Oomph! - Ritual

Oomph!- Ritual

Napalm / Universal
VÖ: 18.01.2019

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ufff!

Oomph! ist eine dieser Bands, die wohl kaum jemand auf dem Schirm hat. Die regelmäßig erscheinenden Alben der Wolfsburger haben somit den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. So auch dieses Mal. Dass überhaupt irgendein Label den Output des Trios auf den Markt wirft, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass Oomph! eine erwähnenswerte Zahl an Fans hinter sich versammeln – auch wenn vermutlich die wenigsten Leser dieses Textes schonmal einem oder einer begegnet sind. Davon zeugt, dass das 2004 erschienene "Wahrheit oder Pflicht" letztes Jahr mit Platin ausgezeichnet wurde. Hat zwar etwas gedauert, heißt aber, dass mit einer gewissen Regelmäßigkeit das erste Fach unter dem Buchstaben "O" in den Elektromärkten der Republik leergekauft wird. Musik ist immer auch Geschmackssache, und wer mit der Musik von Dero, Flux und Crap bisher glücklich wurde, wird auch mit "Ritual" seine obskuren Lüste befriedigen können, aber mal im Ernst: Wäre "Ritual" das Debüt einer gänzlich unbekannten Newcomer-Band, hätten die allermeisten Labelchefs die Platte in den Papierkorb geworfen, ohne auch nur mit der Zigarre im Mundwinkel zu zucken. Aller guten Vorsätze der Mülltrennung zum Trotz.

Warum? Weil wohl die Allerwenigsten einen Rammstein-Klon brauchen. Bevor jetzt Hysterie losbricht: Jaja, Oomph! gibt es schon viel länger, ja, Oomph! haben mit ihrem Sound Rammstein überhaupt erst den Weg geebnet und ja, ob Rammstein wirklich besser sind, ist eine reine Glaubensfrage. Fakt hingegen ist aber, dass Rammstein dieses Jahr das Olympiastadion in Berlin mit knapp 75.000 Fans füllen werden, während Oomph! noch einige der cirka 1.500 Tickets für ihr bald anstehendes Berlin-Konzert unter der Matratze liegen haben dürften. Ob das fair ist, steht auf einem anderen Blatt. Nichtsdestotrotz ist der Markt, in dem sich beide Bands bewegen, von Rammstein so gut wie komplett ausgefüllt. Vom Kuchen bleiben nur ein paar Krümel übrig. Trotzdem schlagen Oomph! mit "Ritual" noch intensiver als zuletzt in die ausgelutschte NDH-Kerbe, statt auch nur annähernd zu versuchen, sich diesen fiesen Vergleichen zu entziehen. Traurig genug, dass eine Band nach über 20 Jahren immer noch keine Gelegenheit auslässt, ihren Einfluss auf einen weitaus erfolgreicheren Act in Promotexten zu erwähnen, aber noch trauriger ist es, dass Oomph! es nicht schaffen, sich kreativ abzugrenzen und dem ewigen Vergleich endlich die Grundlage zu rauben. Ist das Sturheit oder eine handfeste kreative Bankrotterklärung? "Ritual" vereint jedenfalls beides.

Und das geht dann so: 08/15-Knüppelriffs, die trotz aller Gewalt nach Metal-Parodie klingen, gepaart mit haarsträubenden Texten, die selbst dem Wendler zu blöd wären. Kostprobe? "Du und ich / Ich und du / Du bist taub / Ich hör nicht zu / Ich und Du / Du und ich / Du hasst mich / Ich lieb' Dich nicht" heißt es etwa in "Kein Liebeslied". Die lyrische Blüte auf Ritual findet sich jedoch in "TRRR-FCKN-HTLR": "Massenmord, Gruppensex, Rassenwahn, S und M, Diktatur, Untertan, Religion, Impotenz, Extremist, Deutscher Gruß, Untergang, Double fist / Sodomie, Sündenbock, Perversion, Syphilis, Hakenkreuz, Hurensohn / Päderast, Genozid im KZ / Bombenbau im Internet / Terror Ficken Hitler (x12 (!!!))". Geht’s noch!? Ist der Text unter Zuhilfenahme von Autocorrect entstanden? Und wenn ja, welche Gespräche wurden auf dem Smartphone geführt, das solche Wortkombinationen ausspuckt? Toll, dass der Bemusterung neben dem eigentlichen Machwerk auch ein Statement von Dero himself beliegt, welcher auf einer ganzen DIN-A4-Seite erklärt, wie "TRRR-FCKN-HTLR" eigentlich zu verstehen ist. Zitat: "Dieser Song spielt bewusst mit verbaler Provokation, setzt diese aber, im Gegensatz zu vielen anderen Musikern, nicht zum reinen Selbstzweck ein, sondern möchte mit ihr sprachliche und soziale Defizite innerhalb der Gesellschaft aufzeigen und bewusst die Frage nach den "Grenzen des guten Geschmacks" stellen. Touché! Die Frage nach den Grenzen des guten Geschmacks geistert seit dem ersten Durchlauf von "Ritual" auch dem Rezensenten unaufhörlich durch den Kopf.

(Christopher Padraig ó Murchadha)

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Highlights

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Tracklist

  1. Tausend Mann und ein Befehl
  2. Achtung! Achtung!
  3. Kein Liebeslied
  4. Trümmerkinder
  5. Europa (feat. Chris Harms)
  6. Im Namen des Vaters
  7. Das Schweigen der Lämmer
  8. TRRR-FCKN-HTLR
  9. Phoenix aus der Asche
  10. Lass' die Beute frei
  11. Seine Seele

Gesamtspielzeit: 44:26 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
MyWilhelmScream
2019-04-08 17:42:09 Uhr
Goi nicht Gol...
MyWilhelmScream
2019-04-08 17:39:58 Uhr
Ein Blick auf die FB-Seite von Oomph!-Sänger Dero Gol lohnt sich aktuell. Der Typ macht sich und - damit halt letztlich auch seine Band - völlig indiskutabel. Meinungsfreiheit gibt es nicht, die Systemmedien unterstützen das unterdrückende System, mehr Vaterlandsliebe und weniger Scham für die deutsche Vergangenheit, Grüne vergehen sich an Kindern... das komplette braune Vollpfostenprogramm...
Ironie ist
2019-01-31 08:36:39 Uhr
wenn der Rezensent selbst Musik macht, die eine ähnlich hohe Qualität aufweist...
Surfing Bombay
2019-01-30 22:24:34 Uhr
Check mal uns ab! Machen geile 90er Rockmucke!
Nachtgreif
2019-01-30 22:10:30 Uhr
Wieder mal ein völlig substanzloses Review, welches nicht ansatzweise auf die Musik eingeht und würdigt, was die Band erschaffen hat. Der Rezensent hat die CD nur oberflächlich gehört.....aber Hauptsache mal wieder eine Band verrissen!
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