Fidlar - Almost free

Fidlar- Almost free

Mom & Pop / H'Art
VÖ: 25.01.2019

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Almost good

"Almost free" soll der Beginn eines Imagewandels für Fidlar sein. Die Tuppe aus Kalifornien beklagte sich im Vorfeld des Releases über ihre Reduzierung auf eine Party-Punkband zum Saufen. Auf dem neuen Album seien nachdenkliche Texte, ungewöhnliche Einflüsse und es gibt Instrumente zu hören, die es in einem Fidlar-Song bisher noch nicht zu hören gab. Die Tendenz zu ernsten Themen ist Fidlar jedoch nicht fremd, aufgrund der Umstände war dies zumindest beim Vorgänger "Too" der Fall, für den Texter Zac Carper seine Sucht und den Drogentod seiner Freundin verarbeitete. "Almost free" treibt diese Entwicklung voran, mit einem stärkeren Fokus auf gesellschaftlichen Problemen. Sich als Hörer so etwas wie die guten alten Zeiten zurückzuwünschen, ist vor diesem Hintergrund natürlich ziemlich problematisch.

Aber trotzdem reift schon mit den ersten Takten des Openers "Get off my block" die Gewissheit, dass Fidlar sich auf ihrem Weg der geplanten Ernsthaftigkeit mehr und mehr verlieren. "Get off my block" wird bestimmt von einem aggressiven Schlagzeug und Zac Carper rapschreit darauf genauso stumpfe Lyrics. Bis hierhin hört sich das immerhin noch nach der Fidlar-Version von Nu-Metal an. Doch dann kommt – komplett unerwartet und unpassend – ein Saxofon-Solo hereinspaziert, das wie eine schlechte Parodie auf den restlichen Song klingt und ihm jegliche Attitüde raubt. Der Anspruch, so etwas wie ein "schlaues" Album zu machen, wird gleich mal mit der Tatsache verwechselt, irgendwelche neuen Elemente willkürlich in einen Song zu packen.

Fidlar waren immer dann am besten, wenn ihre Songs hohes Identifikationspotenzial boten. Die Roadtrip-Atmosphäre von "Westcoast", die Armuts-Romantik von "Cheap beer". Und Stücke wie "Overdose" bewiesen, dass Fidlar auch aus Schicksalsschlägen befreiende Kunst schaffen konnten. Insofern ist es nur konsequent, dass die Band, die früher nur Kiffen und Skaten zum glücklich sein brauchte, heute Songs über Drogensucht und die politischen Fehlentwicklungen in Amerika und der Welt schreibt. Nur leider hat Zac Carper dazu in "Alcohol" dann doch nicht mehr zu sagen, als das Wort einfach ein paar Mal zu wiederholen. Und in "Too real" hört er sich mit seinen Kommentaren zu Politikverdrossenheit, dem bedenklichen Aufstieg sozialer Medien und den Fehlern der Linken und Rechten, genauso oberlehrerhaft an wie die, die er eigentlich kritisieren will.

Was dem Album jedoch vor allem fehlt – und was Fidlar auch anscheinend nicht im Sinn haben – ist ein erkennbarer Sound. Es scheint, als würden die Experimente eher um ihrer selbst Willen existieren. Der instrumentale Titeltrack klingt mit seinen Drums und Trompeten wie der Versuch einen Madlib-Beat zu produzieren, und das folgende "Scam likely" ist dann ein astreiner Britpop-Song von circa 1996. Das klappt aber immer noch sehr viel besser als "By myself", das sich von einem akustischen Lagerfeuerlied aus dem Nichts in einen manisch-fröhlichen Popsong verwandelt, in dem Carper über seine psychischen Probleme singt. Die sommerliche Grundstimmung sorgt beim Hören jedoch mehr für Verwirrung als für Empathie. Wahrscheinlich möchte man mitteilen, dass zu jedem Hochgefühl ein Kater gehört und umgekehrt. Eine Weisheit, die der Hörer auch auch ohne scharfen Realitätssinn noch gerade so zusammenbekommt. Fidlar fassen das Album im letzten Song selbst am besten zusammen, wenn sie singen "The good times are over". Leider scheint es, als wären sie das tatsächlich.

(Theo Flint)

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Highlights

  • Almost free

Tracklist

  1. Gett off my rock
  2. Can't you see
  3. By myself
  4. Flake
  5. Alcohol
  6. Almost free
  7. Scam likely
  8. Called you twice (feat. K.Flay)
  9. Nuke
  10. Too real
  11. Kick
  12. Thought. Mouth
  13. Good times are over

Gesamtspielzeit: 41:44 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
real999
2019-02-05 18:21:19 Uhr
Also die schlechte Rezesion verstehe ich nicht, das Album ist wirklich gut. Wer sich mit Songs wie "Can´t you See" oder "Get off my Rock" anhört sollte doch die gute Qualität der Songs erkennen, auch gerade wegen dem coolen Saxophon. Bitte solche Alben einem Autor rezesieren lassen, welcher sich besser mit dem Genre Garage-Rock auskennt.

diggo

Postings: 52

Registriert seit 02.09.2016

2019-01-25 06:38:33 Uhr
mir gefällt auch album #3 - zwar in der tat nicht mehr so stark wie die
vorgänger, macht trotzdem wieder unglaublich spass! und „by myself“ ist mein bisheriger hit des jahres - einfach nur grossartig!

Armin

Postings: 14043

Registriert seit 08.01.2012

2019-01-17 21:08:54 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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