The Twilight Sad - It won/t be like this all the time

The Twilight Sad- It won/t be like this all the time

Rock Action / PIAS / Rough Trade
VÖ: 18.01.2019

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Everything's not lost

Nicht nur der Umstand ist zu betrauern, dass die Welt immer chaotischer und kriegerischer geworden ist, je länger dieses 10er-Jahrzehnt andauert. Klar, auch in friedvolleren Zeiten war der Tod immer schon nah am Leben, selbst wenn man ihn im Alltag glücklichweise nur selten wahrnimmt, weil wir Kriege und Konflikte vor den Toren Europas meistens ausblenden. Es sind schlicht und einfach zu viele. Wenn aber das persönliche Umfeld betroffen ist, zeigt der Tod seine brutale und unbarmherzige Fratze. James Alexander Graham und seine Mitstreiter mussten 2018 hilflos miterleben, wie Scott Hutchinson von Frightened Rabbit vor seiner schweren psychischen Erkrankung kapitulierte. Der Selbstmord ihres schottischen Musikerkollegen und guten Freundes traf The Twilight Sad ins Mark. Als letzten Nachruf intonierten Graham und Co. Fightened Rabbits "Keep yourself warm" auf ihren Sommer-Konzerten in einer besonders beklemmenden Version. Gänsehaut-Attacke, potenziert um zehn.

Spricht man in diesen düsteren Zeiten dem kühlen, noch immer so dunkel funkelnden Monolith "No one can ever know" aus dem Jahre 2012 zumindest aufgrund des Titels noch eine Spur Positivismus zu, dann muss einem angesichts des neuen Werktitels "It won/t be like this all the time" Angst und Bange werden. Dass The Twilight Sad pessimistisch in die Zukunft blicken, ist nicht verwunderlich. Ebensowenig wie nicht vorhandene Zweifel am musikalischen Output des Vierers. Denn das neue Werk schöpft aus dem Geiste von "No one can ever know" nicht nur die Inspiration für seine Synthie-Sounds und den stärkeren Dark-Wave-Touch, wie der leicht verschrobene und entzückende Opener "[10 good reasons for modern drugs]" unmissverständlich andeutet, bevor er in spärlicher Beleuchtung beinahe gegen eine Ambient-Wand läuft. Nein, "It won/t be like this all the time" kombiniert jene kühlen Klangschatten des 2012er-Albums mit Wucht und der aufbrausenden Seite der Schotten, sodass der kleine Post-Punk-Hit "Shooting Dennis Hopper shooting" neben feinen Depeche-Mode-Synthies auch bräsig Druck aufbaut und Staub verwirbelt.

Die Vorab-Auskopplung "Videograms" steht dagegen nicht zufällig an der letzten Position, führte dieses eher schüchterne und synthieverortete Kleinod die Hörer doch mit The-Cure-Touch und New-Order-Beat zumindest ein wenig auf die abwegige Fährte. "I'm afraid to tell you / When you're wrong", zuckt Graham mit den verbalee Achseln. Doch trotz des flehenden, leicht demütigen "The arbor", das seine traurigen Synthie-Falten bewusst nicht mit Schminke übermalt, und dem ebenfalls elektronischen "Sunday Day 13", das seinen Missmut gegen Felswände singt, bis der Background-Gesang samt Echo zurückkehrt, ist "It won/t be like this all the time" eher ein aufbrausendes statt ein verzweifeltes Album. Die gegenüber dem Vorgänger durchaus umgepolte Intensität spiegelt "VTr" besser wieder, weil The Twilight Sad häufig mit Cold-Wave-Ansatz starten, ihre Soundfelder aber immer wieder auch mit Gitarrenwänden bepflanzen.

