The Sensory Illusions - The Sensory Illusions

The Sensory Illusions- The Sensory Illusions

Karaoke Kalk / Indigo
VÖ: 18.01.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

YouTuba

Auf manche musikalischen Kombinationen muss man erst mal kommen. Als der schottische Multiinstrumentalist Bill Wells abseits seiner in Oktett- oder Triobesetzung eingespielten Jazzarbeiten eine kompetente Partnerin für ein gitarrenorientiertes Album suchte, wusste er anfangs wohl selber nicht, dass er sich am Ende den Raum mit einer Tuba teilen würde. Obwohl Wells schon immer eine besondere Vorliebe für dieses Instrument hegte: Auf seinen früheren Werken findet man das gemütliche Blasinstrument immer mal wieder, jedoch eher in der Form einer dezenten Ergänzung. Doch was will man machen, wenn man auf jemanden wie Danielle Price trifft, die jene Tuba nicht nur beherrscht, sondern mit ihr die unterschiedlichsten Stimmungen herbeizaubert? Und so wird das Zusammenspiel dieser Instrumente nicht nur zu einem ungewöhnlichen Erlebnis per se, sondern transportiert in reduzierter Form auch jede Menge unterschiedlicher Emotionen. Als The Sensory Illusions decken Wells und Price auf ihrem kurzen selbstbetitelten Debütalbum nämlich weite Felder ab.

Wer kommt denn schon darauf, eine Dudelsackmelodie mit besagten Instrumenten an einem Sonntagnachmittag in eine gemütliche Kneipe im Herzen von Derbyshire zu verfrachten, wobei der marschmäßige Anklang ans Militär eher in einen gemütlichen Karneval übergeht? Oder ein wenig Tango? Klar, Wells' Gitarre greift das gerne mit präziser Griffarbeit auf, doch wenn die Tuba sich mit kurzen Luftstößen in dieses Setting einfindet, sind verdutzte Blicke garantiert. Dies sind jedoch eher Fingerübungen zum Auftakt, die ein wenig verblüffen sollen, denn im weiteren Verlauf finden Wells und Price in ihrem Zusammenspiel eine sich ergänzende Ausgewogenheit, die zu einem rührenden Klangbild führt.

Der schläfrige Swing von "In the middle of the night" führt die behäbige Gemütlichkeit von Prices Instrument mit einer blinkernden Chromatik in Wells jazzigem Spiel zusammen, "The last guitar lesson" fängt mit ganz tiefen Tönen der Tuba, die sich flächig in die Weite ausbreiten, die Stimmung einer Beerdigung im Morgengrauen ein, während Wells mit den Saiten für kristalline Helligkeit sorgt. Ein reichhaltiges Duett, bei dem man sich wundert, dass nur zwei Instrumente für solche Opulenz sorgen. In dieser Zweierbesetzung machen The Sensory Illusions bei "Hurricane Andrew Peters out" auch noch das Fass mit dem schmierigen Rock auf, bedrohlich rasselt die Gitarre, die Tuba stößt düstere Gewitterformationen aus, bis das ganze in zeterndem Freak-Jazz versandet. Dann jedoch wieder dieses ungekünstelte Sentiment: "An August ballad" trägt eine Melodie vor sich her, in die man hineinweinen will, ganz entfernt denkt man an "A whiter shade of pale" und lässt sich trösten, bevor Tuba und Gitarre in ihrem zauberhaften Duett wieder die Tränen hervorlocken. Man muss schon angestrengt suchen, um in Wells früherem Schaffen einen solchen Moment der emotionalen Makellosigkeit zu finden, und dass es dazu nur diese spartanische Minimalbesetzung in obendrein ungewöhnlicher Paarung braucht, verblüfft ganz gehörig.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • The last guitar lesson
  • Hurricane Andrew Peters out
  • An August ballad

Tracklist

  1. Bagpipe dream
  2. Tango dream
  3. In the middle of the night
  4. The last guitar lesson
  5. Our man Flint
  6. Brass alley dream ( for Daniel Padden)
  7. Hurricane Andrew Peters out
  8. An August ballad

Gesamtspielzeit: 29:18 min.

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Armin

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2019-01-24 21:22:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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