Desperate Journalist - In search of the miraculous

Desperate Journalist- In search of the miraculous

Fierce Panda / Cargo
VÖ: 22.02.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Nachttragend

Es gibt keinen Grund, nicht zu tanzen. Mag das rationale Denken noch so sehr Zweifel anmelden. Dein Schwarm küsst einen anderen? Schmerzhaft, aber dreh doch alleine Deine Runden im Stroboskoplicht – und so taten wir es bei Robyns "Dancing on my own". Die Liebe vergeht? Traurig, aber tanz doch mit Tränen in den Augen und Erinnerungen im Herzen – und so folgten wir dem Rat von Ultravox zu "Dancing with tears in my eyes". Desperate Journalist greifen den Bewegungsaspekt hingegen indirekt auf, Sängerin Jo Bevan verabschiedet sich im gleichnamigen Song von "Jonatan": "With all your sadness grains of sand / More than anyone could stand." Kein Wort von Tanz, aber das Stück mit dem soft schnappenden Drumbeat von Caroline Helbert, Simon Drowners treibender Bassline und Robert Hardys infektiös-flächigem Riff gehört zum euphorischsten und poppigsten der stetig anwachsenden Diskographie des Londoner Quartetts.

Natürlich hat niemand beim Anhören der Stücke die Absicht, einem Glücksbärchi über den Bauch zu streicheln. Es sei denn, es trägt Kajal. Seit dem selbstbetitelten Debüt sind Desperate Journalist schließlich eher im Feld von Alternative, Indie-Pop und -Rock, Post-Punk sowie Gothic unterwegs und verändern die schwarz gekleideten Parameter für jeden ihrer mittlerweile zahlreichen Outputs. "In search of the miraculous" emanzipiert sich von seinen Vorgängern als das bislang wohl eigenständigste Werk der Briten. Ungeachtet der zugrundeliegenden Themen legt sich das Zauberhafte des Albumtitels wie ein sanfter Schleier über die Aufnahmen. In der leichtfüßigen Melancholie der schimmernden Vorabsingle "Cedars" trägt der Bass Bevan durch die Minuten, ehe Hardy ein herrliches Poser-Solo platziert: "All flickers out and red turns to blue / Don't ask her who she dreams of because you know it's you."

Bevan widmet sich auf dem dritten Longplayer ihrer Band unter anderem dem Schaffen des Niederländers Bas Jan Ader. Der Konzeptkünstler hielt seine Auseinandersetzung mit der Schwerkraft in Videos fest und brach vor 40 Jahren in einem winzigen Segelboot unter dem Titel "In search of the miraculous" zu einer erfolglosen, von Kunst getriebenen Atlantiküberquerung auf. Seine Leiche wurde nie gefunden, das Boot an der irischen Küste angetrieben. "Off the coast of Ireland, what's the point in borders / Scramble all the signals and disconnect the callers / Because miracles, they don't happen here." Keine Wunder an dieser Stelle. Dafür eine Jo Bevan, die sich stimmlich erneut weiterentwickelt hat, die Kopfstimme über die trocken rollenden Drums von "Black net" legt und sich im Finale von "Satellite" gegen Hardys Fuzz-Gitarre behauptet.

Hatte schon "Desperate Journalist" mit "Distance" eine Ballade angedeutet und bildete "Radiation" auf dem Vorgänger "Grow up" den introvertierten Schlusspunkt, so stellen Desperate Journalist nun mit "Argonauts" eine Piano-Miniatur in das Zentrum ihres Drittwerks. Außer einem sägenden Flirren und vage zu vernehmenden Besenschlägen gehört die emotionale Bühne Bevan ganz alleine. So zart dieser Part, so wuchtig "Murmuration". Der Opener knurrt bedrohlich und tritt mit brokatschwerem Gepäck neben dem monumentalen Intro in eine satte Portion Shoegaze: "And I will show you the dead of night." Nach dem New-Order-Bass im knackigen "Ocean wave" – inklusive Anne-Clark-like Spoken-Word-Part – und der Single "Satellite" haut "To be forgotten" wieder alles raus, wofür es diese Band zu lieben gilt: Angefangen beim Post-Punk-Rhythmus über eine Hook, die den Himmel aufzureißen scheint, bis hin zu Lyrics, die dem Himmel ein paar Wolken vor den Panoramablick kleben. "The joy to be forgotten." Dazu ließe sich übrigens tanzen.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Murmuration
  • Jonatan
  • Argonauts
  • To be forgotten

Tracklist

  1. Murmuration
  2. Cedars
  3. Jonatan
  4. International waters
  5. Argonauts
  6. Black net
  7. Ocean wave
  8. Girl of the houses
  9. Satellite
  10. To be forgotten

Gesamtspielzeit: 44:01 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
orestes
2019-02-27 16:53:33 Uhr
schwächer als die zwei vorigen, so vom ersten eindruck
Oliver
2019-02-24 08:04:19 Uhr
Wer rief mich?
Kurdt
2019-02-23 23:23:08 Uhr
Dolles Ding
Chef vom Dienst
2019-02-15 20:09:01 Uhr
Bandname = Armins Berufsbezeichnung

Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-02-14 21:23:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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