An einem beeindruckend langen roten Faden spannen die Schotten sich zuweilen zwischen die Soundebenen von Mogwai und New Order, klingen mutig und gefestigt zugleich, was auch daran liegen könnte, dass die langjährigen Livegefährten Brendan Smith (The Unwinding Hours) und Johnny Docherty nun offziell zur Band gehören. In "Girl chewing gum" geht es postpunkig zu, die Gitarren kleben am tiefgepolten Bass, um dann im richtigen Augenblick und zu Grahams erhabener Stimme aufzujaulen. Besonders druckvoll gerät "Auge/Maschine" und damit zu einer Art Editors-Song, den Tom Smith seit mindestens "The weight of your love" nicht mehr geschrieben hat. Ein Paradebeispiel dafür, dass The Twilight Sad in ihrer Art und Weise der musikalischen Dramaturgie und der immer wohltarierten Balance zwischen Atmosphäre, Soundwand und wohliger Repitition so großartig und einzigartig sind, liefert die gleichfalls eingängige wie melancholische Single "I/m not here (Missing face)". "It's just another heartache to me" stellt Graham dann in "Let's get lost" desillusioniert fest. Wer kann es ihm in diesen Zeiten verdenken. Solange die Zukunft aber Musik von The Twilight Sad bringt, ist diese Welt sicher nicht ganz verloren.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • [10 good reasons for modern drugs]
  • Shooting Dennis Hopper shooting
  • I/m not here (Missing face)
  • Auge/Maschine

Tracklist

  1. [10 good reasons for modern drugs]
  2. Shooting Dennis Hopper shooting
  3. The Arbor
  4. VTr
  5. Sunday day 13
  6. I/m not here (Missing face)
  7. Auge/Maschine
  8. Keep it all to myself
  9. Girl chewing gum
  10. Let's get lost
  11. Videograms

Gesamtspielzeit: 47:11 min.

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User Beitrag

Thanksalot

Postings: 334

Registriert seit 28.06.2013

2019-11-20 12:41:32 Uhr
Ach ja, Man Of Moon haben mir auch sehr gefallen!

Thanksalot

Postings: 334

Registriert seit 28.06.2013

2019-11-20 09:42:32 Uhr
War auch da. Da ich nicht gerade der übergroße Konzertgänger bin, habe ich wohl wenig Anspruch was den Sound angeht. Ich fand ihn okay. Ja, der Sänger war etwas laut, aber ich habe es trotzdem genossen. Erfahrene werden wohl Besseres gewohnt, sein, was ja auch vollkommen in Orndung ist. Aber für so einen Laden...

Na, auf jeden Fall hat es mir gefallen. Und zoolo: Ja, James Graham freut sich immer, wenn er vor Publikum spielen darf.^^ War 2015 auch im Gebäude 9 und schon da war er aus dem Häuschen, weil sie die Hütte voll bekommen haben. Da dürfte ihn diese Tour mit größeren Venues regelrecht umgehauen haben. Freut mich auf jeden Fall für die Band, dass sie - verdientermaßen - an Bekanntheitsgrad zunimmt.

Die Setlist war auch gut. Mit 9 Songs vom neuen Album vielleicht eeetwas zuviel des Guten, aber eigentlich will ich mich da nicht beschweren. Finde es nach wie vor überragend. Hauptsache "Let/s Get Lost" und "Videograms" mal live erlebt. Schön, schön.

rainy april day

Postings: 550

Registriert seit 16.06.2013

2019-11-20 03:14:57 Uhr
Fand den Sound auch absolut überragend. Stand ziemlich zentral, da war es wirklich kristallklar. Klar stand der Gesang etwas im Vordergrund, das tut er aber auch auf dem neuen Album ein wenig. Einzig auffällig fand ich, dass es ab Missing Face auf einmal gut doppelt so laut wurde :D

War mein viertes Mal TTS und auf jeden Fall das beste. Zwei Mal hab ich sie nur als Support gesehen und das ist definitiv nicht so ihr Ding. Vor vier, fünf Jahren im Gebäude 9 dann als Hauptact war es schon deutlich besser, aber da war der Sänger noch deutlich zurückhaltender. Diesmal hat es wirklich so gewirkt, als würde er wirklich sein Innerstes komplett nach außen räumen auf der Bühne. Beim Inhalt seiner Texte finde ich es auch ehrlich gesagt wenig überraschend, dass einen das emotional schon ganz schön mitnehmen kann, so was intimes vor Publikum zu performen.

cargo

Postings: 236

Registriert seit 07.06.2016

2019-11-18 18:13:33 Uhr
Ne, ich fands wirklich eine einzige Zumutung. Wenn das Standard in dem Laden ist war ich sicherlich das letzte Mal dort.

zoolo

Postings: 3

Registriert seit 22.08.2019

2019-11-18 18:06:17 Uhr
Whoat? Ich fands für ein Livekonzert richtig ordentlich, da hab ich schon viel mieseren Sound gehört.
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