Ariana Grande - Thank u, next

Ariana Grande- Thank u, next

Republic / Universal
VÖ: 08.02.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wie am Fließband

Ariana Grande ist einer der derzeit größten Popstars der Welt. Seit kurzem hat sie nicht nur zwei US-Nummer-Eins-Hits, sondern auch einen Grammy für "Sweetener" in der Tasche. Unverdient ist das nicht, schließlich beeindruckte die lebensbejahende Verarbeitung der Manchester-Tragödie vollumfänglich. Es war jedoch leider nicht die letzte Scheiße, die ihr im Leben widerfuhr. Während einer belächelten Beziehung samt Verlobung und späterer Trennung von Comedian Pete Davidson verstarb ihr voriger Freund Mac Miller an einer Überdosis. Grande hatte wieder etwas zu bewältigen. Die Single "Thank u, next" nahm all dies und verpackte es in einen triumphalen R'n'B-Popper, ihren bis dato größten Erfolg. "And for Pete, I'm so thankful / Wish I could say 'Thank you' to Malcolm / 'Cause he was an angel." Das gleichnamige Album – für Mainstream-Verhältnisse in Windeseile geschrieben und aufgenommen – erscheint nun nicht einmal ein halbes Jahr nach seinem Vorgänger. Und ist in vielerlei Hinsicht das Yin zum Yang.

Am Sound von "Sweetener" wurde praktisch gar nicht gedreht. Eher überrascht, dass "Thank u, next" mit drei recht zurückhaltenden Midtempostücken startet. Der Blick fürs Detail bleibt, etwa wenn in bester Beziehungsmanier auf das quengelnde, spitze "Needy" mit "NASA" die Forderung nach mehr Freiraum folgt. Doch erst "Bloodline" mit den herrlichen, mexikanisch angehauchten Bläsern traut sich musikalisch so richtig aus dem Quark. Das flotte "Bad idea" hängt derweil seinen eigenen Chopped-and-Screwed-Remix hintenan und verweist offen auf Grandes wachsenden Anteil am Songwriting: "I'm the one who wrote it / Tryna get control of it." Noch mehr plustert sich "7 rings" auf, ihr zweiter US-Charttopper innerhalb kürzester Zeit. Problematisch wurde der Song durch Plagiatsvorwürfe und Anschuldigungen kultureller Aneignung, doch auch wenn er unterm Strich nicht zu ihren besten Singles gehört, lässt sich die Launigkeit bei den einprägsamen Triplet-Refrainzeilen "I see it / I like it / I want it / I got it" nicht leugnen.

Selbstbewusstsein sprießt auf "Thank u, next" ohnehin aus jeder Pore, nicht nur weil Grande zum ersten Mal komplett ohne Features auskommt. Das Album manövriert sich mit einer bewussten Leichtigkeit durch Stile und Themen hindurch, verliert auch in schwermütigen Momenten nicht die Perspektive. Diese drehen sich vor allem um Miller, jedoch subtiler und weniger beim Namen nennend als im Titeltrack. Der Opener "Imagine" gesteht "Love how my face fits so good in your neck" und fragt den in seinen Problemen Gefangenen: "Why can't you imagine a world like that?" Schier ergreifend ist das mit Shoegaze-Elementen gläzende "Ghostin" – passenderweise bedient es sich bei Millers "2009", während die Unfähigkeit der vollständigen Verarbeitung von dessen Tod an den damaligen Freund Davidson erklärt wird. "We'll get through this / We'll get past this / I'm a girl with a lot of baggage", singt sie zu einem grandiosen Dynamikaufbau und in diesem Moment fühlt man vollkommen mit.

Zu dumm nur, dass entweder das erwähnte Selbstbewusstsein oder der knappe Zeitplan auch ein paar Schludrigkeiten mitbrachten. Denn ein reizloses "Make up" ist eben doch der Füller, den Grande auf ihren vorigen Alben noch so konsequent vermieden hatte, quasi das Äquivalent zu Grandes vollkommen missratener Tattoo-Aktion. Der Closer "Break up with your girlfriend, I'm bored" hat bestenfalls einen lustigen Titel, ist aber mehr flach als auflockernd und hätte besser dem Titeltrack den Rausschmeißer-Platz überlassen. Dafür, dass "Thank u, next" so rasant veröffentlicht wurde, kann es dem Resteverwertungs-Stempel jedoch erfolgreich ausweichen. Stattdessen fasziniert einmal mehr die Spiegelung eines ereignisreichen Lebens in Songs, die den Kopf immer nach oben recken. Danke für die Lebenslektion. Nächste, bitte.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Bloodline
  • Bad idea
  • Ghostin
  • Thank u, next

Tracklist

  1. Imagine
  2. Needy
  3. NASA
  4. Bloodline
  5. Fake smile
  6. Bad idea
  7. Make up
  8. Ghostin
  9. In my head
  10. 7 rings
  11. Thank u, next
  12. Break up with your girlfriend, I'm bored

Gesamtspielzeit: 41:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Nun
2019-02-21 10:59:33 Uhr
dann stimmt mit dir was nicht.
schlechtester Song des Albums.
das Album selbst ist ne 6/10.

molch

Postings: 57

Registriert seit 26.06.2013

2019-02-21 10:27:28 Uhr
grad 7 rings im radio gehört und fand den richtig gut.
Aber_
2019-02-15 13:16:28 Uhr
@Also_:

Leider bringt eine Beschäftigung über den Songtitel hinaus (die durchaus angestellt wurde) auch in diesem Falle bei Ariana Grande leider nichts.
"Ich-bezogen", lol
2019-02-15 12:54:10 Uhr
Wirklich ganz schlimm wenn die Mädchen auf sich selbst und nicht mehr auf die Menners hören
A.Grande
2019-02-15 10:59:46 Uhr
Bin ein hypnotisiertes Pop-Püppchen, von meinen Strippenziehern dazu auserkoren als fehlgeleitetes Vorbild mit meiner Wegwerfmusik kleine Mädchen weltweit zu egoistischen, Ich-bezogenen Konsumzombies zu erziehen.
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