Jake Duzsik, der dem Titel von Anfang an skeptisch gegenüberstand, schüttelt nur den Kopf und gibt zu Protokoll, idealerweise solle man auf den Platten seiner Band Gitarren und Elektronik nicht mehr auseinanderhalten können. Ein Vorhaben, dem die Kalifornier mit dem Technicolor-Lärm ihres 2015er-Longplayers schon ziemlich nahe kamen. Auch die One-off-Tracks mit dem Synthwave-Franzosen Perturbator und den Harsh-EBM-Landsleuten Youth Code wirkten wahlweise wie Skrillex, der in allen Farben nackten Entsetzens schillernde saure Drops von der Großraumdisco-Decke regnen lässt, oder aber wie ein mit knapp 30 Jahren Verspätung in die Tat umgesetzter Ministry-Albtraum. Und wer hätte ernsthaft daran gezweifelt, dass auch "Vol. 4 :: Slaves of fear" die Subtilität einer "Stonefist" besitzt?

Auch ohne den nach "Death magic" ausgestiegenen Gitarristen Jupiter Keyes mögen HEALTH ihren Noise-Rock nämlich möglichst plattwalzend und ins Atonale lappend. Und eröffnet das Trio "Vol. 4 :: Slaves of fear" mit tonlosem akustischem Geschrummel, kommt das dicke Ende in Form vernichtender Distorto-Attacken und potenzierten Schlagzeug-Gerüttels bestimmt. Diesmal schon nach zwei Minuten "Psychonaut", ehe der von Synthie-Blitzen durchzogene Brecher "Feel nothing" erstmals die gleichen schwer atmenden Riffs schaben lässt, die später in "Black static" und beim verzögert aufdrehenden Titelstück wiederkehren. Stücke, in denen HEALTH mitunter kaum von handelsüblichem Industrial Metal zu unterscheiden sind – würde der betont harmonische Klargesang nicht so umso bedrohlicher über der krachledernen Szenerie schweben und Duzsik nicht bedrückte Zeilen wie "We didn't choose to be born" oder "Why do we waste our years / When there's nothing to fight about" von sich geben. Dystopie schadet nie.

Trotzdem sind HEALTH auch weiterhin keine Band, bei der es ausschließlich auf die Zwölf gibt: Unter die durchdrehenden Beats und den überrissenen Elektro-Crunch von "Loss deluxe" schmuggelt sich immer wieder eine fein gesponnene Synthie-Melodie, während die Single "Strange days" zwischen gediegenem "Tears"-Midtempo und rabiatem Drum-Stakkato deliriert. Schock und Gegenschock im stählernen Wechselbad der düster umwölkten Gefühle – Technik, die verzweifelt. Und der zuweilen die Puste ausgeht, wenn das zunächst formidabel nach vorne gehende "The message" recht unmotiviert vorzeitig vor die Wand fährt oder sich "Wrong bag" als einziges und zudem recht unentschlossenes Instrumental arg verloren vorkommt. Eine Skizzenhaftigkeit, die "Vol. 4 :: Slaves of fear" manchmal zu zerreißen droht, aber eins sicher nicht ist: Heavy Metal, wie das ätherisch flirrende "Decimation" zum Schluss noch einmal deutlich macht. HEALTH bleiben unbequem – auch wenn der Hörer hier nicht immer schlau aus ihnen wird.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Feel nothing
  • Loss deluxe
  • Strange days (1999)

Tracklist

  1. Psychonaut
  2. Feel nothing
  3. God botherer
  4. Black static
  5. Loss deluxe
  6. NC-17
  7. The message
  8. Rat wars
  9. Strange days (1999)
  10. Wrong bag
  11. Slaves of fear
  12. Decimation

Gesamtspielzeit: 38:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
_
2019-02-22 08:58:09 Uhr
Nach dem grandiosen Death Magic nun das für mich beste HEALTH Album!

Armin

Postings: 15492

Registriert seit 08.01.2012

2019-02-21 20:12:59 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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