Bent - The everlasting blink

Bent- The everlasting blink

Ministry Of Sound / Universal
VÖ: 26.05.2003

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Hirnsuppe

Mit hektischem Blick und wirrem Haar hastet er den langen, weißen Flur entlang. Immer wieder dreht er sich um, ab und zu spuckt er den Kern einer grünen Olive in weitem Bogen auf den glänzenden Fußboden. Warum kommt es ihm vor, als könne er mehr sehen und hören als alle anderen? Warum hatte er sich vor ein paar Minuten so gefreut, als er die zwölf 1000-Teile-Puzzle miteinander vermischt hatte? Und warum trägt er dieses Glas mit den eingelegten Zwiebeln unter dem Arm? Nur eines ist sicher: Sie hätten ihm die CD lieber nicht in seinen Discman legen sollen.

Wer sich nur ein einziges Mal dem Klangkosmos von "The everlastung blink" des britischen Duos Bent ausgesetzt hat, kennt dieses an Irrsinn grenzende Gefühl, das die unzähligen Soundeindrücke hinterlassen haben. Wer Bent im Regal ohne Gewissensbisse unter "Chillout und Lounge" einsortiert, hat den soften Nebel nur noch nicht durchquert, der den Weg in die unendlichen Klangwelten säumt. Schon mit ihrem Debüt "Programmed to love" haben die Briten Simon Mills und Nial Tolliday bewiesen, daß sie mehr können als herkömmliche Fahrstuhlmusik. Doch während ihr erstes Album noch in einzelne Stücke zerfiel, wirkt die neue Scheibe wie aus einem Guß. Phantastische Soundexperimente sind bei "The everlasting blink" mit den einzelnen Songs und ihren eingängigen Melodien regelrecht verwoben.

Wahnwitzige Ideen haben Bent allemal: In dem einem Song wird Mozart verwurstelt, in dem anderen Nana Mouskouri. Verrückte Kombinationen entdeckt man aber auch schon innerhalb eines einzigen Titels: Beim Instrumental "Moonbeams" treffen beispielsweise Kastagnetten-Klänge auf Hawaii-Gitarren, und es entsteht ein stimmungsvolles Gute-Laune-Lied. Unschlagbares Highlight ist jedoch "So long without you": Samples und die Stimme der Gastsängerin Katty Heath werden zu einem klassischen, zeitlosen Sommersong zusammengebastelt, der einen immer wieder mitwippen läßt.

Doch nicht alle Titel kommen über den Status elektronischer Spielereien hinaus. Hin und wieder ist es zuviel des Guten: Country und 80er-Synthesizer, Gitarre und Disco-Vocals auf einmal können auch anstrengen. Völlig durchgeknallt ist schließlich der Hidden-Track: Ein hustender, schniefender Typ telefoniert wie wild mit analogen Telefonen, und im Hintergrund spielt eine immer schneller werdende Hammond-Orgel. Wer das durchsteht, braucht keine Angst vor den Männern in weißen Kitteln zu haben.

(Steffen Krautzig)

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Highlights

  • Beautiful otherness
  • So long without you
  • The everlasting blink

Tracklist

  1. King wisp
  2. An ordinary day
  3. Strictly bongo
  4. Beautiful otherness
  5. Moonbeams
  6. So long without you
  7. Exercise 3
  8. Stay the same
  9. Magic love
  10. The everlasting blink
  11. Thick ear

Gesamtspielzeit: 71:13 min.

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