Elder Island - The omnitone collection

Elder Island- The omnitone collection

The Orchard
VÖ: 08.02.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Niemandsland

Wenn es einem um das große Spektakel geht, wendet man sich besser nicht an Elder Island aus Großbritannien und ihr Debütalbum "The omnitone collection". Das Trio um Keyboarderin und Sängerin Katy Sargent hat zwar ein Händchen für eindringliche, geschmeidige Gesangsparts, nur werden diese durch eine nebelige, verwaschene Stimmung in eine distinguierte Form übersetzt. Damit orientiert man sich am Bristol der Neunziger aber auch an weichgezeichneten Acts wie Everything But The Girl. Wenn das eröffnende "Stranger exchange" zwar inmitten von pastellfarbenen Synthieflächen eine gewisse emotionale Dringlichkeit entwickelt, fallen Sargent und ihre zwei Mitstreiter nie aus der strengen Disziplin. Dadurch entsteht, anders als bei einem wilden Punk-Song, der Eindruck einer stromlinienförmigen Künstlichkeit, die trotz zwischenzeitlichem Aufruhr immer eine angenehme Distanz wahrt.

"You and I" gönnt sich eine Lisa-Stansfield-Gedächtnis-Hook, bleibt mit lässig tuckernder Percussion gutmütig in der Spur, entwickelt aber ein ganz eigenes, runtergekühltes Spannungsfeld. Die Stimme von Sargent ist dabei immer eigen, lässt aber auch Assoziationen zu Granden wie Adele, so in der Strophe von "Kape fear", oder wie in "Wasteland" zu Roisin Murphy zu. Dass ein schlanker und knackiger Beat wahre Wunder wirken kann, zeigt letztgenannter Song obendrein, wobei die flächigen, meditativen Gesangsparts an dessen Ende auch im Bereich des niedrigen Blutdrucks zu punkten wissen. Davon gibt es im folgenden "Fortunate" noch eine Extraportion, wobei man nicht genau weiß, ob das nun entrückt oder niedergeschlagen ist. Denn diese Platte ist eher melancholisch eingefärbt, irrt durch das zwischenmenschliche Grenzgebiet, kommt dabei nie wirklich beim anderen an. "You been causing much pollution / By reaching the hand that's cold", was zu der Feststellung führt: "It's not that you don't lose."

Dennoch kann man dieser Platte eine gewisse Lebendigkeit nicht absprechen. "Fold you" erhält zwar nur mühsam durch den unterschwellig arbeitenden Drum Computer etwas Farbe auf den Wangen, an mehr als einer Stelle sorgt Sargent jedoch durch einen fast stakkatohaften Gesangsstil für eine dynamische Dringlichkeit. Dies sind dann bewusst gesetzte Kontraste zu einer sedierten Coolness, die niemals an den Rand eines Kontrollverlustes führt. Auch das mit Hotelbar-Piano ausgestattete Einsprengsel "Vulture" säuselt sich in eine rotweingeschwängerte Ruhe, die von kellertiefen Streichern im folgenden "JPP" in eine anschwellende Bedrohung überführt wird. Hier sind die Synthies kalt und bestehen scheinbar nur aus Oberfläche, doch der zielsicher taktende Beat löst das Ganze in einer zurückhaltenden Pop-Grandessa auf. "The omnitone collection" ist damit ein Album, welches die Gefühle für alle sichtbar eher simuliert, als dass es diese intensiv auslebt. Durch die Makellosigkeit in der Ausführung ist es jedoch sehr verlockend, sich diesem Kunstobjekt immer wieder von verschiedenen Richtungen zu nähern.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • Stranger exchange
  • Wasteland
  • Fold you

Tracklist

  1. Stranger exchange
  2. You and I
  3. Kape fear
  4. Wasteland
  5. Fortunate
  6. Don't lose
  7. Fold you
  8. Vulture
  9. JPP
  10. Find greatness in the small

Gesamtspielzeit: 37:24 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2019-02-07 20:22:35 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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