Honigdieb - Sei wie du bist

Honigdieb- Sei wie du bist

Kunterbunt / Hardbeat
VÖ: 19.05.2003

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bienen im Arsch

Was hat man uns nicht alles schon als "Crossover" angepriesen: Metal meets Rap, Rock meets Klassik, Techno meets Musik. Eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis jemand auf die Idee kam, Neue Deutsche Härte mit südosteuropäischer Folklore und einer Prise Chanson zu kombinieren.

Hört sich bescheuert an? Reichlich, und genauso klingt es auch. Sir Hannes Smith, einst mit seinen Bands The Iditots und Phantoms Of Future deutscher Vorzeige-Exzentriker, hat es mit seiner Exzentrik endgültig übertrieben. Böse Zungen würden gar vom Totalschaden reden. "Lügen haben kurze Beine / Ja, der Teufel führt die Leine / Und du wirst Pferde kotzen sehen" ist ein beliebiges, aber repräsentatives Beispiel für die textlichen Kollateralschäden. Ein einziges "Reim Dich, oder ich fress' Dich"-Kreuzfeuer. Von den ständigen Stil-, Tempo- und Rhythmuswechseln wird man sowieso total kirre und befindet sich damit ansatzweise in dem Geisteszustand, den die Musiker an den Tag gelegt haben müssen, als sie diesen akustischen Gyrosteller aufnahmen.

Nun kann es natürlich sein, daß sich hier ein alternder Punk-Übervater nur einen Kindheitstraum erfüllt hat - wo ist eigentlich Freud, wenn man ihn mal braucht? - und mal richtig derbe auf die Kacke hauen wollte. Ohne Rücksicht auf Verluste, Verkaufszahlen und Ansehen. Das eine oder andere Mal kann man durchaus zuhören und wenigstens lachend den Kopf schütteln. Aber ein ganzes Album, für das man auch noch sein ehrlich verdientes Geld bezahlen soll, mit diesem akustischen Sondermüll zu füllen, ist schon dreist.

Denn weder Ironie noch starke Drogen können ausreichen, wenn es gilt, den Sinn hinter postpubertären Späßchen wie "Wann machen wir mal wieder Telefonsex?" oder "Luder" zu finden. Suchen wir also erst gar nicht. Das Konzept des Lattenmessens haben andere schon massiv besser in Musik kleiden können. Halbwegs lustig wird's nur, wenn in "Madame" das brachiale Möchtegern-NDH-Gewitter für den Refrain unterbrochen wird und es in bester Operettenstimmung "Fick dich ins Knie, Madame" setzt. Platten, auf denen solche Albernheiten schon die lichten Momente darstellen, möchte man sich wohl lieber nicht in irgendwelcher Gesellschaft anhören. Oder überhaupt.

(Lukas Heinser)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Madame

Tracklist

  1. Auf der Suche nach dem Glück
  2. Meine Tür
  3. Ach du süße Kleine
  4. Das Tier
  5. Tag ohne Schatten
  6. Der Clown
  7. Madame
  8. Lust auf Lust
  9. König
  10. Kannst du was
  11. Sei wie du bist
  12. Natürlich
  13. Wann haben wir mal wieder Telefonsex
  14. Luder

Gesamtspielzeit: 51:20 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

  • Honigdieb (9 Beiträge / Letzter am 24.01.2006 - 13:21 Uhr)

Anhören bei Spotify