Methyl Ethel - Triage

Methyl Ethel- Triage

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 15.02.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Olli Schulz, übernehmen Sie!

Kollegin Depner hat es auf den Punkt gebracht: "Everything is forgotten", das zweite Album von Perths Superstars in Lauerstellung Methyl Ethel, war im Ansatz vielversprechend aber auch etwas orientierungslos in seinem Jauchzen und Klagen. Doch Frontmann Jake Webb und seine Gefährten haben ihre Hausaufgaben gemacht, geschraubt, verfeinert und poliert. Recht eindeutig sind die Songs der neuen Platte "Triage" geraten, doch besitzen sie dieses gewisse Raffinement, welches gängiges Chartsfutter von großer Popmusik trennt. Beispiele gefällig? Da wäre der Glamrock-affine Stomper "Ruiner" gleich zu Beginn, der melodisch weichgezeichnete Hintergrundchöre mit flirrenden Synthies und einem Gesangsvortrag in der Nachbarschaft zu neonbeleuchteten Souldiven verknotet und dabei die emotionale Nahbarkeit in den Fokus stellt. Oder dieser Basslauf von "Scream whole": Olli Schulz hätte guten Grund, "verhaftet wegen sexy" zu skandieren, während seine Mittänzer den lasziven Groove und die frühlingshaften Keyboardklänge in gekonnt elegante Dance-Moves übersetzen.

Bewegen kann man sich zu diesen Songs eigentlich immer, "All the elements" empfielt in der Auseinandersetzung mit der Schwerkraft aber eher ein ruhiges Schunkeln, während Webb selbstbewusst seine theatralische Seite hervorkehrt. Der sonntägliche Frühstücks-Shuffle von "Trip the mains" geht erneut in einen Gesang über, der als Motivation für arbeitsmüde Morgenmuffel im Lokalradio eine gute Figur abgeben würde, erweitert in einen Refrain, der wieder das pastellfarbene Drama betont. Bei solchen Stücken fällt auf, dass Methyl Ethel zwar völlig pointiert zu Werke gehen aber auch überraschende Einsprengsel bereithalten. Dass man sich in "Post-blue" beispielsweise den balladesken Auswüchsen von Muse annähert, ohne dass der Pathos für peinliches Wegducken sorgt, ist schon bemerkenswert.

Weniger spektakulär ist die zweite Albumhälfte geraten. "Real tight" weiß zwar als wavige Slackernummer zu gefallen, bleibt aber bewusst etwas blass und unengagiert. Hier wollen Methyl Ethel eine Coolness etablieren, die auf hochdramatische Melodieeinlagen verzichtet, so auch bei "Hip horror". Dessen Klavier wird scheinbar vom Phantom der Oper mit eiskalten Händen bedient, während der funky Disco-Groove für einen distanzierten Tanzspaß mit Goth-Anstrich sorgt. Methyl Ethel ziehen hier nicht mehr alle Register, auch "What about the 37°?" macht es sich eher im Garten gemütlich, statt die Popwelt zu erobern. Und so geht es im abschließenden "No fighting" um den psychedelischen Fluss, auf dem der Gesang und die Synthiefiguren frei treiben, statt dass noch mal der große Refrain bemüht wird. Methyl Ethel haben somit ein ausgewogenes, rundes Popalbum geschaffen, das mit großen Momenten nicht geizt, aber auch atmosphärisch in die Tiefe geht. Dies schafft man übrigens nur, wenn man genau weiß, was man will, also, voll orientiert, die Jungs.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Ruiner
  • Scream whole
  • Hip horror

Tracklist

  1. Ruiner
  2. Scream whole
  3. All the elements
  4. Trip the mains
  5. Post-blue
  6. Real tight
  7. Hip horror
  8. What about the 37°?
  9. No fighting

Gesamtspielzeit: 37:09 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-02-07 20:24:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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