Mono - Nowhere now here

Mono- Nowhere now here

Pelagic / Cargo
VÖ: 25.01.2019

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die eleganten Bekannten

20 Jahre Mono, 20 Jahre zwischen laut und leise, hell und dunkel, niedergeschmettert und auferstanden. Die Japaner um Takaakira 'Taka' Goto sind eine Institution im Post-Rock, die vom Status der Schutzheiligen nur noch unmerklich entfernt liegen. Das Quartett war dabei öfters eher typisch als bahnbrechend und bildetete damit ein Genre detailgenau ab, welches sich zugegebenermaßen mit Innovationen eher schwertut. Doch tat das niemals dem Raffinement in Monos Kompositionen einen Abbruch. Liebevoll ausgestaltet war deren Musik garantiert immer, so auch auf dem Jubiläumsalbum "Nowhere now here". Dazu gibt es Neuartiges und definitiv Bemerkenswertes. "Breathe" zeitigt das Gesangsdebüt von Bassistin Tamaki, mäandriert als semi-meditative Übung in eher konservativer Transzendenz vorbei an ungewohnten Synthielandschaften, die den Rockfaktor erst in der zweiten Hälfte etwas durchscheinen lassen. Dass es auch deutlich ruppiger geht, zeigt "After you comes the flood", welches derart entfesselt und grob beschlagen daherkommt, dass man unbewusst nach einer Rettungsweste unterhalb seiner Sitzgelegenheit tastet. Dieses Stück ist turbulent, fast schon eine physische Bedrohung: Die Gitarren explodieren im rauschenden Funkenflug, das Schlagzeug ist auf martialischem Kriegszug, und die Saiten des Basses vibrieren wie unheilvoll in Schwingung geratene Stahlseile einer Hängebrücke.

Nun sind Mono nicht unbedingt als erstes dafür bekannt, besonders ungeschlacht zu Werke zu gehen. Vielmehr war es ein karrierebildendes Merkmal, dass der Vierer sein klassisches Rockinstrumentarium durch Orchestereleganz stilvoll in eine flächige Dramaturgie erweitert hat. Und darauf muss auch dieses Mal nicht verzichtet werden, im Gegenteil. Songs wie das Titelstück fahren neben repetitiv pendelnden Gitarrenschleifen leitmotivisches Streicherwerk auf, und auch aus einer jenseitigen Welt herüber tönende Bläserfiguren finden ihren Einsatzort. Die Kombination aus all diesen Elementen erschafft ein üppiges Gesamtbild, beladen mit Bedeutungsschwere und einem abseitigen Pathos. Ein Stück wie "Far and further" zeigt aber, dass die Japaner die Intensitätsschraube nicht bis zur letzten Windung anziehen müssen, um Wirkung zu erzielen. Auch das schleppend-stoische Schlagzeugspiel kombiniert mit dem langmütigen Gitarrenplingern in "Sorrow" weiß sich weit entfernt von eruptivem Höllenspektakel, findet in seiner orchestrierten Erweiterung in dezentem Bombast noch ausgeglichene Würde. Bis auf die genannte Ausnahme befindet die Musik von Mono sich immer in einem halbwegs gesitteten Rahmen, auch eher gewaltige Auswüchse wahren ein Mindestmaß an Kontrolle. "Parting" bleibt dann gleich ganz in den weichen Windungen von Klavier und Streichern gefangen, und auch "Meet us where the night ends" verwendet den Großteil seiner Zeit darauf, entfernte Gewitterformationen zu beobachten, bevor der unvermeidliche Ausbruch kommt.

Dies alles ist weder neu noch besonders aufregend, zugegeben. Mono sind und waren nie die Band, die dieses Genre im progressiven Sinne nach vorne gebracht haben. Das konträre Spiel mit Dynamik und Stimmungen hat diese Truppe nie wirklich aufgebrochen, so auch hier nicht. Ja, Mono haben die bekannten Post-Rock-Formeln äußerst selten ins Extrem getrieben. Was Mono jedoch immer machen, ist das Ausfüllen und Anreichern des Vertrauten mit großer Eleganz und Liebe zum vollendeten Klang. "Nowhere now here" ist damit erneut ein Beleg für das stilsichere Gestaltungsbewusstsein Monos, alles wirkt rund und zu Ende gedacht, eine Herausforderung, an der man sich kratzen und reiben kann, ist dieses Geburtstagspräsent aber nicht.

(Martin Makolies)

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Highlights

  • After you comes the flood
  • Far and further

Tracklist

  1. God bless
  2. After you comes the flood
  3. Breathe
  4. Nowhere, now here
  5. Far and further
  6. Sorrow
  7. Parting
  8. Meet us where the night ends
  9. Funeral song
  10. Vanishing, vanishing maybe

Gesamtspielzeit: 60:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Rent Reznor!
2019-01-23 18:49:58 Uhr
@bonzo: sehe ich genau so! Und dann noch diese perlenden Gitarren dazu- wundervoll!

Bonzo

Postings: 1550

Registriert seit 13.06.2013

2019-01-23 18:23:22 Uhr
Dieser hypnotische Loop in "Meet us where the night ends" ist wirklich zum niederknien. Was für eine Atmosphäre!

alterniemand

Postings: 1296

Registriert seit 14.03.2017

2019-01-17 21:23:11 Uhr
6/10 mit der Begründung, dass das Album nicht fordert. Alter...
Ich erwarte doch bei Mono oder vielleicht sogar generell im Post-Rock Bereich kein Album, was mich herausfordert. Also mit Verlaub, da will ich mich treiben lassen und mitgerissen werden von atmosphärischen Schichten und geilen Melodien. So wie in dem hier verlinkten Stück zu hören.
Das dann nicht bei den Highlights ist. Da frage ich mich wie gigantisch das denn bitte noch werden soll

Armin

Postings: 16346

Registriert seit 08.01.2012

2019-01-17 21:09:41 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

zurueck_zum_beton

Postings: 174

Registriert seit 07.07.2013

2019-01-17 20:46:44 Uhr
Wird es. Es ist wirklich wahnsinnig gut.
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