The Jeevas - 1, 2, 3, 4

The Jeevas- 1, 2, 3, 4

Cowboy / Setanta / EFA
VÖ: 23.05.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Neu-Orient-ierung

Patschouliparfüm und Räucherstäubchen können von nun an getrost in den tieferen Schubladen deutscher Haushalte verschwinden. George Harrison ist tot, und Kula Shaker gibt es so auch nicht mehr. Und wirklich lecker roch der schwere Duft beider Ingredienzen ja eigentlich eh nie. Die Nachfolgeband von Kula Shaker hört auf den ebenfalls nach Curry duftenden Namen The Jeevas, und wer daher dachte, daß die neue Formation frühere ostasiatische Einflüsse einfach übernimmt, der sieht sich auf "1, 2, 3, 4" schnell getäuscht. So ganz kann Crispian Mills, seines Zeichens Sänger der Jeevas, die Vergangenheit, bestehend aus tanzbaren Hymnen wie "Govinda" oder "Tattva", allerdings nicht leugnen: Der aus dem Sanskrit entlehnte Bandname bedeutet so viel wie "unendlich". Wenn sich da mal ein Herr nicht etwas zu weit aus dem Fenster lehnt. Doch der Optimismus entbehrt nicht jeder Berechtigung: Der Wechsel hin zum deutlich rock-orientierten Sound bekommt ihm und seinen Mannen schließlich gar nicht mal schlecht.

Der Opener "Virgina" ist der schnellste von zehn Songs, die sich wohlwollend an selige musikalische Vergangenheiten erinnern. Man bedient sich freudig im Kabinett der Gitarrenriffe und Baßläufe. Ein wenig The Who, ein bißchen die Kinks und immer gerne die Beatles. Dazu ab und an Songs, die auch der neuen Supergrass-Platte hervorragend zu Gesicht gestanden hätten. Die Jeevas machen viel richtig. Allerdings kapitulieren sie auch vor dem Mainstream und müssen neidvoll anerkennen, daß eigentlich nur das Zitieren schon wohlvertrauter musikalischer Stile Erfolg verspricht. Brand new, you're retro. Bei manchen Songs gelingt dies jedoch so gut, daß man fast zu applaudieren geneigt ist. In "What is it for?" etwa. Richtig schnulzig singt Herr Mills dort: "Helpless, he was helpless till the day that he was born" und etwas später dann: "If your heart's not broken, what is it for?" Die Rhythmusarbeit und dieses dezent angehauchte Gitarrenriff machen fast süchtig. Ohne Zweifel: In diesem Handwerk haben die Jeevas ihren Meister gemacht.

"1, 2, 3, 4" hat einige Höhen und manche Tiefen. "Once upon a time in America" etwa ist uninspirierte Staaten-Hommage und wirkt irgendwie aufdringlich unpassend. Auch der nachfolgende Song "Scary parents" weiß nicht zu überzeugen. Ein wenig mehr Inspiration und Tempo hätte gut getan. Und überhaupt diese ganzen hippie-esken Referenzen. Alles so schön bunt hier. Wenn schon das Patschouliparfüm und die Räucherstäbchen in den Schubladen landen, dann kann man ja mal wieder Rüschenhemd oder Wickelrock rauskramen. Und dann möglicherweise die neuen Jeevas hören. Man kann es aber auch bleiben lassen.

(Sebastian Peters)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Virginia
  • What is it for?

Tracklist

  1. Virginia
  2. Ghost (Cowboys in the movies)
  3. You got my number
  4. What is it for?
  5. Once upon a time in America
  6. Don´t say the good times are over
  7. Scary parents
  8. Teenage breakdown
  9. Silver apples
  10. Edge of the world

Gesamtspielzeit: 35:31 min.

Bestellen bei Amazon