Black To Comm - Seven horses for seven kings

Black To Comm- Seven horses for seven kings

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 25.01.2019

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

I'm not okay (I promise)

Liebe X,

muss man sich wieder Sorgen machen? Wie groß war die Erleichterung Deiner Bekannten, als sie Dich im Park antrafen, wie Du fröhlich Songs von Haim und Chvrches summend Deinen Hund Gassi führtest, endlich hört sie normale, gesunde Musik! Doch dann, letzte Woche diese Einladung: Kommt unbedingt alle vorbei, ich muss Euch was vorspielen. Und so saß man dann in Deiner Wohnung leidlich gespannt zusammen und wartete, was Du nun schon wieder aufgetan hattest. Deine einleitenden Worte sorgten dann für erstes Unbehagen, "das ist 'Seven horses for seven kings'" von Black To Comm, einem Typen aus Hamburg, Marc Richter. Früher hat der eher so schnarchigen Ambient gemacht mit endlosen Drones, aber das hier ist jetzt echte der kranke Scheiß, hört mal...

Tja, und dann hörte man: Bläser schwirren aggressiv um einen, als wäre man selbst ein abgetrennter Schweinekopf auf einem Holzpflock, Anspannung, Zuspitzung, ein genüsslich nagender Horror. Das folgende "A miracle no-mother child at your breast" treibt die Trompete nebst ungesundem Rascheln und Ächzen in die Migräne, und dann beginnt das, was dieses Album seine ungesunde Manie verleiht: Gnadenlos gehen in umnachteten Rhythmus gegossene Schläge auf die Percussion nieder, am Außenposten der geistigen Gesundheit rüstet man sich scheinbar für einen Kriegszug. Später, in "Fly on you", werden die Drums, welche jedem anarchistischen Opferritual zur Ehre gereichen, mit wagnerianischen Streicher-Crescendi gekoppelt und ziehen so noch rücksichtloser in den Abgrund, dazu wieder Bläser, die ihre Nerven auf der letzten Rille blank scheuern. Marc Richter hat ein wahres Horrorfilmorchester in Bezahlung genommen, alles Meditative ist aus seiner Musik verschwunden, jetzt setzt es Schussfahrten durch die angeknackste Psyche.

Manchmal bleibt Richter dabei sehr reduziert, in "Lethe" lauscht man lediglich dem Pumpen einer rustikalen Apparatur mit anachronistischer Hydraulik, vielleicht die erste Herz-Lungen-Maschine der Welt. Und immer wieder trifft man auf diese urigen Drums, die jede zivilisatorische Zuckerschicht von ihren Fällen blasen. "Ramses II" ist da ein unterirdisch stampfender Wirbel, wieder denkt man an kriegerische Handlungen. Noch deutlicher tritt dies in "If not, not" zu Tage, welches sich in tribale Regionen hineinwuchtet. Die Basis dieser Stücke mag der Ambient sein, doch dessen Soundscapes werden ins Fratzenhafte verzerrt, verstärkt durch infernalische Bläser und Streicher, sowie die martialische Percussion ...

... und sowas findest Du gut, liebe X? Hör mal, Lana Del Ray bringt dieses Jahr noch ein Album raus, das ist doch auch ein bisschen edgy. Oder Tame Impala? Jede Menge Psych! Was sagst Du? Es muss weh tun? Du magst es, wenn sich die Musik in Dich hineinbohrt? Na, dann ist Dir wohl wirklich nicht mehr zu helfen!

(Martin Makolies)

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Highlights

  • A miracle no-mother child at your breast
  • Fly on you
  • If not, not

Tracklist

  1. Asphodel mansions
  2. A miracle no-mother child at your breast
  3. Lethe
  4. Ten tons of rain in a plastic cup
  5. Licking the fig tree
  6. Fly on you
  7. Double happiness in temporal decoy
  8. If not, not
  9. The Deseret alphabet
  10. Semirechye
  11. Ramses II
  12. Angel investor
  13. The Courtesan Jigokudayu sees herself as a skeleton in the mirror of hell

Gesamtspielzeit: 60:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
ZEddus
2019-01-27 09:14:40 Uhr
Was geht, ihr Zecken?
Fap to Comm
2019-01-27 08:15:52 Uhr
Latte des Jahres, ihr Würmer.

Was hat diese Musik auf einer Indiespießerseite verloren?

Armin

Postings: 14042

Registriert seit 08.01.2012

2019-01-24 21:19:08 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
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